Mediensalon: „Live“ kann viel – aber nicht alles

Eine Diskussion beim Mediensalon zeigt: Live- Berichterstattung und hintergründige Informationen gehören zusammen. Foto: Henrik Andree für meko factory

1. Dezember 2018

Von Inga Dreyer

Leserinnen und Leser können ungnädig sein, was Fehler betrifft. Einige schicken Zeitungsseiten mit unterstrichenen Rechtschreibfehlern an die Redaktionen, erzählt Christoph Nitz, Gastgeber des Mediensalons in der taz-Kantine, aus seiner Zeit als Redakteur beim Neuen Deutschland. An diesem letzten Mittwoch im November geht es bei dem Diskussionsformat um die Frage „Wie ,live’ kann Journalismus mit Qualitätsanspruch sein?“

Wenn schon bei der Zeitung so viele Fehler passieren – wie muss es erst bei Live-Tickern sein? Drucken sich Leserinnen und Leser zum Einkringeln das Internet aus – oder haben sie sich daran gewöhnt, dass nicht immer alles perfekt ist?

„Klar, wenn man live berichtet, kann sich da schneller mal ein Fehler einschleichen“, sagt Claudia Kleine, die als freie Journalistin unter anderem für die Online-Redaktion des Tagesspiegels arbeitet. Sie betont aber auch: „Für mich hat Qualität nicht nur etwas mit Grammatik oder Rechtschreibung zu tun.“ Ihr gehe es vor allem um inhaltliche Qualität. Petra Sorge, die frei für Medien wie Spiegel, Zeit und Berliner Zeitung arbeitet, diagnostiziert eine stärkere Gewöhnung des Publikums an Online- Kanäle – früher belächelt und heute ernst genommen. Auch bei den Medien selbst ändere sich insofern etwas, dass nicht nur schnell berichtet, sondern ebenso schnell korrigiert würde. „Die Fehler-Kultur ändert sich“, sagt sie. Die Journalistin plädiert grundsätzlich dafür, neue Medien nicht zu verteufeln, sondern zu gucken, was sie bieten und wie sie genutzt werden können.