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FR-Insolvenz könnte Folgen für Berliner Zeitung haben

13. November 2012 I DuMont

Die Frankfurter Rundschau hat Insolvenz angemeldet. Das könnte auch Folgen für die Berliner Zeitung haben. Der DJV-Vorsitzende Michael Konken spricht von jahrzehntelangem Missmanagement.

Von Jan Söfjer

Als die Chefredakteure Hans-Helmut Kohl und Jochen Siemens Anfang des Jahrtausends mit einer Mittagsausgabe der Frankfurter Rundschau Millionen verbrennen, wird deutlich, dass sich die Zeit des einst großen linksliberalen Blattes dem Ende zuneigt. Damals spart die FR erstmals und besetzt Stellen nicht neu. Die Redaktion bemängelt in einem Brandbrief "das völlige Fehlen eines verlegerischen und publizistischen Konzepts zur Überwindung dieser für die FR lebensbedrohenden Krise."

Rund zehn Jahre später steht die FR wirklich vor dem Aus. Heute meldete die FR Insolvenz an. Als Insolvenzverwalter soll der Rechtsanwalt Frank Schmitt eingesetzt worden sein. Die Mitarbeiter erfuhren davon aus den Medien. Die Betriebsversammlung war erst für den Nachmittag angesetzt.

"Die Insolvenz der Rundschau ist die Folge von jahrzehntelangem Missmanagement", kritisierte der DJV-Vorsitzende Michael Konken. 2010 machte das Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main, der Verlag der FR, einen Verlust von 18 Millionen Euro. "Das Aus der renommierten Zeitung ist besonders bitter für die Beschäftigten, die über Jahre hinweg mit Einkommensverzicht für den Erhalt ihrer Zeitung gekämpft haben."

Der Deutsche Journalisten-Verband hat die Geschäftsführung des FR-Mehrheitseigners M. DuMont Schauberg nun aufgefordert, auf Kündigungen redaktioneller Mitarbeiter bei der Frankfurter Rundschau weitgehend zu verzichten. Konken erwarte, dass der Verlag den Betroffenen adäquate Stellen bei anderen DuMont-Medien anbiete. Die Freien der Frankfurter Rundschau sollten beim Kölner Stadtanzeiger oder etwa der Berliner Zeitung Texte und Fotos verkaufen können.

FR-Insolvenz dürfte Folgen für Berliner Zeitung haben

Doch in Berlin wird auch gespart. Der Berliner Verlag soll in die roten Zahlen gerutscht sein. Mit daran Schuld könnte auch die FR sein, denn seit eineinhalb Jahren wird der Mantel der Frankfurter Rundschau bei der Berliner Zeitung produziert. Viele FR-Redakteure wechselten damals nach Berlin - aber nicht genug, als dass sie ohne Hilfe der Berliner Kollegen auszukommen würden. Die Lohnkosten für die Ex-Frankfurter trägt indes die Berliner Zeitung. Der Plan, mit diesem Schritt die FR in die schwarzen Zahlen zu bringen, ging indes nicht auf.

Würde die FR nun eingestellt oder auf einen Autoren-Mantel verzichten, dürfte das auch einen Stellenabbau bei der Berliner Zeitung nach sich ziehen. Ganz zu schweigen von der Anfang 2010 gegründeten DuMont Redaktionsgemeinschaft. Dort schreiben Autoren für vier DuMont-Titel, insbesondere aber für die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau. Sollte die FR eingestellt werden, gäbe es wenig Grund die Redaktionsgemeinschaft weiter zu führen.

Nachtrag vom 21.11.2012: Berliner Verlag plant Stellenabbau (Spiegel Online)

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