Journalisten der Deutschen Welle wehren sich

15. September 2014 Senderumbau

Intendant Peter Limbourg. Foto: DW/K. Danetzki

Der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, will den Seder zu einem hauptsächlich englischsprachigen Fernseh-Nachrichtenkanal umbauen - und deutlich Personal abbauen. Zugleich plant Limbourg, mit chinesischen Staatssendern zu kooperieren. Der DJV befürchtet eine weichgespülte China-Berichterstattung.

Rund 100 Mitarbeiter haben am 5. September ihre Empörung über den Personalabbau bei der Deutschen Welle zum Ausdruck gebracht. In einer gemeinsam von DJV und ver.di organisierten Kundgebung unmittelbar vor der Tagung des DW-Rundfunkrats wurden die Mitglieder des Aufsichtsrats aufgefordert, dem Kahlschlag bei der Deutschen Welle Einhalt zu gebieten. "Journalistische Vielfalt statt Monokultur" lautete die zentrale Forderung der Kollegen.

Intendant Peter Limbourg will den deutschen Auslandsrundfunk zu einem hauptsächlich englischsprachigen Nachrichtenkanal im TV umbauen. Bisher haben knapp 70 feste Freie ihre Beschäftigung in der DW verloren. Über 170 Kollegen wurden in ihrer Beschäftigung deutlich eingeschränkt.

DJV warnt vor weichgespülter China-Berichterstattung

Kritik gibt es auch an einer geplanten Kooperation des Senders mit dem chinesischen Staatsfernsehen. Der DJV hat Limbourg aufgefordert, China- kritische Stimmen im deutschen Auslandssender zu unterstützen und nicht zu behindern.

Auch unter der neuen Redaktionsleitung müsse die innere Redaktionsfreiheit gewahrt werden, forderte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken: „Politische Themen, zu denen selbstverständlich auch die Kritik an Menschenrechtsverletzungen gehört, müssen weiterhin einen angemessenen Anteil am Programmauftritt der Deutschen Welle haben.“ Eine „weichgespülte“ China-Berichterstattung mit dem Ziel, Zugang in einen zensierten Markt zu erhalten, könne für den deutschen Auslandsrundfunk keine vernünftige Option darstellen.

Von Intendant Limbourg erwartet der DJV, dass er auch künftig den Markenkern der Deutschen Welle als einem staats-unabhängigen, öffentlich-rechtlichen Sender bewahrt, der kritisch-distanziert über autoritäre Regime jeglicher Art berichtet.

Die von Limbourg angekündigten Kooperationen mit chinesischen Staatssendern und die Beendigung der Tätigkeit einer China-kritischen Autorin durch die Deutsche Welle würden dem deutschen Auslandssender mehr schaden als nützen. „Ein Kotau vor den Mächtigen in Peking vertrüge sich nicht mit dem Ansehen des Senders als Stimme der Freiheit“, sagte der DJV-Vorsitzende.

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