Kein alter Hut: PR trifft Journalismus

13. Februar 2017

Nicht ohne Grund ist eins von einigen Büchern - welche sich der Abhängigkeit von Journalismus und PR widmen, betitelt mit Schwierige Verhältnisse*. In Zeiten zunehmend medialer Verunsicherung der Rezipienten durch neue Herausforderungen wie das Erkennen von Content Marketing, Native Advertising, Fake News oder Bots, sind dieser Buchtitel und die Fragen Who is who und wo kommt der Inhalt her? aktueller denn je.

Die neue Veranstaltungsreihe PR trifft Journalismus  - initiiert vom Bundesverband Deutscher Pressesprecher - Landesverband Berlin-Brandenburg, dem DJV Berlin sowie der meko factory/Werkstatt  für Medienkompetenz gemeinnützige UG – thematisiert diesen alten und doch so aktuellen „Hut“.

Die erste Veranstaltung der neuen Reihe eröffnet Prof. Dr. Klaus Kocks, PR-Experte und Professor für Kommunikationsmanagement mit dem Impulsvortrag Wie sieht das ideale Verhältnis zwischen PR und Journalismus aus? am 9. Februar 2017 im sehr gut besuchten Berliner taz Café.

Kocks verweist eindringlich auf die aktuellen Schwierigkeiten innerhalb des Verhältnisses, die genau dann entstehen, wenn Quellen suspekt, Intuitionen oder Interessen der Schreibenden intransparent und Ideologien und Tendenzen im Journalismus Einzug halten.

In der anschließenden Panel-Diskussion wird der alte „Hut“ Ist PR Lüge? aufgenommen, um weiterführend auf Tendenzen zu verweisen.

Panelvertreter Dirk Benninghoff mahnt, dass die neue Generation durch fehlende Medienkompetenz den Unterschied zwischen Content Marketing und Journalismus erst gar nicht erst verstehe, worauf Silke Engel den nicht ganz neuen Wunsch nach Medienerziehung formuliert. Ob das Problem lediglich die neue Generation betrifft, sei an dieser Stelle dahingestellt.
Silke Burmester beschreibt eindringlich das Aufweichen der Grenzen zwischen Journalismus und PR, wenn in Medienhäusern und Verlagen die Inhalte der Berichterstattung nach aktuellen Anzeigen ausgesucht werden oder Journalisten und Journalistinnen zu ihren journalistischen Arbeiten gleichzeitig die passgerechten Testimonials verfassen.

Auch die aktuelle Unsitte, ewig gleiche, wenn sogar inhaltslose Themen durch alle möglichen Medienformate zu schleifen, kommt zu Sprache. Peter Weissenburger ermutigt die Anwesenden, sich auf eigene, spannende, informative und aufklärende Geschichten zu fokussieren, anstatt sich durch das Bedienen des Medienmainstreams der Lächerlichkeit preiszugeben.

Auch die neueste Tendenz kommt zur Sprache: Die aktuell mediale Undurchsichtigkeit, das Aufweichen von journalistischen Grenzen und der aktuell einziehend Populismus führt dazu, dass die Mediennutzer sich nach Klarheit und Abgrenzung innerhalb eines unabhängigen Journalismus sehnen. Durch dieses Verlangen kann die New York Times durch ihre als seriös geltende Berichterstattung in Zeiten der anhaltenden Medienkrise neue Leser gewinnen.

Und so hofft zum Abschluss dieser Veranstaltung nicht nur Klaus Kocks auf den kantischen Aufklärungsbegriff. Träfe dieser zu, könnten die schwierigen Verhältnisse den Journalismus zu seinen Wurzeln zurückbringen: zur Wahrheits- und Informationspflicht. (CK)

*Klaus-Dieter Altmeppen, Ulrike Röttger, Günter Bentele (Hg.), Schwierige Verhältnisse

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