Stand der Dinge zu den Stasi-Vorwürfen gegen Bernd Lammel, Vorsitzender des DJV Berlin

28. Oktober 2015

Stand der Dinge zu den Stasi-Vorwürfen gegen Bernd Lammel, Vorsitzender des DJV Berlin

Der Vorstand hat die Unterlagen, die dem rbb und anderen Medien vorlagen, eingesehen. In der Sache erfahrene Juristen und ein Historiker haben die Dokumente ebenfalls in Augenschein genommen. Aus den Unterlagen geht hervor, dass durch das Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen DDR (MfS) ein offenkundiges Interesse bestand, Bernd Lammel als IM zu rekrutieren. Die vorliegenden Dokumente beinhalten aber weder eine persönliche Verpflichtungserklärung noch die den üblichen Mustern folgenden IM-Berichte. Stattdessen finden sich u. a. Aufzeichnungen von Verhören und Befragungen, die durch ausführende Mitarbeiter des MfS niedergelegt wurden, sowie IM-Berichte und Observationsaufzeichnungen über Bernd Lammel. Es gibt kein einziges Dokument mit einer Unterschrift von Bernd Lammel. Nach Meinung des Vorstandes zeugen die in den Befragungsaufzeichnungen dokumentierten Aussagen von Bernd Lammel weder von Denunziation noch besitzen sie einen wesentlichen Informationsgehalt.
 
Die Dürftigkeit des Materials zieht die Frage nach sich, warum der rbb ein so großes Interesse daran hatte, seine diffamierende Berichterstattung unbedingt am 13. 09. 2015 in der Abendschau zu platzieren. Genau einen Tag vor der wichtigen, vorletzten DJV-Gesamtvorstandssitzung vor dem kommenden DJV-Bundesverbandstag, der einen neuen Vorsitz wählen soll.
Ebenso unklar ist die beschriebene Eilbedürftigkeit vor dem Hintergrund, dass der rbb bereits seit über fünf Jahren im Besitz dieser Unterlagen ist und zum damaligen Zeitpunkt auch das einzige Medium war, welches diese Akten angefordert hat.

Nach Einsichtnahme in die Unterlagen des Bundesamtes für Stasi-Unterlagen und dem Vorliegen weiterer Informationen vertritt der Vorstand des DJV Berlin die Ansicht, dass es sich bei diesem Vorgang um einen gezielten Versuch handelt, die Person seines Vorsitzenden und den gesamten Berliner Landesverband in Verruf zu bringen.
 
Der Vorstand hat deshalb die Robert-Havemann-Gesellschaft gebeten, einen unabhängigen Historiker zu finden, der die vorliegenden Unterlagen ergebnisoffen bewerten soll. Die Robert-Havemann-Gesellschaft hat dazu bereits Kontakt zu einem Historiker aufgenommen.

Die Stasi-Unterlagen-Behörde hat Bernd Lammel inzwischen Einsicht in seine umfangreichen sogenannten Opferunterlagen gewährt. Diese Dokumente ergeben, dass Bernd Lammel bereits seit 1975 durch das MfS der ehemaligen DDR bis tief in seine Privatsphäre beobachtet worden ist. Unter anderem wurde sein Briefpostverkehr kontinuierlich kontrolliert und mikroverfilmt. So erklärt sich auch, wie beispielsweise seine "Beziehungen" zur Britischen Botschaft dem MfS bekannt geworden sind, da von ihm angenommene Einladungen zu Filmvorführungen schriftlich durch die Botschaft bestätigt worden sind. Die Ermittlungsberichte in Bernd Lammels Opferakte reichen bis zum Ende der DDR, also auch über den Zeitraum seiner angeblichen IM-Tätigkeit.

Da der Vorsitzende des DJV Berlin nicht durch die rbb-Abendschau gewählt wird, sondern durch die Mitgliederversammlung, werden Bernd Lammel und der gesamte Vorstand des DJV Berlin dort Rede und Antwort stehen. Forderungen, das Amt ruhen zu lassen erteilt der Vorstand eine klare Absage. Stattdessen gilt bis zum Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung. Der DJV Berlin wird die Vorgänge zum Anlass nehmen, eine breite innerverbandliche Diskussion zum Thema "Journalistische Ethik zwischen Aufarbeitung und Rufmord" anzustoßen. Die Berichterstattung von rbb, Kress und Bild stellt den fragwürdigen Effekt einer Verdachtsberichterstattung über die Grundsätze des Qualitätsjournalismus. Das kritisieren wir als Berufsverband ganz ausdrücklich.

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