B.Z. verliert Eigenständigkeit

Springer-Zentrale in Berlin. Foto: Axel Springer AG

24. Juli 2013 I Axel Springer AG

Springer legt seine Boulevard-Titel B.Z. und BILD Berlin zusammen, um sich für die "Herausforderungen der Digitalisierung neu aufzustellen". Das Digitale wird ausgebaut, Online- Redakteure werden neu eingestellt - aber auch 50 Stellen gestrichen.

Der Springer-Konzern wird die Redaktionen von BILD Berlin und B.Z. im November zusammenlegen. Das gab das Unternehmen heute bekannt. Die B.Z.- Redaktion muss ihre Räumlichkeiten am Kurfürstendamm aufgeben und ins Axel-Springer-Haus umziehen. Die Umstrukturierung soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Trotz der engen Zusammenarbeit sollen beide Titel ihre publizistische Eigenständigkeit bewahren - was nur bis zu einem gewissen Grad möglich sein wird, alleine schon, da viele Chefs

beider Blätter künftig auch Führungsaufgaben im jeweils anderen Titel ausüben werden.

Multimediale Berichterstattung wird ausgebaut

Springer rechtfertigt den Umbau damit, dass man sich für die Herausforderungen der Digitalisierung neu aufstellen müsse und so neue Kapazitäten für einen digitalen Aufbau schaffen könne. In Hamburg (BILD-Ausgabe Nord), Essen (NRW), Frankfurt (Südwest), München (Süd) und Leipzig (Ost) entstehen neue Redakteursstellen für die Online-Berichterstattung, diese wurde bisher hauptsächlich von BILD.de in Berlin umgesetzt.

In den weiteren 15 BILD-Regionalstandorten sollen sich die Reporter und Fotografen zukünftig ausschließlich auf ihre journalistische Arbeit – die Recherche sowie auf die Inhalte-Produktion für die Onlinekanäle – fokussieren. BILD investiert in die technische Ausstattung der Reporter, um die multimediale Berichterstattung deutlich auszubauen.

Bis zu 50 Stellen werden gestrichen

Doch der ganze Umbau hat auch einen Preis: Durch die Zusammenlegung werden bei der B.Z. und der BILD Berlin insgesamt bis zu 50 Stellen wegfallen, teilt der Konzern mit - vermutlich die meisten bei der B.Z. Bislang sollen für die B.Z. rund 100 Leute arbeiten, für die BILD Berlin rund 50.

Der Stellenabbau soll "sozial verträglich" gestaltet werden. Der DJV kritisiert den Stellenabbau: "Angesichts der Rendite von BILD deutlich über 20 Prozent gibt es für Stellenstreichungen keinen Grund“, sagte der DJV- Vorsitzende Michael Konken. Die Frage ist allerdings, wie hoch noch die Rendite der B.Z. war. Die Auflage der B.Z. sank in den vergangenen Jahren von 275.000 Exemplare auf 130.000. Auch die BILD hast drastisch verloren. Bei der B.Z. wäre daher auch ohne Fusion ein baldiger Stellenabbau nicht unwahrscheinlich gewesen.

Ein Problem der Zusammenlegung ist nun aber, dass die B.Z.-Leute untertariflich bezahlt werden, die BILD Berlin- Redakteure hingegen nicht. Konken sagt: "In der künftigen gemeinsamen Redaktion kann es nicht tarifliche und untertarifliche Konditionen für die Kolleginnen und Kollegen geben." Bleibt zu hoffen, dass am Ende nicht auch die BILD aus dem Tarif aussteigt. (js)