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Rettung afghanischer Helfer/innen:

Hoffentlich noch nicht zu spät

20.08.2021

Der schnelle Fall von Kabul lässt niemanden von uns kalt. Zwar stellen sich Talibansprecher nach außen als gemäßigt da und beteuern, niemand werde wegen seiner Arbeit für die afghanischen und westlichen Streitkräfte oder westliche Medien belangt. Nach Berichten, die dem DJV vorliegen, sieht das aber anders aus. Längst wird nicht nur in Kabul gezielt nach Familienangehörigen von im Ausland lebenden Journalistinnen und Journalisten gesucht. In einem Fall wurde der Vater vor den Augen seiner Familie erschossen. In Deutschland lebende afghanische Journalisten werden von ihren Familien angefleht, nichts unter ihrem Namen zu veröffentlichen, damit die Taliban nicht zu den Angehörigen geführt werden. Im Bereich der Nichtregierungsorganisationen sieht es ähnlich schlimm aus.

 

Dass die internationale Staatengemeinschaft und damit auch Deutschland sehenden Auges in dieses Desaster gestolpert ist, schockiert am meisten. In Großbritannien haben sich viele große Medien schon vor zwei Wochen zusammengeschlossen und in einem Brief an Premierminister Boris Johnson Sonder-Visa für afghanische Journalistinnen und Journalisten, aber vor allem auch für die vielen einheimischen Helferinnen und Helfer der internationalen Medien gefordert. Ohne diese Übersetzer, Fixer, Producer, Rechercheure, Fahrer und viele weitere, die in den vergangenen Jahren regelmäßig oder punktuell die internationalen Medien unterstützt haben, wäre eine Berichterstattung aus Afghanistan in den vergangenen Jahren nicht möglich gewesen.

 

Spätestens mit der de-facto Verlegung der US-Botschaft an den Flughafen Mitte vergangener Woche musste allen klar sein, dass Kabul genauso schnell fällt wie zuvor all die anderen Städte. Trotzdem haben sich die Verantwortlichen überall an die von den Geheimdiensten prognostizierten Zeiträume geklammert.

 

In Deutschland hat es nochmal länger gedauert: Erst mit dem Fall Kabuls am Sonntag ist auch hier der gemeinsame Aufruf vieler Medien an die Bundesregierung ergangen, für die „Ortskräfte“ ein Visa-Notprogramm einzurichten. Ein solcher Schritt der Solidarität und des Zusammenhalts kommt zwar spät, ist trotzdem wichtig, gerade wegen des Symbolcharakters. Alle Staaten sollten dabei nicht kleinlich nach dem „Wer war für wen tätig“ vorgehen, sondern allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie ihren Familien Zuflucht gewähren.

 

Umso bedauerlicher ist, dass unter dem deutschen Appell zwei wichtige Namen fehlen: ARD und ZDF beschreiten lieber einen Sonderweg. Ihr Argument: Durch eigene Kanäle - namentlich auch ins Auswärtige Amt - könnten sie geräuschlos besser handeln. Doch diese Begründung trägt nicht. Man kann sehr wohl einen gemeinsamen Appell unterstützen und parallel eigene Initiativen starten.

 

Und noch etwas spricht gegen den Kurs von ARD und ZDF: Nicht nur das Deutschlandradio gehört zu den Unterzeichnern des offenen Briefes. Ebenso das ARD-Mitglied Deutsche Welle - und der Auslandssender dürfte sich wohl mit am besten mit solchen Situationen auskennen.

 

Jetzt bleibt nur die Hoffnung, dass möglichst viele der Bedrohten zum Flughafen durchkommen - und dass der politische Druck dazu führt, dass sie bei der Evakuierung von der Bundeswehr mitgenommen werden.

 

Steffen Grimberg

 

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