Besuch der Archenhold-Sternwarte im Berliner Treptower Park

30. Oktober 2019

von Almut Christiane Zimdahl

Im Treptower Park, im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick in der Nähe des sowjetischen Ehrenmals steht die Archenhold-Sternwarte – eine der ältesten Sternwarten Deutschlands. Ihre Lage an einer der dunkleren Ecken des Parks ist ausgezeichnet, denn Astronomie und Großstadtlicht passen nicht gut zusammen.

Hierher hatte das Kompetenzteam Generation+ am 23. Oktober 2019 eingeladen, das Interesse der Kolleginnen und Kollegen war sehr groß.

Herzlichen Dank PD Dr. Felix Lühning, dem ehemaligen Leiter der Archenhold-Sternwarte, der uns auf eine Reise durch die Astronomie-Geschichte mitnahm und uns umfassend erläuterte, warum die Forschung zur Wissenschaftsgeschichte so wichtig ist und wozu man sie eigentlich braucht.

Zum 25-jährigen Jubiläum der Reichshauptstadt im Jahr 1896 fand im Treptower Park auf einem Areal von etwa 900.000 Quadratmetern eine große Gewerbeausstellung statt. Es wurde ein künstlicher See angelegt, es gab über 3.700 Aussteller und es kamen etwa sieben Millionen Gäste. Friedrich Simon Archenhold (1861-1939), der seit 1890 an der Berliner Universitätssternwarte bei Wilhelm Foerster (1832-1921) arbeitete, setzte alles in Bewegung, zu diesem Anlass eine besondere Attraktion präsentieren zu können: ein Riesenfernrohr. Nach Beendigung der Ausstellung mussten alle Installationen aus dem Park entfernt werden, allein das besondere Ausstellungsstück, das Riesenfernrohr und das dazugehörige provisorische Holzgebäude, blieben erhalten. Hier gründete er im gleichen Jahr nicht nur die Sternwarte mit einer Bibliothek, einem Vortragsraum sowie einer kleinen Ausstellung, sondern auch den „Verein Treptow-Sternwarte e.V.“. Bereits nach wenigen Jahren wurde die Sternwarte für die Berliner Bevölkerung zu klein. Am 4. April 1909 konnte der Neubau eröffnet werden, es gab ein großes Angebot an astronomischen und anderen wissenschaftlichen Vorträgen. Schulklassen konnten die Sternwarte unentgeltlich besuchen.

Am 2. Juni 1915 hielt Albert Einstein (1879-1955) hier im Vortragssaal seinen ersten öffentlichen Berlin-Vortrag über die Relativitätstheorie. In der von Friedrich Simon Archenhold herausgegebenen Zeitschrift „Das Weltall“ erschienen bis 1933 etwa 30 Beiträge zur Relativitätstheorie und ihren Konsequenzen für die Astronomie.

Im Jahr 1936 wurde im Sinne der Nürnberger Gesetze die Sternwarte entschädigungslos in den Besitz der Stadt Berlin übernommen und der Hauptschulverwaltung unterstellt, denn die Familie Archenhold entstammt einem alten jüdischen Zweig. Zeitweilig wurde die Sternwarte geschlossen und ab 1937 übernimmt der ehemalige Schüler des Astronomen Wilhelm Foerster, Richard Sommer, die wissenschaftliche Leitung. Er führte auch die Astronomischen Arbeitsgemeinschaften weiter.

Friedrich Simon Archenhold stirbt 1939 in Berlin. Seine Frau Alice Archenhold geb. Markus (1874-1943) und die Tochter Hilde Archenhold (1900-1944) kamen im KZ Theresienstadt ums Leben. Die Söhne Günter Archenhold (1904-1999) und Horst Archenhold (1920-1998) konnten nach England emigrieren.

Ein Jahr nach Kriegsende, am 17. August 1946, wird das 50jährige Bestehen der Sternwarte gefeiert und die Einrichtung erhält den Namen ihres ersten Direktors.

Empfangen wurden wir vom ehemaligen Leiter der Archenhold-Sternwarte, dem Astronomen Dr. Felix Lühning. Er führte uns durch sein Haus, die Archenhold-Sternwarte - das Haus der Astronomie-Geschichte. Astronomie ist Beobachten und Messen Die Sternwarte ist eine Verbindung zwischen Bildungseinrichtung und Museum. In den Ausstellungsräumen erhält man einen Überblick über die Geschichte der Astronomie von ihren frühen Anfängen im alten Babylon bis in unsere Zeit. In den Vitrinen sind kleinere historische Geräte ausgestellt, z.B. Sonnenuhren, nautische Instrumente, Fernrohre, Photometer oder Spektroskope und es gibt Mess- und Beobachtungsgeräte der Renaissance zu sehen.

