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"Ein Gesetz, das jeden Demonstranten zu einem Terroristen abstempelt"

20. Mai 2014 I Brasilien-Abend des JVBB und DJV Berlin

Seit Wochen demonstrieren die Menschen in Brasilien gegen die Fußball Weltmeisterschaft. JVBB und DJV Berlin haben in Kooperation mit der Entwicklungsorganisation „Engagement Global“ zum Themenabend „Brasilien und die WM“ eingeladen. Gäste waren der vielfach ausgezeichnete Sportjournalist Jens Weinreich sowie der Autor und ehemalige Leiter des Brasilien-Büros der Heinrich- Böll- Stiftung, Thomas Fatheuer.

„Die Menschen freuen sich nicht mehr auf die WM“, berichtet Thomas Fatheuer, gerade zurück von einer Recherche-Reise aus Brasilien. Der Mitherausgeber des in Kürze bei dem Hamburger VSA- Verlag erscheinenden Buches „Fußball in Brasilien: Widerstand und Utopie“ sieht dies als „interessantes Phänomen“ im politisch-sozialen Umfeld der WM:

„Die Brasilianer gehen auf die Straße und protestieren, weil sie von der WM eher negative Auswirkungen erwarten.“

Allerdings seien 65 Prozent der Menschen wegen des gesamtpolitischen Umfelds auf den Straßen, so Fatheuer am 14. Mai in der JVBB-Geschäftsstelle. Die Kosten für die WM, die aktuell drei mal so hoch seien wie geplant, spielten hingegen nur bei rund 30 Prozent der Demonstranten eine Rolle. Wie es zu der Kostenexplosion kommen konnte, deutet Jens Weinreich. Der mit dem Journalistenpreis „Langer Atem“ des JVBB ausgezeichnete Sportjournalist ist ein profilierter Kenner des Weltfußballverbandes „Fifa“.

Gesetzesänderungen für WM in Brasilien

In seinem in Kürze erscheinenden eBook: „Macht, Moneten, Marionetten“, das per Crowdfunding finanziert wurde, beschreibt und belegt Weinreich die Machtverhältnisse in den

Milliardenkonzernen „Fifa“ und Olympisches Komitee (IOC). Das Buch thematisiert auch die Fußball- WM 2014 in Brasilien und die in Katar 2022 mit ihren sportpolitischen Verwicklungen.

Zentrale Fragen des Abends waren, ob und inwiefern diese sportpolitischen Verwicklungen insgesamt undemokratische Entwicklungen begünstigen. So seien für die WM in Brasilien eine Reihe von Gesetzesänderungen vorgenommen worden, mahnt Fatheuer.

Allen voran seien die Regelungen für die exklusiven Verkaufszonen der „Fifa“ im Umkreis von zwei Kilometern um die Stadien, Fan- und Event-Meilen sowie die Aufrüstung der Streitkräfte für Inlandseinsätze zu nennen. Jedoch gingen die Planungen der Regierung darüber bereits weit hinaus, berichtet der Buchautor: „Zur Zeit wird ein Gesetz diskutiert, das nahezu jeden Demonstranten zu einem Terroristen abstempelt.“

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