dapd stellt Betrieb ein

Ausbildung adé: Die Volontäre der dapd. Noch im März finanzierte ihnen der DJV einen Kurs. Foto: Thomas Bade

11. April 2013 I Nachrichtenagentur

Die Nachrichtenagentur dapd ist Geschichte. Heute um 17 Uhr wurde der Dienst eingestellt. Der letzte Interessent war abgesprungen. 175 Leute verlieren ihren Job. Von Beginn an fuhr die dapd einen Kamikaze- Kurs, der schließlich zum Totalschaden führte.

Gerade Mal einen Monat war die neue dapd Nachrichtenagentur unter Ulrich Ende alt, als sie schon wieder, zum zweiten Mal, Insolvenz anmelden musste. Schon da, am 1. März war eigentlich klar: Das wird nichts mehr. Investoren hielten zugesagtes Kapital zurück, Auftraggeber um Auftraggeber sprang ab. Nun ist es vorbei. Heute um 17 Uhr hat die dapd ihren Dienst eingestellt.

Auf einer Mitarbeiterversammlung verkündete die Insolvenzverwalterin Petra

Hilgers den 175 Mitarbeitern das Aus, sie erhalten nur noch für den laufenden Monat Insolvenzgeld. Noch im März hatte der DJV den Volontären der dapd eine Fortbildung finanziert, die sonst wegen des Insolvenzantrages ausgefallen wäre.

"Nachdem zuvor bereits mehrere Verhandlungspartner abgesprungen waren, hat auch die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti als letzter aussichtsreicher Gesprächspartner am vorgestern die Gespräche abgebrochen, weil die Zustimmung der Gesellschafter für eine Beteiligung an der Sanierung nicht vorliegt und auch kein Wagniskapital zur Verfügung steht, um die derzeit entstehenden Verluste in der Agentur bei Weiterführung des Betriebs aufzufangen."

"Es war einfach nicht genügend Platz"

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes Berlin, Bernd Lammel, sagt dazu: „Das war eine ganz hochmotivierte Mannschaft, mit der dapd angetreten ist, aber ich glaube, dass der deutsche Agenturmarkt zu eng umkämpft war. Neben der dpa haben wir ja auch noch internationale Nachrichtenagenturen wie AFP oder Reuters hier. Es war einfach nicht genügend Platz.“ Nicht für eine zweite Vollagentur. Lammel betont jedoch, die Männer und Frauen von dapd seien gut ausgebildete Journalisten, die gute Chancen hätten, weiter in ihrem Beruf zu arbeiten. Auch der DJV- Bundesvorsitzende Michael Konken sagt: Sie hätten eine zweite Chance verdient. Konken bittet die anderen Nachrichtenagenturen zu prüfen, ob dapd-Mitarbeiter bei ihnen unterkommen könnten.

Die dapd war erst im September 2010 von den Finanzinvestoren Martin Vorderwülbecke und Peter Löw auf den Markt gebracht worden – als Fusion aus dem Deutschen Depeschen-Dienst und der deutschen Sektion der Associated Press. Sie bauten die dapd zur Vollagentur aus, griffen den Marktführer dpa an und warben im Dutzend Journalisten, vorzugsweise leitende Redakteure anderer Agenturen, ab. Zuletzt wollten sie sogar in Frankreich mit einer weiteren Vollagentur der AFP Konkurrenz machen. Einen „Kamikaze-Kurs, der schließlich zum Totalschaden geführt hat“, nennt DJV-Chef Konken das.

Schließlich merkten Löw und Vorderwülbecke, dass ihre großen Pläne finanziell nicht aufgingen. Im Oktober 2012 drehten den Geldhahn zu und schickten die Agentur in die Insolvenz. Hundert Leute wurden entlassen, manche für viel Geld abgeworbene Journalisten hatten da gerade ihren ersten Tag. Das zeigt die Ambivalenz, mit welcher die Agentur geleitet wurde. Ulrich Ende versuchte schließlich, die Agentur noch zu retten, doch da war es wohl schon zu spät. (js)

Veranstaltungshinweise:

- 17. April: Webinar für Ex-dapd-Mitarbeiter
- 2. Mai: Tagessseminar Existenzgründung für Ex-dapd-Mitarbeiter

Hinweis: Von der dapd-Pleite sind neben fest angestellten Redakteuren und freien Mitarbeitern auch 26 Volontäre der Nachrichtenagentur betroffen. Sie können nach dem Aus ihres Arbeitgebers ihre Ausbildung nicht fortsetzen. Der DJV bittet deshalb um Infos, wenn in anderen Medienunternehmen die Chance für die dapd-Volos besteht, ihre Ausbildung zu Ende zu bringen. Der DJV vermittelt gern den Kontakt zu den 26 Volontären von dapd. Infos bitte an the@djv.de.