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Wie trotzen wir der Krise ?

Zahlen, Daten, Fakten zu der Veranstaltung des DJV Berlin am 25.6.2009 um 17:30 im VW Automobilforum Unter den Linden. Diese Zahlen, Daten und Fakten aus neuesten Erhebungen verweisen in ihrer Verknüpfung auf tief greifende Veränderungen in den Deutschen Medien. Daraus lassen sich insbesondere auch für freiberufliche Journalisten neue Markt- und Jobstrategien entwickeln und weiterverfolgen. 

Wir veröffentlichen die Materialsammlung mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Peter Schiwy (ehem. NDR-Intendant) und Renate Gensch (Berliner Zeitung) als Diskussionsgrundlage für die Veranstaltung des DJVBerlin: „Wie trotzen wir der Krise“.   

Entwicklungen im TV und Hörfunk Bereich

►In Deutschland empfangen mittlerweile 52% der Haushalte die TV-Programme über Kabel, 42% über Satellit und nur noch 6% über die Antenne.
►Die Altersstruktur der TV-Zuschauer verändert sich dramatisch. Das Fernsehen verliert mehr und mehr die jungen Zuschauer. Diese nutzen vorwiegend zur Informationsbeschaffung den Computer und zur Unterhaltung DVDs. So ist z.B. das Durchschnittsalter der Anne-Will-Zuschauer bereits 63,5 Jahre und sogar das Durchschnittsalter der RTL-Zuschauer liegt inzwischen bei 46 Jahren.
►Die Werbe-Zielgruppe der 14-49-jährigen scheint im Deutschen TV Geschichte zu sein!
►Das hat Konsequenzen bei der Entwicklung der Werbe-Einnahmen (derzeit 118 Mio. Euro im Jahr für TV und 60 Mio. Euro im Jahr beim Hörfunk).
►Spartenprogramme sind allerdings im Aufwind – ähnlicher Trend zur Themen-Spezialisierung, wie bei den Zeitschriften. Dies insbesondere auch bei den Hörfunksendern (Format Radio, z.B. rund um die Uhr Jazz)

Entwicklungen im Print Bereich

In Deutschland können ca. 72 Mio. Menschen lesen. Es gibt 1.512 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von ca. 26 Mio. Exemplaren und einem Umsatz von 9 Mrd. Euro und ca. 4.000 Zeitschriften (darunter über 30 Computerzeitschriften!) mit einem Umsatz von ca. 6 Mrd. Euro.

►Menschen über 50 lesen pro Tag ca. 35 Min. Zeitung
►Menschen unter 50 lesen pro Tag ca. 14 Min. Informationen, aber nicht unbedingt Zeitungen. Sie sind  dennoch  ebenso gut informiert wie jene, die Zeitung lesen. Dabei kommen die meisten Informationen inzwischen aus dem Internet.
►Menschen unter 50, die Zeitung lesen, tun dies vorwiegend wegen des Lokalteils.
►Zeitungen haben ein ernsthaftes Zukunftsproblem, dieser Trend ist weltweit zu beobachten. In den USA produzieren einige Tageszeitungen nur noch eine Wochenendausgabe mit einer Wochen-Zusammenfassung. Ihre täglichen News verbneiten sie nur noch im Internet.
►Das führt zu wirtschaftlichen Konsequenzen. Anzeigenrückgänge sind insbesondere zu verzeichnen bei:
- Immobilienanzeigen –14,1%, Reisen –7,4%, KfZ –7,6%, Veranstaltungen –6,7% und Markenartikler –8,8, Prospekte –9,2%
- Der Jahreswerbe-Etat stagniert bei rund 20 Mrd. Euro, während der Werbe-Etat für Online zwar erst bei 1,1, Mrd. Euro liegt, aber bereits Jahreszuwächse von 25% verzeichnet, Tendenz steigend!
 Einige Zeitungsverlage kaufen sich in bestehende, erfolgreiche Online-Plattformen ein, oder haben solche bereits selber mit gegründet.
►weitere Konsequenzen:
-  In 2008 gab es 261 Übernahmen mit einem Gesamtwert von 8,6 Mrd. Euro, diese Übernahmen werden heute zu 80% mit Krediten finanziert, die mit Zinsbelastungen erheblich die Kostenstruktur belasten (bei nur 6% jährl. Zinsen verdoppelt sich die Schuld in nur 12 Jahren. Es sind also nicht die Gehälter oder die Sozialabgaben, wie immer behauptet wird, sondern die Zinslast, die die Kosten explodieren läßt!)
;Zeitschriften haben auch Zukunftsprobleme, es sei denn, sie bedienen ausgesprochene Sparten, insbesondere im Haus,- Garten- und Hobbybereich.(Es gibt z.B. 5 sehr spezialisierte Fahrrad –Titel).
;Zeitschriften werden heute immer mehr die statische Version des Fernsehens. An der Art der Fotos erkennbar, Text sehr kurz und überschaubar.
►Politik und ernsthafte politische Beiträge finden in Zeitschriften kaum noch Anklang bei den Lesern, dafür aber der Unterhaltungswert der Politik, also Homestories und Reportagen über das Privatleben von Politikern (so auch Der Spiegel  mit einer Homestorie über Angela Merkel in ihrer Datscha).

