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Ulrich Ende möchte dapd vom Starnberger See aus leiten

15. Januar 2013 I Nachrichtenagentur

Diese Woche sollen die letzten Investoren das nötige Kapital zeichnen, damit Ulrich Ende die dapd endgültig übernehmen kann. Die neue Gesellschaft wird ihren Sitz aber nicht in Berlin haben. Endes Anspruch ist es, die dapd wieder auf- und auszubauen. Doch zuerst einmal muss er viel Vertrauen zurückgewinnen.

Die Unterschrift ist getrocknet. Vergangene Woche hat der erste neue dapd- Investor vor einem Notar in Tutzing am Starnberger See bei München eine Einlage von rund einer Million Euro gezeichnet. Damit ist die Gesellschaft handlungsfähig, welche die dapd-Gesellschaften aus der Insolvenz kaufen will. In dieser Woche sollen weitere Investoren ihre Einlagen zeichnen. Vier Millionen Euro hat der künftige dapd-Eigner Ulrich Ende angekündigt, so zusammen zu bekommen - zumeist von mittelständischen Verlagen, die im Medizin- und Wissenschaftsbereich arbeiten und ihre Inhalte über den „Distributionsweg Agentur“ verbreiten möchten, wie Ende im Interview gegenüber dem rbb-Medienmagazin von radioeins sagte.

Die Nachrichtenagentur soll auch künftig in Berlin bleiben, aber von Tutzing aus gesteuert werden, wo die dapd Nachrichten Beteiligungs GmbH ihren Sitz hat. Ende sagte am Wochenende dem Münchener Merkur, in Tutzing sei eine Holdinggesellschaft geplant. Bei der Gemeinde werde damit auch „ein bisschen Gewerbesteuer“ hängen bleiben. Es ist kein so großer Zufall, dass der künftige Eigner den Starnberger See bevorzugt: Es ist – im Gegensatz zu Berlin – eine der wohlhabendsten Gegenden in Deutschland. Auch der frühere dapd-Mit-Eigentümer Peter Löw hat dort sein Anwesen.

Ulrich Ende möchte nun mit dem bisherigen Firmengeflecht Schluss machen. „Wir sind hier eher journalistisch unterwegs und wollen daher klare Strukturen, die wir auch verstehen.“ Im Gegensatz zu den vorherigen Eignern Peter Löw und Martin Vorderwülbecke kommt Ende aus der Branche. Er war Chefredakteur beim Nachrichtenkanal n-tv und später Geschäftsführer von N24.

Ende glaubt, das Projekt dapd sei daran gescheitert, genauso sein zu wollen wie die dpa. Nichtsdestotrotz möchte er die dapd als Vollagentur erhalten beziehungsweise wieder zu einer entwickeln. Im Zuge der Insolvenz wurde unter anderem das Sport-Ressort aufgelöst und das Büro in Frankfurt geschlossen. 98 Mitarbeitern wurde gekündigt.

„Wir haben jetzt 200 Mitarbeiter“, sagte Ende gegenüber radioeins. Das sei ein Drittel weniger als bislang, aber immer noch mehr als vor drei Jahren bei der ddp. (Bei der Fusion damals brachte die ddp 140 Mitarbeiter ein und die AP 110 Mitarbeiter.) Den Sockel von 200 Leuten möchte Ende erhalten. Sein Anspruch ist es, den Laden wieder auf- und auszubauen.

Dazu wird er aber viel Vertrauen zurückgewinnen müssen. WAZ, Rheinpfalz, Neue Presse, SZ, FAZ und M. DuMont Schauberg (Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, Kölner Stadtanzeiger) haben ihren Vertrag mit der dapd gekündigt. Und dann sind da auch noch mehrere Dutzend gekündigte Mitarbeiter, die gegen ihren Rauswurf klagen. Ende dürfte demnächst öfter in Berlin sein als am Starnberger See. Peter Löw wird das sicher nicht stören. (jsf)

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Anmerkung der Redaktion: Der Satz „Wir haben jetzt 200 Mitarbeiter“ wurde ursprünglich versehentlich Peter Löw zugeordnet. Zudem wurde Ulrich Ende mit dem Satz zitiert, dass es nun bei der dapd ein Drittel mehr Mitarbeiter als vor drei Jahren gebe. Das sagte er tatsächlich (13:55 min), bezog sich aber offenbar ausschließlich auf die ddp. Wir haben den Text korrigiert bzw. verdeutlicht und bitten um Entschuldigung.

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