Symbiose und Schutz: DJV Berlin vereinbart Zusammenarbeit mit Whistleblower Netzwerk e. V.

16. Juni 2017

Ein ehemaliger Frankfurter Staatsanwalt legt sich mit der Großchemie an. Eine Ex-Wertpapierhändlerin soll für einen Fehler des Managements geradestehen. Zwangspensionierte Steuerfahnder und ein gekündigter Banker gehen gegen organisierte Steuerhinterziehung vor.
Seit dem Watergate-Skandal wissen Medien und Öffentlichkeit um die Bedeutung der Whistleblower als entscheidende Informanten in heiklen politischen und wirtschaftlichen Konstellationen.

Bei der Weitergabe dieser internen Informationen gehen Whistleblower ein hohes Risiko für ihre eigene berufliche Karriere sowie für die private Sicherheit ein. Im Gegensatz zu schlichten Datendieben, Informationsbrokern und bezahlten Hackern handeln Whistleblower zudem aus rein ideellen Motiven. Und ihre Karriere ist gerade darum am Ende, wenn ihr Name öffentlich wird. Kaum ein Arbeitgeber, der mit sensiblen Daten arbeitet, stellt einen wahrheitsliebenden Whistleblower ein.

Whistleblower und Journalisten - beide brauchen sich

Um das ungleiche Risiko-Chancen-Verhältnis zwischen diesen speziellen Informanten und dem Auftrag der Medien nach der Wahrheitsfindung auszubalancieren, rücken der DJV Berlin und das Whistleblower Netzwerk e. V. (WBNW) seit April 2017 enger zusammen. "Journalisten brauchen Whistleblower, um Missstände aufzudecken – Whistleblower brauchen Journalisten um darüber zu berichten", umschreibt der WBNW-Geschäftsführer Ali Fahimi die symbiotische Kombination. "Dabei können Journalisten Informantenschutz bieten."

Schutz und Anonymisierung sind durch die Digitalisierung der Kommunikationskanäle noch vordringlicher geworden:  Spuren der Informationen können bei allen organisatorischen Schutzmaßnahmen das Ende von beruflichen Karrieren der Whistleblower sowie das Ende vor der Aufklärung von Skandalen bedeuten.


Der WBNW engagiert sich auf drei Ebenen: der politischen Arbeit für den Schutz von Whistleblowern, der Beratung von Whistleblowern sowie der Beratung von Unternehmen und Behörden zu Hinweisgebersystemen.

Neben einer Beratung kommt ein jüngst aufgesetzter Whistleblower-Hilfsfonds, mit dem anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen werden kann.  Denn Whistleblower sind rechtlich nicht geschützt. Darüber hinaus ist nur durch einen Rechtsanwalt eine Schweigepflicht im Interesse des Whistleblowers innerhalb eines Mandatsverhältnisses garantiert.


"Allen ist bewusst, dass eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen InformantInnen und Journalisten besteht", sagt Ali Fahimi. Auf politischer Ebene ist das WBNW ebenfalls aktiv: Ein Whistleblower-Schutzgesetz wäre zwar ein Fortschritt, aber das reicht nicht aus. "Unsere Aufgabe bleibt es den Begriff in der Öffentlichkeit weiter aufzuwerten", so Fahimi weiter. "Selbst wenn wir es irgendwann schaffen würden, dass Whistleblower alle gravierenden Missstände aufdecken und anzeigen dürften, wären die strukturellen Ursachen dieser Missstände noch nicht behoben." 

Der DJV Berlin unterstützt die Anliegen des Whistleblower Netzwerk e. V.

Beide Organisationen sind in der Jakobstrasse mehr als nur räumlich zusammengerückt.  Die Fotoausstellung „Whistleblowing-Licht ins Dunkel bringen!“ kündet bereits vom Willen zur Kooperation. Die Rahmenbedingungen für eine intensivere Zusammenarbeit werden aktuell herausgearbeitet. Bestenfalls  werden beide voneinander profitieren: Die Journalisten vom wertvollen Insider-Wissen der Whistleblower und diese von der geschützten Verbreitung ihrer Wahrheit durch die Medien. (CW)

zurück zu: Startseite