Entwicklungen für Journalisten

Es gibt in Deutschland rund 49.000 hauptberufliche Journalisten, davon arbeiten ca. 30.000 im Printbereich, 15.000 für TV und Hörfunk, 3.000 bei Agenturen und 2.000 Online. Noch sind rund 50% der Journalisten fest angestellt, Tendenz fallend. Die Konzentrationsprozesse haben bereits deutlich ihre Spuren im Deutschen Medienmarkt hinterlassen und dies nicht nur durch die Freisetzung von Mitarbeitern, sondern auch in der Form der Arbeit:

z.B. vermehrt Zusammenlegungen von Redaktionen und dadurch sogenannte Content-Desks, wo nur noch wenige Redakteure diverse Titel zentral bedienen. Eine kleine lokale Truppe vor Ort füllt nur noch den Lokalteil inhaltlich. Bisher hauptberuflichen Journalisten bekommen zunehmend Konkurrenz von Bloggern und Hobby-Journalisten, die Informationen und Berichte zum Teil kostenlos zur Verfügung stellen. Daß diese nicht immer den Qualitätskriterien einer sorgfältigen Berichterstattung entsprechen, scheint kaum noch jemanden zu interessieren, zumindest gibt es hierfür (noch) keine Regeln.


Europäische Charta für Pressefreiheit

In Hamburg wurde am 25. Mai 2009 eine „Europäische Charta für Pressefreiheit" verabschiedet. Sie enthält Grundsätze für die Freiheit der Medien gegenüber staatlichen Eingriffen. Dabei geht es insbesondere um den Schutz vor Überwachungen, Lauschaktionen und Durchsuchungen von Redaktionen und Computern sowie für den freien Zugang von Journalisten und Bürgern zu allen in- und ausländischen Informationsquellen:

Art. 1
- Die Freiheit der Presse ist lebenswichtig für eine demokratische Gesellschaft. Journalistische Medien aller Art zu achten und zu schützen, ihre Vielfalt sowie ihre politischen, sozialen und kulturellen Aufgaben zu respektieren, ist Auftrag aller staatlichen Macht.

Art. 2 - Zensur ist untersagt. Unabhängiger Journalismus in allen Medien ist frei von Verfolgung und Repressalien, ohne politische oder regulierende Eingriffe des Staates zu garantieren. Presse und Online-Medien dürfen nicht staatlicher Lizenzierung unterworfen werden.

Art. 3 - Das Recht von Journalisten und Medien zum Sammeln und Verbreiten von Informationen und Meinungen darf nicht bedroht, eingeschränkt oder unter Strafe gestellt werden.

Art. 4 - Der Schutz journalistischer Quellen ist strikt zu wahren. Durchsuchungen von Redaktionen und anderen Räumlichkeiten von Journalisten sowie Überwachungen und Lauschaktionen mit dem Zweck, Informationsquellen ausfindig zu machen oder das Redaktionsgeheimnis zu brechen, sind unzulässig.