Viele astronomische Instrumente für Himmelsbeobachtungen sind verfügbar. Auf dem Außengelände der Archenhold-Sternwarte stehen leistungsstarke Teleskope und weitere Instrumente zur Himmelsbeobachtung bereit. Dazu zählen u.a. das Cassegrain-Spiegelteleskop, das Coudé-Teleskop und das Sonnenphysikalische Kabinett. Im Mittelpunkt steht jedoch auf dem Dach der Treptower Sternwarte das Riesenfernrohr. Hier hinauf ging es zuerst.

Dieses mit Hilfe von Spendengeldern gebaute 21 Meter lange Riesenfernrohr ist bei den Berlinern unter dem Namen „Himmelskanone“ bekannt. Es ist noch immer das längste voll bewegliche Linsenfernrohr der Erde. Mit 680 Millimetern Objektivdurchmesser gehört es zu den zehn leistungsstärksten Linsenfernrohren der Welt. Der Koloss wiegt insgesamt 130 Tonnen und ist auch heute weiterhin voll einsatzfähig. Seine einmalige Konstruktion diente als Vorbild für die ab 1900 entwickelte Zeiss-Entlastungsmontierung für Großfernrohre. Durch seine Optik ist das Großfernrohr besonders für die Beobachtung von Feinheiten der Mondoberfläche, der Planeten sowie der Doppelsterne geeignet und wird vor allem im Winterhalbjahr für öffentliche Beobachtungen genutzt. Seit 1967 steht es unter Denkmalschutz.

Unser nächstes Ziel war das 500-mm-Spiegelteleskop, das am meisten genutzte Instrument der Sternwarte. Es wurde zu Beginn der 1960er Jahre auf dem Außengelände der Sternwarte aufgestellt und sollte das temporär stillgelegte Riesenfernrohr ersetzen. Das 500-mm-Spiegelteleskop mit einer Brennweite von 7,5 Metern eignet sich besonders für die Beobachtung sogenannter Deep-Sky-Objekte. Das sind Himmelskörper, die sich außerhalb des Sonnensystems befinden. Zu ihnen zählen zum Beispiel Sternhaufen, Nebel oder Galaxien. Aber auch Planeten oder den Mond kann man gut mit dem Teleskop beobachten.

Von da aus ging es zu einem weiteren Schatz der Sternwarte: zu dem großen 283 Kilogramm, schweren Meteorit, der 1891 in einem Krater in Arizona gefunden wurde (Großer Barringer-Krater)/USA. Seine Echtheit wurde durch das Museum für Naturkunde Berlin aufgrund einer Probe geprüft und bestätigt.

Unsere nächste und sehr beeindruckende Station war das Zeiss-Kleinplanetarium. Es befindet sich in einer acht Meter großen Kuppel mit 38 Sitzplätzen. Im Jahr 1959 wurde es als erstes Zeiss-Kleinplanetarium der DDR eröffnet, fast ein viertel Jahrhundert später durch ein modernes Zeiss-Kleinplanetarium ersetzt und wiederum zwölf Jahre später, 1994, wurde der Planetariumsraum neu gestaltet. Wir konnten den aktuellen Sternenhimmel über Berlin entdecken und hatten die Illusion, in tiefer Nacht, fernab des störenden Stadtlichts die Sterne über Berlin zu beobachten.

Dr. Lühning sagte uns: "Es ist mein Anliegen, dieses Haus als Schnittstelle zwischen Technik und Wissenschaft zu zeigen. Ohne Technik hätten wir all diese wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht. Und die Astronomie stand immer in vorderster Reihe bei der technischen Entwicklung. Die Ausstellung soll den roten Faden der Geschichte der Astronomie verfolgen, von den einfachen Fragestellungen bis zu den schwierigen Problemen der Gegenwart.

Im Jahr 2016 wurde die Stiftung "Planetarium Berlin" in der Archenhold-Sternwarte gegründet. Die Stiftung vereint alle astronomischen Einrichtungen der Stadt: die Archenhold-Sternwarte, das Planetarium am Insulaner, die Wilhelm-Foerster-Sternwarte und das Zeiss-Großplanetarium. Sie hat eine wesentliche Bedeutung im Bildungs- und Kulturangebot, denn neben der Astronomie wird das Spektrum auch auf andere Wissenschaftsbereiche ausgedehnt."

Wir ließen diese interessanten Stunden im Biergarten von Zenner ausklingen. Das Gasthaus Zenner wurde von einer "unbedeutenden Fischerei" zum bekanntesten Berliner Ausflugslokal. Eine Rechnung aus dem Jahre 1568 ist erster Beleg für Pacht und Besiedlung an der Spree. In den Jahren 1821/22 wurde an der Stelle des einstigen Fischerhauses das Gasthaus an der Spree im Stil von Schinkel, ab 1889 bekannt unter dem Namen des Pächters Zenner, erbaut. Heute gehört Zenner (etwa 1500 Plätzen) zu den größten Biergärten Berlins.

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