Journalisten-Werkstatt »Mobiler Journalismus«

4. Dezember 2017

„Mobiler Journalismus“, „Mobile Reporting“ oder auch „Handyjournalismus“ sind eine relativ junge Disziplin im Medienbereich. Im NextNewsLab des NDR setzte man sich mit diesem Trend im aktuellen Fernseh- und Onlinejournalismus aktiv auseinander: Björn Staschen, Leiter des NextNewsLab und als Korrespondent und Reporter des NDR mit journalistischem Rüstzeug bestens ausgestattet, untersucht mit seinem Team die Vor- und Nachteile der neuen AV-Produktionsmöglichkeiten. In der Journalisten-Werkstatt gewährte er Ende November den anwesenden Medienschaffenden im Berliner taz-Café einen umfassenden und zugleich kurzweiligen Einblick.

 

Björn Staschen sieht im Mobile Reporting einen Glücksfall für den Nachrichtenjournalismus. Denn dank der agilen Nutzungsmöglichkeiten von Smart- und iPhones ist eine schnelle, unkonventionelle und kostengünstige Berichterstattung mittels Ton-, Bild-, Videodokumenten und Texten von fast jedem Ort der Erde möglich geworden. Durch die Möglichkeit, mit kleineren Geräten kostengünstig, schneller und länger vor Ort sein zu können, ergeben sich authentischere Geschichten, die praktisch realtime begleitet oder gesendet werden können. Politische Zensur wird durch die leichte, unauffällige Ausrüstung erschwert, spontane Aufnahmen sind an Sicherheitskräften vorbei möglich. Eine langfristige Planung teurer Drehs ist bei dieser Produktionsform nicht erforderlich. Freie Journalisten übernehmen mit eigener Ausrüstung die Berichterstattung vor Ort.

Diese neue Produktionsform verändert nicht nur Arbeitsumfeld und Arbeitsbedingungen der Medienschaffenden. Für die rasche Produktion von sendefähigem Material ist die professionelle Bedienung der Smartphones mit der dazugehörigen Technik wie Mikro und Stativ oder die Nutzung neuster Apps genauso vonnöten wie journalistisches Wissen und Erfahrungen. So ist Mobile Reporting nicht ein Eintrittsweg nur für die Jungen. Auch gestandene Journalisten erkennen die Chancen und stellen sich  mit ihren Erfahrungen den neuen Herausforderungen, um dem Uranliegen des Journalismus, das Sichtbarmachen von Informationen und Hintergründen, gerecht zu werden.

 

Trotz der raschen Entwicklung des Mobile Reportings in den vergangenen Jahren stellen sich viele offene Fragen: Wie kann crossmediales Arbeiten via Handy effektiver gestaltet werden? Ermöglicht eine Spracherkennung des gesprochenen Wortes eine zeitgleiche Untertitelung? Die größte Frage dreht sich darum, wie zukünftig Nachrichten und Informationen auf nicht gewinnorientiert arbeitenden Nachrichtenplattformen zur Verfügung gestellt werden. Auf Plattformen, die nicht von Logarithmen, sondern der Öffentlichkeit kontrolliert wird.

 

Die Moderation des kurzweiligen Abends übernahm Johannes Altmeyer. (ck)

 

Von Björn Staschen erschien 2017 »Mobiler Journalismus« in der Reihe »Journalistische Praxis«.

Die Journalisten-Werkstatt ist eine Veranstaltungsreihe von #mekolab in Kooperation mit taz.die tageszeitung, Deutscher Journalisten-Verband Berlin e.V. (DJV Berlin) und Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union dju in ver.di.

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