Art. 5 - Alle Staaten haben sicherzustellen, dass Medien bei der Erfüllung ihrer Aufgaben den vollen Schutz eines unabhängigen Gerichtssystems, der Gesetze und der Behörden genießen. Das gilt insbesondere für die Abwehr von Belästigungen und Angriffen auf Leib und Leben von Journalisten und deren Mitarbeitern. Bedrohungen oder Verletzungen dieser Rechte sind sorgfältig zu untersuchen und durch die Justiz zu ahnden.

Art. 6 – Die wirtschaftliche Existenz von Medien darf durch staatliche oder staatlich beeinflusste Institutionen oder andere Organisationen nicht gefährdet werden. Auch die Androhung von wirtschaftlichem Schaden ist unzulässig. Private Unternehmen müssen die journalistische Freiheit der Medien achten. Sie dürfen weder Druck auf journalistische Inhalte ausüben, noch versuchen, werbliche Inhalte mit journalistischen Inhalten zu vermischen.

Art. 7 - Staatliche und staatlich beeinflusste Institutionen dürfen den freien Zugang von Medien und Journalisten zu Informationen nicht behindern. Sie sind verpflichtet, deren Informationsauftrag zu unterstützen.

Art. 8 - Medien und Journalisten haben Anspruch auf ungehinderten Zugang zu allen Nachrichten und Informationsquellen, auch aus dem Ausland. Ausländischen Journalisten sind zur Berichterstattung Visa, Akkreditierungen und andere erforderliche Dokumente ohne Verzögerung auszustellen.

Art. 9 - Der Öffentlichkeit jedes Staates ist freier Zugang zu allen nationalen wie ausländischen Medien und Informationsquellen zu gewähren.

Art. 10 - Der Staat darf den Zugang zum Beruf des Journalisten nicht beschränken.


DJV BERLIN GEWANN PROZEß: ARBEITSLOSE FREIE JOURNALISTEN HABEN ANSPRUCH AUF DAS HÖCHSTE ARBEITSLOSENGELD

Die 58. Kammer des Sozialgerichts Berlin hat am Freitag, (21. 11.) in einem vom DJV BERLIN vertretenen Fall, verkündet (Az.: S 58 AL 5203/08), dass freie Journalistinnen und Journalisten, die sich freiwillig in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung weiterversichert haben, einen Anspruch auf Zahlung von Arbeitslosengeld nach der höchsten Stufe haben können, auch wenn sie kein Hochschulstudium abgeschlossen haben.

Seit 2006 können sich freie Journalistinnen und Journalisten unter bestimmten Voraussetzungen gesetzlich gegen das Risiko einer Arbeitslosigkeit versichern. Die Höhe des Arbeitslosengeldes bemisst sich dabei in der Regel nach sogenannten Qualifikationsgruppen (sog. fiktive Bemessung, § 132 Sozialgesetzbuch – SGB III). Zu Grunde zu legen ist dabei die Qualifikation, die für die Beschäftigung erforderlich ist, in die die Bundesagentur für Arbeit die Antragstellerin/den Antragsteller zu vermitteln hat. Die höchste Qualifikationsgruppe mit dem höchsten Anspruch auf Arbeitslosengeld gilt dabei für die Beschäftigungen, für die ein Hochschulabschluss erforderlich ist.

Der DJV Berlin vertritt wie der Bundesverband die Auffassung, das Journalistinnen und Journalisten selbst dann Anspruch auf die höchste Arbeitslosengeldleistung haben, wenn sie selbst keinen Hochschulabschluss erworben haben. Der Grund dafür liegt darin, dass in der weit überwiegenden Zahl der Fälle eine Einstellung als Journalistin/Journalist faktisch ein abgeschlossenes Hochschulstudium voraussetzt.

Die Bundesagentur hatte sich allerdings in zwei vom DJV Berlin vertretenen Fällen dieser Auffassung nicht angeschlossen und nur ein geringeres Arbeitslosengeld nach der für Fachschulabschlüsse und Meisterprüfungen geltenden  Qualifikationsgruppe 2 gewährt. Während eine andere Kammer des Sozialgerichtes Berlin die dagegen gerichtete Klage noch abgewiesen hatte (Az.: S 62 AL 1562/07. Die vom DJV Berlin für das Mitglied beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg eingelegte Berufung wird unter dem Az.: L 10 AL 302/08 geführt), hat die 58. Kammer des Sozialgerichts Berlin nun in erfreulicher Deutlichkeit einen Anspruch auf die höchste Arbeitslosengeldleistung gebilligt (Az.: S 58 AL 5203/08).

