Die ARD will sparen

ARD-Verantwortliche. Darunter Volker Herres (2. v. l.), Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen, und rbb-Intendantin Dagmar Reim. Foto: Bernd Lammel.

5. Februar 2014 I Konferenz der Intendanten

Die ARD-Intendanten haben sich in Berlin getroffen. Dabei ging es auch ums Geld. Schon jetzt klagen freie Journalisten über die Kürzung ihrer Honorare.

Von Katharina Dockhorn

Die ARD will sparen. Das will sie nicht auf Kosten des Programms, sie muss es aber auf Kosten von Journalisten und Kreativen, dies räumte Lutz Marmor, Intendant des NDR und amtierender Vorsitzender der ARD, nach der Konferenz der Intendanten am 3. und 4. Februar in Berlin ein. Bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs von ARD und ZDD habe der Senderverbund zuletzt nicht mal den Ausgleich der Inflation beantragt. Aber auch die Minimalforderung wurde von den 16 Experten der KEF gekürzt.

Geld ist trotzdem vorhanden. Durch die Umstellung der Gebührenberechnung auf die Haushaltsabgabe zum 1. Januar 2013 wurden rund eine Milliarde Euro mehr eingenommen. Der Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) schlagen vor, den Gebührenzahlern bis zu einem Euro pro Monat zu erlassen. Derzeit zahlt jeder Haushalt 17,98 Euro. Die KEF empfiehlt eine Senkung um 73 Cent je Haushalt.

Zu diesen Vorschlägen fand die Runde der ARD-Oberen trotz mehrmaliger Nachfragen keine eindeutige Position. Lutz Marmor warnte nur vor einem Jo-Jo-Effekt. Wenn die Haushaltsabgabe 2017 gekürzt werde, könnten die Etats der Anstalten endgültig in die Schieflage geraten.

Ausruhen auf Quotenbringern

Ansonsten vermieden die ARD-Intendanten den Eindruck, sich energisch gegen diesen Vorschlag zu stemmen. Oder dass sie mit den Zuschauern und den verantwortlichen Gremien das Gespräch und einen breiten öffentlichen Konsens suchen, welches Programm das bewährte öffentlich-rechtliche System künftig anbieten soll und wie dies zu finanzieren sei.

Noch ruhen sich die Verantwortlichen auf Quotenbringern wie dem Tatort, Sportübertagungen oder dem Ansehen der Nachrichten aus. Zur Hauptsendezeit ist das Erste das am häufigste eingeschaltete Programm, die Dritten sind der Favorit bei den Zuschauern. Und die Qualität stimmt nach Einschätzung des Publikums auch.

Die Kreativen laufen dagegen Sturm gegen die Ideen der Ministerpräsidenten. Die Allianz deutscher Produzenten Film- und Fernsehen fordert Budgeterhöhungen statt Etatstreichungen und eine Qualitätsoffensive. Ein Tatort werde heute für etwa 75 Prozent des Budgets von 2004 gedreht. „Die Grenze des Machbaren ist erreicht. Innovative Inhalte wie zum Beispiel die hochgelobten neuen Serien, sind hierzulande schon lange nicht mehr zu machen.“

Auch der Verbandstag des DJV diskutierte die Auswirkungen der Sparmaßnahmen der ARD. Freie Journalisten klagen über die Kürzung ihrer Honorare, über die Wiederholung ihrer Beiträge in anderen Programmen werden sie spät und unzureichend informiert. Wiederholungshonorare fallen unter den Tisch.

Doch ein Schulterschluss von Kreativen und Programmverantwortlichen zur Sicherung der gegenwärtigen Einnahmen für das Programm und für Gehälter und Honorare, die den Lebensunterhalt sichern, zeichnet sich – so zumindest der gestrige Eindruck - nicht ab.