"Wirtschaftsförderung für Journalismus findet nicht statt"

Bernd Lammel. Foto: Gabi Fromm

13. Dezember 2012 I Rede im Abgeordnetenhaus

Bernd Lammel, der Vorsitzende des DJV Berlin hat im Berliner Abgeordnetenhaus über die Situation der Medien und der Journalisten der Stadt gesprochen.

Bei der Anhörung im Medienausschuss des Abgeordnetenhauses am 21. November hat der Vorsitzende des DJV Berlin, Bernd Lammel, die Situation der Berliner Medien und der Berliner Journalisten/-innen aus Sicht des DJV geschildert.

Eingehend wies er darauf hin, dass ein dramatischer Medienwandel auch für Berlin nicht ohne Folgen bleibt. Seine Forderung: In der Standortpolitik Berlins sollte der Journalismus eine größere Rolle spielen. Gerade auch weil falsche oder gar keine Strategien vieler Verleger im digitalen Medienwandel seit mehr als zehn Jahren eine desorientierte Spur zeichnen, die heute fast jede Woche und in dieser Woche jeden Tag das Ende eines Printtitels markieren.

Einen staatlich garantierten Gewinn durch ein Leistungsschutzrecht für die Verleger lehnt der DJV Berlin ab, denn die Verleger haben bereits heute alle Möglichkeiten rechtlich gegen Nutzungsverstöße vorzugehen. Lammel sagte: „Um Qualität und Erhalt des Journalismus zu sichern, gilt es vielmehr die Existenz der inzwischen mehrheitlich freien Journalisten/innen durch angemessene Lizenzgebühren zu sichern und nicht die immer noch zweistelligen Gewinnmargen vieler Verwerter aufzustocken.“

Für Journalisten/-innen findet eine Wirtschaftsförderung nicht statt, im Gegensatz zur Unterstützung von Musik, Film, Internet und Mode. Vor ein paar Jahren stellte der Senat die Förderung der renommierten Berliner Journalistenschule ein, die darauf ihren Lehrredaktionsbetrieb einstellen musste und heute nur noch als Weiterbildungsinstitut existiert. In mehr als 50 Beratungsgesprächen pro Monat erfährt der DJV Berlin von teils exzellenten Ideen, die mit geringem finanziellem Aufwand zum Laufen gebracht werden könnten.

Lammel sagte zu den Ausschussmitgliedern: „Die Attraktivität Berlins für junge Menschen ist groß und bei den Bewerberzahlen für Journalistik-Studienplätze die Sehnsucht in Berlin einen Medienberuf zu ergreifen besonders groß. Umso weniger verstehen wir, dass hier der Sparstift angesetzt wird. Angesichts einer solchen Entwicklung rücken Journalisten/-innen näher zusammen. In den nächsten sechs Monaten werden wir eine Fusion des DJV Berlin und des Journalistenverbandes Berlin-Brandenburg erleben - davon bin ich fest überzeugt. Und dann werden wir uns bei Ihnen als drittgrößter Verband in der größten Journalistenvereinigung Europas öfter und intensiver zu Wort melden.“