Das Gericht begründete seine Entscheidung mündlich mit dem bisherigen beruflichen Werdegang des Klägers, den vorgelegten Stellenanzeigen, die belegten, dass im Journalismus überwiegend ein abgeschlossenes Hochschulstudium Voraussetzung einer Beschäftigung ist, und dem Günstigkeitsprinzip. Danach richtet sich die fiktive Bemessung des Arbeitslosengeldes zu Gunsten der Anspruchsberechtigten nach der Beschäftigung, welche die höchste berufliche Qualifikation erfordert. Mit dem letzten Argument schloss sich das Gericht einem Urteil des Landessozialgerichtes Baden-Württemberg vom 09. August 2007 an (Az.: L 7 AL 1160/07,
http://lrbw.juris.de/cgibin/laender_rechtsprechung/document.py?Gericht=bw&GerichtAuswahl=Sozialgerichte&Art=en&Datum=2007-8&nr=9124&pos=7&anz=12).

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die schriftlichen Urteilsgründe liegen noch nicht vor.

Berlin, 21. November 2008, Klemens Kruse


Offener Brief zum Umzug von Sat. 1 nach München


Acht Jahre ist es her:  Auf dem Berliner Gendarmenmarkt gibt es ein exklusives Konzert mit Marius Müller-Westernhagen, die komplette Jägerstraße ist zur Partymeile mit Mega-Catering umfunktioniert worden. Gefeiert wird die Eröffnung der Sat.1-Zentrale im Herzen der Hauptstadt. Endlich ist es geschafft: alle Sat.1-Mitarbeiter sind  unter einem Dach vereint. Wir sind stark, haben „ran“ mit der Fußball-Bundesliga, Harald Schmidt sendet an vier Abenden pro Woche seine Late-Night-Show, der Sendetag beginnt mit dem erfolgreichsten Frühstücksfernsehen der Republik und es gibt etliche weitere erfolgreiche Formate im Programm des zweitstärksten deutschen Privatsenders.

Heute lasten über 3,8 Milliarden Euro Schulden auf der Pro7Sat1MediaAG, im vergangenen Jahr wurden erfolgreiche Sendungen aus dem Info-Bereich eingestellt, Mitarbeiter wurden zuhauf entlassen. Bundesliga und Schmidt sind längst bei der ARD, die neuen Eigner gönnen sich bei einem Jahresgewinn von 249 Millionen Euro eine Dividende in Höhe von 270 Millionen (2007), inzwischen ist sogar das Wort „Jahresgewinn“ durch „Einbruch“ ersetzt worden, der Vorstandsvorsitzende De Posch hat schon vor fünf Monaten seinen Abgang verkündet und bis heute ist kein Nachfolger in Sicht, von einer erkennbaren Strategie für die Zukunft der Senderfamilie kann überhaupt keine Rede sein. Und jetzt soll Sat.1 von Berlin-Mitte nach München-Unterföhring verlagert werden. Alles in allem ein Protokoll des Scheiterns.

Über 600 Familien am Standort Berlin sollen gröbste Management-Fehler der vergangenen Jahre ausbaden.  Entgegen aller wirtschaftlichen Logik, entgegen aller strategischer Vernunft. Mit dem angedachten Umzug verliert unser Konzern weiter an Attraktivität, mögliche Einzel-Sender-Verkaufsoptionen werden ohne Not geopfert. Noch ist Sat.1 ein breit aufgestellter „Stand-Alone-Sender“ mit einem großen Werbepotential. Nach einem Umzug wird dieser  Sender zu einem gesichtslosen Bestandteil einer Fernsehfabrik holländischen Zuschnitts.

