Journalisten-Werkstattgespräch „Arbeiten im Ausland“ mit Petra Sorge

4. April 2017

Im Ausland recherchieren und Reportagen schreiben – das klingt nach einem wunderbaren Traum. Doch was Assoziationen nach Urlaub und Freizeit hervorrufen, bedeutet für Journalisten meist ist etwas völlig Konträres.

Petra Sorge, freie Berliner Journalistin, weiß im Journalisten-Werkstattgespräch „Arbeiten im Ausland“ im taz-Café über die wahren Gegebenheiten und Herausforderungen bei Auslandseinsätzen am vergangenen Mittwoch zu berichten: Wie erschließt der Journalist in der Fremde Quellen, findet „richtige“ Themen? Wie werden die Geschichten der heimischen Presse angeboten, wo ganz andere Prioritäten vorherrschen können? Was, wenn das recherchierte Thema glücklich verkauft, das angebotene Honorar aber kaum die bevorstehende Auslagen deckt?

Petra Sorge war selbst auf journalistischen Reisen in Afrika, Israel und im Kosovo unterwegs, schrieb für »The Indian Express«, für deutsche und amerikanische Zeitungen und bündelt an diesem Abend ihre positiven sowie nachdenklich stimmenden journalistischen Auslandserfahrungen:

Reisen im Redaktionsauftrag sind unbeschwert. «Das ist komfortabel, da alle Reisekosten gesichert sind, der Auftrag klar definiert ist und ein Verlag dahinter steht», so Sorge. Auch Pressereisen, bei denen der Veranstalter eigene Interessen verfolgt, sind beliebt. Die Journalistin warnt, sich dabei nicht vom zahlenden Veranstalter beeinflussen zu lassen. Während sie selber nach Israel reiste, konnte sie ihr eigenes Rechercheprogramm eigenständig und von Sponsoren unbeeinflusst umsetzen.

Die Option hingegen, auf eigene Faust und Kosten zu reisen, bedeutet ein Risiko. «Es ist ungewiss, ob die Geschichte hinterher gut verkauft werden kann, wenn man es nicht schafft, vorab die Verträge zu machen», warnt Petra Sorge. Kosten können ansonsten bei den Journalisten hängenbleiben.

Als weitere Option verweist sie auf Stipendien. Hier haben Sponsoren oft die Erwartung an eine garantierte Veröffentlichung. Die Themen müssen unbedingt vorab in der Redaktion eingereicht und genehmigt werden. Die Bosch-Stiftung hatte Petra Sorge ein solches Stipendium zugesprochen. Ein Stipendium, welches ein sorgenloses Leben sowie unabhängiges Arbeiten ermöglichte.

Andreas Lorenz, ehemaliger SPIEGEL-Auslandskorrespondent, verschärft die Ausführungen von Petra Sorge. Der Journalist war 2000 bei Recherchen zum Geiseldrama auf den Philippinen verschleppt worden. Er kritisiert eine generelle Verklärung der journalistischen Arbeit im Ausland zum Spaßfaktor ebenso wie das journalistische Reisen auf eigenes Risiko. Andreas Lorenz fordert die Verlage auf, Verantwortung zu übernehmen und junge Journalisten vor gefährlichen Recherchereisen aufzuklären.

Neueinsteiger oder Journalisten, die sich für Auslandskorrespondenz interessieren, erhalten einen facettenreichen Einblick über das journalistische Arbeiten im Ausland. Am Ende des Abends war den Zuhörern bewusst, dass das von Petra Sorge eingangs beschriebene Organisieren von Transporten, Unterkünften oder Gesprächspartnern die kleineren Probleme des journalistischen Arbeitens im Ausland sind. (ck)

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