Wird die Zukunft weiblicher? – Gründerinnen in den Medien und als Medienakteurinnen

27. Oktober 2017

»Wird die Zukunft weiblicher? Gründerinnen in den Medien und als Medienakteurinnen« war das Thema des letzten Journalisten-Salons am 24.10.2017 beim Gastgeber Vodafone Institute for Society and Communications.

Das Problem ist vielschichtig. Laut dem Deutschen Start up Monitor 2016 ist die Szene der jungen Unternehmer eine männliche. So lag im letzten Jahr der Anteil der Gründerinnen bei knapp14 Prozent. Bekannte Probleme wie mangelnde Kinderbetreuung oder soziale Absicherung sind im digitalen Zeitalter emanzipierter Eltern obsolet. Arbeitszeiten und -orte sind für Gründerinnen fließend. Moderne multilaterale Projektteams werden ohne männlich geprägte Führungsstrukturen geführt. Und dennoch, Männer-Runden mit entsprechenden Geschlechterrollenverteilung und spezifischen Kommunikations- und Selbstdarstellungsformen erschweren es sogar Gründerinnen, wahr- und angenommen zu werden. Das Problem ist nicht neu, aber in der innovativen, weltoffenen, digital getriebenen Gründer-Area auf den ersten Blick verwunderlich.

 

Die Medienakteurinnen und Gründerinnen Tina Groll, Tabea Grzeszyk und Jana Tepe tauschten mit der Moderatorin und Journalistin Teresa Sickert ihre Erfahrungen aus. Paul Wolter, Repräsentant und Kommunikationsreferent beim Bundesverband Deutsche Startups e.V., unterstützte die Gründeridee, zumal fernab von Diskriminierung. Nach öffentlicher Meinung kann der Grund für eine weibliche Gründungsidee nur einer sein: „Schwanger!“ Unglaublich, dass SIE – obwohl unglücklich in Festanstellung – sich selbst verwirklicht, zumal mit einer Gründungsidee.

Kurios dabei ist die Rolle der Medien. Gründerinnen finden, trotz steigender Berichterstattung über Gründungen, kaum Raum. Frauenthemen sind noch immer Lifestyle-Themen. Für die Themenauswahl verantwortliche Chefredakteure sind männlich, die Frau in Führungsposition trägt High Heels oder/und Hosenanzug. Gründerinnen-Themen? Fehlanzeige!

Die Anwesenden suchten Auswege. Jana Tepe forderte mehr weibliche Vorbilder in der Öffentlichkeit. Auch Tina Groll möchte Frauen mehr sichtbar machen und das Denken mittels geschlechtergerechter Sprache ändern. Tabea Grzeszyk setzte der Vorbildrolle nach außen die Bedeutung von internen Frauen-Netzwerken entgegen und forderte eine Veränderung der Images: Sind arbeitende Mütter Rabenmütter, übernehmen arbeitende Väter Verantwortung für die Familie. Eine Strategie ist zudem vonnöten, um weibliche Gründungsabsichten zu unterstützen.

Sind die aufgezeigten Wege für eine weibliche Zukunft verschieden, so gibt es Einigkeit: Von Medienakteuren und Medienakteurinnen muss Verantwortung übernommen werden, um Gründerinnen, auch und insbesondere von Medienprojekten, zu unterstützen und zu fördern.

 

Podiumsteilnehmer/innen waren:

Tina Groll, Redakteurin bei ZEIT ONLINE in Berlin im Ressort Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, war zuständig für das Ressort »Karriere«. Gemeinsam mit Sabine Hockling bloggt sie unter diechefin.net über Frauen und Karriere, den Wandel der Arbeitswelt und soziale Gerechtigkeit.

 

Paul Wolter, Referent Kommunikation und PR beim Bundesverband Deutsche Startups e.V. (BVDS), ist Stimme der Start-ups in Deutschland.

 

Tabea Grzeszyk, freie Journalistin in Berlin, vor allem für den Hörfunk, gründete mit Tamara Anthony und Sandra Zistl die Journalistenplattform hostwriter.org. Seit 2014 gehört sie zu den Herausgebern von VOCER, einem unabhängigen Debattenforum und Think Tank zur Medienkritik.


Jana Tepe ist eine der beiden Gründerinnen und Geschäftsführerinnen von Tandemploy, einem Software-Unternehmen, das die Arbeitswelt flexibilisiert: Alle Mitarbeiter*innen von Tandemploy arbeiten in flexiblen Arbeitsmodellen, die starre 40-Stunden-Woche haben sie abgeschafft. Eine authentische Ausgangsbasis für ihre Software-Lösungen, die Mittelständler bis DAX-Konzerne von innen heraus flexibilisieren und dabei den stärksten Hebel nutzen, den diese haben: den eigenen Mitarbeiter*innen.

 

Moderation: Teresa Sickert, freie Journalistin u. a. Fritz, Deutschlandfunk und SPIEGEL ONLINE

 

Der Journalisten-Salon und Journalisten-Werkstatt ist eine Veranstaltungsreihe von #mekolab – Werkstatt für Medienkompetenz in Zusammenarbeit mit taz.dietageszeitung und DJV Berlin.

 

CK

 

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