Ob die Werbewirtschaft den unvermeidbaren Markenverlust von Sat.1 durch die Standortverlagerung einfach so hinnehmen wird, ist mehr als zweifelhaft. Gestärkt wird unser Senderprofil durch die geplante Zusammenlegung auf keinen Fall. Ob man in München noch in der Lage ist, die Kosten einer Sender-Verlagerung überhaupt einigermaßen seriös zu errechnen,  darf angesichts vieler Fehleinschätzungen der jüngeren Vergangenheit ebenfalls stark bezweifelt werden. Ohne Not eine äußerst attraktive Dependance in der Hauptstadt zu räumen, spricht ebenfalls nicht unbedingt für überlegtes Handeln.

Was glaubt München eigentlich, was für ein Sat.1 in Unterföhring ankommen wird?

Wenn bis zum vergangenen Wochenende noch etwas Rest-Vertrauen in die eigene AG vorhanden war, ist dieses Kapital  inzwischen aufgebraucht. Zu befürchten ist  für die kommenden Monate ein bislang einzigartiger Kompetenzverlust bei Sat.1. Die Enttäuschung und Unzufriedenheit ist bei allen Mitarbeitern so groß, dass es nur noch ein Thema auf den Fluren gibt:  „Ich will hierbleiben. Ich möchte unter vernünftigen Bedingungen ein erfolgreiches Programm gestalten.“ Das sind UNSERE „Must Haves“. Wir haben deshalb in der Zentralredaktion geheim und anonym über folgende Frage abgestimmt: „Wenn die Entscheidung fällt, Sat.1 komplett nach München zu verlegen, wirst Du dann mitgehen?“

Die überwältigende und absolute Mehrheit der Sat.1 Zentralredaktion hat dies entschieden verneint.

Im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sat. 1 Zentralredaktion in Berlin

Dieser Brief wird unterstützt von der Interessenvertretung der Medienschaffenden connexx.av und dem DJV Berlin


EINMÜTIGKEIT UND GESCHLOSSENHEIT ZEIGTEN DIE BEIDEN BERLINER JOURNALISTENVERBÄNDE AUF DEM DJV-VERBANDSTAG!

Auf dem diesjährigen Verbandstag des DJV vom 3. – 5. 11. in Rostock-Warnemünde demonstrierten die beiden Berliner DJV-Landesverbände: DJV Berlin und Verein Berliner Journalisten (VBJ) ihre wieder gefundene Geschlossenheit. Sie unterstützen nicht nur ihre im Vorlauf zum Verbandstag getrennt eingebrachten Anträge, sondern legten auch gemeinsame Anträge vor. Allen ihren Vorlagen stimmten die Delegierten des DJV mit überwiegender Mehrheit, teilweise einstimmig zu. Während des Verbandstages würdigte der Vorsitzende Des DJV-Landeverbandes Hessen, Hans Ulrich Heuser, diese Gemeinsamkeit der beiden Berliner DJV-Verbände und die Zusammenarbeit mit dem Brandenburger Journalisten-Verband (BJV). Er sprach - auch namens anderer DJV-Landesverbände - die Erwartung aus, dass bereits bis zum DJV-Verbandstag 2009 in Berlin die Spaltung des DJV in der Region Berlin-Brandenburg überwunden ist und sich bis dahin die Verbände zu einem DJV- Landesverband Berlin-Brandenburg zusammengeschlossen haben.

Die Landesvorsitzenden der beiden Berliner Verbände, Gerhard Kothy (VBJ) und Dr. Peter Pistorius (DJV Berlin) antworteten mit der Zusage, noch in diesem Jahr mit den Fusionsverhandlungen zu beginnen. Es bestände bereits eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit in allen Tariffragen, und es fänden, gerade im Bereich der Freien Journalisten und Journalistinnen, gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen statt.  

Dr. Pistorius wies seinerseits darauf hin, dass die Mitgliederversammlung des DJV Berlin den Vorstand beauftragt hat, „unverzüglich“ die erforderlichen Gespräche aufzunehmen. Zu allen Veranstaltungen der Fachausschüsse des DJV Berlin werden seit jeher alle Mitglieder des VBJ und BJV per Internet eingeladen.

