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Rauswurf bei der New York Times: Divers ja – dogmatisch nein

19.02.2021

Steffen Grimberg (Foto: privat)

Am morgigen Samstag diskutiere ich beim Journalistentag des DJV-Landesverbands NRW auf einem Panel über Diversität in den Medien. Der Titel lautet „Divers statt objektiv - wie wir Journalismus bunter machen“. Das Thema ist wichtig, denn die Zusammensetzung fast keiner Redaktion in Deutschland spiegelt die gesellschaftliche Normalität, Vielfalt und Buntheit wieder.

 

Ich finde es gut und wichtig, dass wir uns dieser großen Herausforderung offen, sachlich und ohne Schaum vor dem Mund nähern. Das sieht bei der New York Times gerade ganz anders aus. Auch bei uns ist das Blatt in den (Medien-)Schlagzeilen. Aber nicht wegen seiner Verdienste, zusammen mit anderen Donald Trump und seine Angriffe auf unabhängige, kritische Medien in die Schranken gewiesen zu haben.

 

Sondern weil dort Ende des Monats der Reporter Donald McNeil gehen muss. McNeil, der sich als Gesundheitsspezialist in der Corona-Pandemie einen Namen machte, wurde eine Times-Leserreise vor zwei Jahren zum Verhängnis. Dort geriert der Redakteur, der seit 45 Jahren bei der New York Times arbeitet, in eine Diskussion mit einer Studentin. Sie fragte ihn, ob es richtig sei, dass man wegen der Verwendung des „N-Worts“ von der Schule fliegen könne. Worauf McNeil bei seiner Antwort selbst das Wort benutzte. Times-intern machte der Fall schon 2019 die Runde und wurde geklärt. Bauchschmerzen blieben offenbar, doch McNeil durfte bleiben. Jetzt geriet die Sache an die interessierte Öffentlichkeit, die Emotionen kochten hoch. Die Redaktion der New York Times, so legen es Berichte in anderen US-Medien, aber auch im eignen Blatt nahe, ist tief gespalten. Über 150 Redakteurinnen und Redakteure hatten McNeils Rauswurf gefordert. Der Reporter alter Schule und langjährige Gewerkschafter passe nicht mehr zum neuen Kurs der New York Times und müsse deshalb gehen. McNeil sei Rassist, als Kollege unangenehm und herrschsüchtig, so die Sicht der einen Seite. Andere sehen ihn als ein weiteres Opfer der „Cancel Culture“ in den USA. McNeil hat sich in der ganzen Sache offenbar auch selbst ungeschickt verhalten und lange eine Entschuldigung verweigert. Die kam jetzt zusammen mit der Nachricht von seiner unfreiwilligen Demission. Er habe gedacht, der Kontext rechtfertige die Nutzung „dieses hässlichen Worts“. schreibt McNeil darin. „Die Tatsache, dass ich auch nur dachte, ich könnte seine Verwendung entschuldigen, zeugt für sich von außergewöhnlich schlechtem Urteilsvermögen. Dafür möchte ich mich entschuldigen. (…) Ich habe euch alle enttäuscht.“ Das klingt leider nicht nur ein bisschen wie die sonst eher aus autoritären Regimes wie China bekannten Selbstbezichtigungen.

 

Rassismus geht nicht. Nirgends. Hier ist in jedem Fall klare Kante gefordert. Doch dogmatische Frontalangriffe bringen nichts. Und schon gar nicht eine honorige, aber ins Extrem übersteigerte Identitätspolitik. Es tut gut, die Debatte über diesen Fall bei uns zu verfolgen. Es äußern sich viele kluge und differenzierte Stimmen in den Medien. Für solche „Pro und Kontra“-Diskussionen sollte in jedem Titel und Sendeprogramm Platz sein. Denn nur so kann es gelingen, die Gesellschaft nicht weiter zu spalten – eine der Herausforderungen, vor denen der Journalismus steht. Denn am Ende muss es immer heißen: Divers UND objektiv.

 

Steffen Grimberg

 

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