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Minou Amir-Sehhi mit Karamba Diaby. Foto: Sascha Alexander

29. November 2013 I Karamba Diaby

Karamba Diaby ist der erste afrikanischstämmige Abgeordnete des Bundestags. Beim JVBB hat er seine Geschichte erzählt: vom afrikanischen Waisenkind in die deutsche Politik.

Von Minou Amir-Sehhi

Seit der Bundestagswahl gibt er täglich Interviews, am 25. November war er beim Interkulturellen Netzwerk des JVBB zu Gast: Dr. Karamba Diaby, erster afrikanischstämmiger Bundestagsabgeordneter.

Im vollen Veranstaltungsraum der JVBB-Geschäftsstelle erzählte Karamba

Diaby seinen Werdegang vom afrikanischen Waisenkind zum promovierten Chemiker in der DDR und schließlich zum Bundestagsabgeordneten der SPD: Er sei der lebende Beweis für

Chancengerechtigkeit, sagt der gebürtige Senegalese.

Mit einem Stipendium konnte er in Halle an der Saale studieren. Bildung für alle – das ist auch jetzt als Politiker sein Herzensthema: Er hofft, dass die SPD-Fraktion ihn in den Ausschuss für Bildung und Forschung delegiert. Daneben ist Integration sein großes Thema – dafür hat er sich die letzten 20 Jahre eingesetzt, zuletzt als Referent bei der Integrationsbeauftragten von Sachsen-Anhalt.

Nur vier Prozent nicht deutschstämmiger Politiker im Bundestag

Mehr Menschen mit Migrationsgeschichte sollen in alle Bereiche, von der Politik bis zum öffentlichen Dienst. Im Bundestag sitzen nur etwa vier Prozent nicht deutschstämmiger Politiker – in den deutschen Kommunalvertretungen sieht es ähnlich aus.

Rund 80 Interviews hat Karamba Daiby seit seiner Nominierung für die Bundestagswahl gegeben. Nicht unwahrscheinlich, dass er damit Spitzenreiter unter den 631 Abgeordneten ist.

Dass er jetzt zum "Objekt" der Berichterstattung geworden ist, hat der 52-Jährige geschickt für sich genutzt, um seine politischen Ziele den Journalisten nahe zu bringen: Bildung für Alle, Mindestlohn und Rentenangleichung von Ost und West. Alles Anliegen, die besonders für seine Wahlheimat Halle relevant sind.

Die Hallenser kennt der Chemiker gut – nach den Recherchen für seine Dissertation ("Schadstoff und Nährstoffgehalt hallescher Kleingärten") zählt er noch heute einige Schrebergärtenbesitzer zu seinen Freunden, und weil er auch neben seinem Bundestagsmandat weiter Stadtrat in Halle bleibt, wird er mit dem Thema noch lange zu tun haben: Wegen der Abwanderung aus Halle finden immer mehr Schrebergärten keine Pächter mehr. Karamba Diaby hätte durchaus gerne einen eigenen Garten – aber dafür reicht seine Zeit nicht.