DIE BERLINER ANTRÄGE (Zum Teil gekürzt):

Resolution: Keine Einstellung des Senders „radio multikulti (DJV Berlin, VBJ)

Nachdem die Konferenz der Ministerpräsidenten beschlossen hat, den rbb mit 20 Millionen mehr Einnahmen aus dem ARD-Finanzausgleich zu unterstützen, fordern die Delegierten des Deutschen Journalistenverbandes den Rundfunkrat und die Intendanz des rbb auf, alles zu unternehmen, damit „radio multikulti" erhalten bleibt. Mit der zum 31.12.2008 geplanten Einstellung des Senders fällt eine wichtige öffentlich-rechtliche Informationsquelle weg. Nach dem Beschluss der Ministerpräsidenten ist das wirtschaftliche Argument zur Einstellung der Welle hinfällig. Die vom rbb erwartete Sparsumme beträgt 2,5 bis 3,5 Millionen Euro jährlich, das entspricht nicht einmal einem Prozent des Jahresetats.

Durch den Beschluss des rbb, den Sender „radio multikulti" einzustellen, gerät die Grundversorgung für zugewanderte Minderheiten und die Mehrheitsbevölkerung in eine gefährliche Schieflage. Wie kein anderes Hörfunkprogramm bestimmt der Sender die Vielfalt des multikulturellen Lebens in Berlin und Brandenburg. Die geplante Übernahme des Hörfunkprogramms „Funkhaus Europa" aus Köln kann kein Ersatz für „radio multikulti" sein.

Die Delegierten rufen die Mitglieder des DJV auf, alle Protestaktionen gegen die Schließung des Senders zu unterstützen und sich auch an der Demonstration am 6. November 2008 in Berlin zu beteiligen. Die gesellschaftlichen und politischen Vertreter im Rundfunkrat werden aufgefordert, den Auflösungsbeschluss des rbb aufzuheben.

Antrag: „radio multikulti" – Auftrag an den DJV< Bundesvorstand (DJV Berlin, JVB)

Die Delegierten beauftragen den Bundesvorstand, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Einstellung des Senders vorzugehen und zügig mit den Mitgliedern des Rundfunkrates, der am 6. November 2008 in Berlin tagt, Gespräche aufzunehmen.

Antrag: Stellenabbau beim Berliner Verlag (DJV Berlin, VBJ gemeinsam mit LV Hamburg)

Der DJV-Verbandstag fordert Gesellschafter und Geschäftsführung der BV Deutsche Zeitungsholding („Berliner Zeitung", „Berliner Kurier", „Hamburger Morgenpost", „Netzeitung", „Tip") auf, vom geplanten Abbau von 150 der jetzt noch rund 850 Arbeitsplätze in der Gruppe Abstand zu nehmen und den per 1. November verhängten Einstellungs-, Reisekosten-und Investitionsstopp aufzuheben. Die Aussage, „Reisen werden nur noch innerhalb der Ortsgrenzen von Hamburg und Berlin genehmigt"!, ist zynisch. Den Beschäftigten ist eine weitere Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen nicht zuzumuten.

Auch die Leser haben keine weitere Verschlechterung der auf dem Zeitungsmarkt und online angebotenen Titel verdient. Die Titel und die an ihnen hängenden Arbeitsplätze dürfen nicht kaputt gespart werden. Die betroffenen Zeitungen und Zeitschriften und damit die Beschäftigten der Holding erwirtschaften insgesamt eine zweistellige Rendite von etwa 15 Prozent.

Die zur Begründung der Sparmaßnahmen angeführten Millionenverluste sind unabhängig von der sogenannten Finanzmarktkrise allein auf die Kosten der vom Gesellschafter zur Übernahme der Holding-Titel aufgenommenen Kredite zurückzuführen. Diese Schuldenlast den Beschäftigten aufhalsen zu wollen, ist schäbig, unternehmerisch unredlich und eines Zeitungsverlags unwürdig.

Antrag: Neue Organisationsstruktur: Stärkere Einbeziehung der Freien Journalisten/innen (DJV Berlin)

Zu folgendem Antrag (gekürzt wiedergegeben) erhielt der DJV-Gesamtvorstand Auftrag auf dem Verbandstag 2009 in Berlin eine Vorlage für eine entsprechende Organisationsstruktur vorzulegen:

Anstelle der jetzigen Fachausschüsse sollen problemorientierte Fachbereiche eingerichtet werden, in denen die Freien Journalisten/innen jeweils eingebunden, bzw. vertreten sind. Grundlage einer Neuorganisation soll die Arbeit von Projektgruppen unter Beteiligung der Freien Journalisten/innen werden. Die derzeitige Organisationsstruktur des DJV in Fachausschüs­se ist nicht mehr zeitgemäß und entspricht auch nicht mehr der beruflichen Realität. 40 bis 60 Prozent der Mitglieder des DJV sind freiberuflich tätige Journalistinnen und Journalisten.

