Delegierte stimmen gegen Autorisierungswahn

Die Berliner hatten Erfolg mit ihrem Antrag gegen den Autorisierungswahn. Foto: Simone Ahrend - sah-photo

6. November 2012 I DJV-Verbandstag

Auf dem Bundesverbandstag ist die Mehrheit der Delegierten dem Antrag des DJV Berlin und JVBB gefolgt, etwas gegen den zunehmenden Autorisierungswahn bei Interviews zu unternehmen. Die Delegierten sprachen sich auch für eine Reform des Urheberrechts aus. Vier Kolleginnen und Kollegen wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Der DJV Berlin und der JVBB haben am zweiten Tag des DJV- Bundesverbandstages in Kassel einen gemeinsamen Antrag gegen den Autorisierungswahn durchbekommen. Die Berliner Verbände setzen sich gegen die Praxis ein, in der Autorisierungsphase Interviews wesentlich zu verändern oder ihre Veröffentlichung ganz zu untersagen.

Die Fachausschuss-Vorsitzende Freie des DJV Berlin, Katharina Dockhorn, sagt dazu: „Til Schweiger hat uns in der vorigen Woche die beste Vorlage geliefert. Er forderte als Voraussetzung für ein Interview die Unterschrift unter einen Vertrag, der für Freie Journalisten nicht akzeptierbar war und einem Berufsverbot gleich kam. Die Liste solche Vorfälle des Autorisierungswahns Prominenter ist lang, auch die Verlage haben genug.“

Nach großer Diskussion wurde der Antrag von den 300 Delegierten angenommen. Nun sollen sich DJV, Verdi, Verlegerverbände und Medienhäuser zusammensetzen und überlegen, wie für Journalisten und Interview-Partner eine gute Lösung zu finden ist. Dockhorn sagt: „Wir wollen unseren Lesern originelle, spritzige und informative Gespräche bieten, womit das Persönlichkeitsrecht des Interviewten selbstverständlich beachtet wird. Alle Versuche, dies zu verhindern, sollten Journalistinnen und Journalisten gemeinsam mit Medienhäusern entschieden begegnen.“

Delegierte stimmen für Reform des Urheberrechts

Mit großer Mehrheit beschlossen die Delegierten Eckpunkte eine Reform des Urheberrechts. Neue Regelungen dürften die berechtigten Interessen der Kreativen nicht verletzen, heißt es in der beschlossenen Resolution. Der Gesetzgeber dürfe rechtswidrige Nutzungen von Werken im Internet nicht deshalb legalisieren, weil sie faktisch möglich seien.

Weiter heißt es, eine Anpassung des Urheberrechts an die digitale Welt könne nicht darin bestehen, Nutzern kostenfrei und schrankenlos die Verwendung von kreativen Inhalten zu erlauben. Die Persönlichkeitsrechte der Urheber müssten auch künftig geschützt sein. „Journalisten sollen weiterhin frei über die Nutzung ihrer Werke entscheiden und diese auch untersagen können“, heißt es wörtlich.

Die Resolution fordert darüber hinaus, die 2002 verabschiedete Reform des Urhebervertragsrechts nachzubessern. Gesetzlich müsse festgelegt werden, dass Urheber an jeder Nutzung ihrer Werke angemessen beteiligt würden.

„Das Vertragsrecht muss zum Ziel haben“, fordert das DJV-Papier, „die Position der ohnehin gerade im journalistischen Bereich wirtschaftlich und strukturell unterlegenen Urheber gegenüber der Medienwirtschaft zu stärken.“ Ohne faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Journalistinnen und Journalisten sei die öffentliche Aufgabe der Medien bei der demokratischen Willensbildung bedroht.

Vier Kolleginnen und Kollegen zu Ehrenmitgliedern gewählt

Ebenfalls am zweiten Sitzungstag wurden verdiente Kolleginnen und Kollegen zu Ehrenmitgliedern des Deutschen Journalisten-Verbands gewählt. Mit überwältigender Mehrheit wurden Sabine Bachert-Mertz von Quirnheim, Lothar Kaiser, Michael Krömer und Karlheinz Stannies für ihre Verdienste um den DJV und den Journalismus ausgezeichnet.

Die Zeitungsredakteurin Sabine Bachert-Mertz von Quirnheim stand über 20 Jahre an der Spitze des DJV- Landesverbands Sachsen. Anfang der 90-er Jahre war sie die erste Frau im Kreis der DJV- Landesvorsitzenden. Der frühere WDR-Studioleiter Lothar Kaiser leitete viele Jahre den DJV- Fachausschuss Rundfunk und engagierte sich im DJV Nordrhein-Westfalen.

Michael Krömer, ehemaliger Pressesprecher und Zeitungsredakteur, war Vorsitzender des DJV- Landesverbandes Nordrhein-Westfalen und bis heute aktiv in Gremien des Westdeutschen Rundfunks. Karlheinz Stannies, ehemaliger Zeitungsjournalist und Vorsitzender des DJV- Fachausschusses Betriebsräte, ist nach wie vor aktiver Streiter für eine faire Tarifpolitik.

DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken rief die neuen Ehrenmitglieder auf, auch weiterhin im DJV aktiv mitzumischen.