Die meisten von ihnen sind auf eine Mitarbeit/Zuarbeit für alle jour­nalistischen Medien angewiesen. Zusätzlich haben sich die Me­dienlandschaft und deren Struktur durch neue Techniken, wie online, in allen Berufsfeldern rasant verändert. Gleichzeitig werden bei Printmedien, Funk und Fernsehen traditionelle Ar­beitsgebiete ausgegliedert. Das alles erfordert eine Straffung der Aufgabenfelder und eine engere Zusammenarbeit von Freien und von  angestellten Journalistinnen und Journalisten zur Sicherung ihrer Arbeitsbedingungen. 

Resolution: Deutsche Welle -  Aufgabenplanung entspricht nicht dem gesetzlichen Pogrammauftrag (VBJ, BJV, DJV Berlin - gemeinsam mit LV-NRW)

1. Der DJV lehnt den von der Intendanz der Deutschen Welle vorgelegten Entwurf für eineAufgabenplanung 2010-2013 ab. Insbesondere die vorgesehene Abkehr von Deutsch als Hauptverbreitungssprache des DW-Programms ist völlig inakzeptabel. Auch die geplante Umorientierung hin zu einem fremdsprachigen Zielpublikum - und damit einhergehend die weitgehende Aufgabe des deutschsprachigen Zielpublikums - entspricht nicht dem gesetzlichen Programmauftrag der Deutschen Welle und darf keinesfalls umgesetzt werden.

2. Der DJV fordert die Intendanz der Deutschen Welle auf, diese Pläne zurückzuziehen. Sollte die Intendanz dies nicht tun, fordert der DJV die Gremien der Deutschen Welle (Rundfunk- und Verwaltungsrat) dazu auf, den vorgelegten Entwurf für die Aufgabenplanung 2010 – 2013 abzulehnen und die Intendanz anzuweisen, einen neuen Entwurf vorzulegen.

3. Der DJV fordert die Abgeordneten des Deutschen Bundestages (insbesondere die Mitglieder des Haushaltsausschusses sowie des Ausschusses für Kultur und Medien) dazu auf, für eine Finanzausstattung der Deutschen Welle zu sorgen, die die Existenz und Funktionsfähigkeit des Hauses dauerhaft sicherstellt.

Antrag: Verpflichtung der Arbeitgeber zur Weiterbildung der Mitarbeiter (VBJ)

Der DJV strebt ab sofort in allen Tarifverhandlungen Abschlüs­se an, die im Bereich Weiterbildung zwingend folgende Ele­mente enthalten:

- eine Verpflichtung der Arbeitgeber, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auch den Freien, regelmäßig kostenfreie Weiterbildungsmaßnahmen anzubieten bzw. zu ermöglichen, mit denen konkrete, Arbeitsplatz sichernde journalisti­sche Zusatzqualifikationen erworben werden;

- eine Verpflichtung aller Arbeitnehmerinnen und Ar­beitnehmer zur regelmäßigen Teilnahme an Weiterbildungsangeboten.

Antrag: Weiterbildungskonzept für Mitglieder des DJV(VBJ)

Der DJV-Gesamtvorstand wird aufgefordert, in Abstimmung mit den Landesverbänden und ggf. in Kooperation mit geeigneten Institutionen ein Weiterbildungskonzept aufzulegen. Ziel dieses Konzepts ist es, allen Mitgliedern des DJV die Teil­nahme an qualifizierten Weiterbildungsangeboten zu ermögli­chen, die ihrer jeweiligen beruflichen Situation gerecht werden und ihrer beruflichen Fortentwicklung dienen. Seit Auflösung des Bildungswerks ist die eigenständige Bil­dungsarbeit des DJV ständig zurückgegangen. Derzeit be­schränkt sie sich auf die Schulung von Gremien und Betriebs­ratsmitgliedern.