24. April 2012Urhebervertragsrecht

DJV Votum für die Urheber - Urheberrecht stärken

K.K.- Der DJV  fordert bei einer Reform des Urheberrechtes nicht nur die berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Journalisten und Journalistinnen besser als bisher zu schützen sondern auch dringend das Urhebervertragsrecht zu reformieren.

Eine Reform darf nicht ausschließlich den Nutzern zugute kommen, dass Werke im Internet leichter genutzt werden könnten, sei keine Rechtfertigung für einen schwächeren Urheberschutz. Auch eine Verkürzung der Schutzfristen ist nicht im Interesse der Urheber, heißt es in einer am 23. April in Würzburg einstimmig verabschiedeten Stellungnahme des DJV Gesamtvorstandes (www.djv.de/Urheberrecht.2874.0.html).

Vor allem die zum Teil dramatische Situation etlicher freier Journalisten stand im Mittelpunkt der Diskussion des DJV-Gesamtvorstandes um das Urheberrecht. Ob Text- oder Bildjournalisten: Sie alle haben damit zu kämpfen, dass es eher niedrigere als höhere Honorareinnahmen gibt. Sie können sich kein weiteres Minus auf dem Konto leisten, etwa durch eine Urheberrechtsreform, die ausschließlich den Nutzern zugute käme.

Der DJV fordert den Gesetzgeber auf, das Urhebervertragsrecht  mit dem Ziel so weiter zu entwickeln, dass die strukturelle Unterlegenheit der Urheber in Vertragsverhandlungen mit Verwertern überwunden und ihren Anspruch auf angemessene Vergütung gesichert wird. Diese Forderung ist Teil der DJV-Stellungnahme zur Reform des Urheberrechtes in der digitalen Gesellschaft. Sie unterstreicht neben dem Änderungsbedarf im Urheberrecht die Bedeutung der Arbeit der Verwertungsgesellschaften für die Urheber.

Um die Rechte der Urheber so umfassend wie möglich wahrzunehmen, seien die Verwertungsgesellschaften unverzichtbar. Alternative Bezahlmodelle urheberrechtlich geschützter Werke, wie etwa die so genannte Kulturflatrate, werden in der DJV-Stellungnahme hinterfragt. Das Papier betont, dass auf vorhandene Strukturen der Verwertung von Werken nicht verzichtet werden könne. Allein mit einer Kulturflatrate oder vergleichbaren Bezahlsystemen sei keine angemessene Vergütung für die Urheber zu erzielen.

11. April 2012Hauptversammlung bei Springer

Gelegenheit zur Kritik am unfairen Umgang mit Bildjournalisten beim Springerverlag

Vorplatz des Springer Hochhauses - Foto: K. Kundt

K.K.- Am 25.April findet in Berlin die Hauptversammlung der Axel Springer AG statt. Gelegenheit für freie Bildjournalisten/innen die Springer Aktien besitzen den unfairen Umgang des Verlages mit den Ergebnissen ihrer Arbeit zu kritisieren. Wie berichtet versucht der Springer Verlag die Kosten für Downloadgebühren auf die freien Bildjournalisten/innen abzuwälzen.

Der DJV hatte bereits darauf hingewiesen, dass Journalisten einen Anspruch auf die Erstattung ihrer Auslagen haben. Beginn der Aktionärsversammlung: 10.00 Uhr. Jeder  Aktionär der mindestens über eine (1) Aktie von ASV verfügt kann auf der Versammlung von seinem Fragerecht Gebrauch machen und vom Vorstand des Verlages Auskunft verlangen, wie er weiterhin mit der Abgeltung des finanziellen Aufwandes für die Bereitstellung von Bildern für die Springerzeitungen verfahren will.

In der Vergangenheit hatten bereits Kollegen/innen von ihrem Fragerecht als Aktionäre gebrauch gemacht. Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende des Springer-Verlages,  musste auf ihre Fragen eingehen, da es nun einmal das verbriefte Fragerecht der Aktionäre gibt. Nähere Informationen beim DJV unter hir@djv.de oder unter nilsbahnsen@t-online.de.

Informationen zur Hauptversammlung unter: 
http://www.axelspringer.de/artikel/Hauptversammlung-2012_2214417.html

9. April 2012Er schrieb Fernsehgeschichte:

Herzlichen Glückwunsch für Harald Karas

Harald Karas Foto: SFB

K.K.- Am Ostermontag feierte Harald Karas, langjähriger Chef der Berliner Abendschau, Ehrenmitglied und ehemaliger Schatzmeister des DJV Berlin den 85. Geburtstag. Sein journalistischer Werdegang begann beim NWDR. Nach den journalistischen Anfängen beim NWDR  moderierte er am 1. September 1958 die erste Abendschau aus dem Studio im Deutschlandhaus am heutigen Theodor-Heuss-Platz und schrieb damit SFB-Fernsehgeschichte. 1960 wurde er Leiter der Abendschau.

Nach den Wirren des 2. Weltkrieges kam Harald Karas 1949 nach Berlin, studierte an der FU Berlin Publizistik sowie Soziologie und war danach mehrere Jahre als Nachrichtensprecher und Reporter für die Sendung Rund um die Berolina tätig, 1958 baute Harald Karas mit Günther Piecho die Berliner Abendschau des Senders Freies Berlin (SFB) auf. 26 Jahre lang informierte Harald Karas die Zuschauer regelmäßig über die wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Ereignisse in der Stadt. 1984 folgte eine neue Herausforderung: Das Diskussionsformat Stadtgespräch, rund 140 Stadtgespräche sowie verschiedene Diskussionsrunden hat  er Harald Karas in moderiert.

5. April 2012Bundesverfassungsgericht

Absolutes Verbot von Filmaufnahmen im Gerichtssaal aufgehoben

K.K.- Das Bundesverfassungsgericht hat am 30. März mit einer einstweiligen Anordnung den Beschluss des Landgerichts Hamburg vorläufig ausgesetzt, mit dem einer freien Journalistin in einem Prozess Filmaufnahmen für die Fernsehberichterstattung vollständig untersagt worden waren.

In dem Hamburger Prozess ging es um Geiselnahme, versuchte Freiheitsberaubung und unerlaubten Waffenbesitz. Die Hamburger Richter hatten ihre Entscheidung mit den Persönlichkeitsrechten des Angeklagten begründet. Dagegen klagte die Journalistin.

Das Bundesverfassungsgericht entsprach dem Antrag der Journalistin auf Aufhebung des absoluten Filmverbotes. Dem Vorsitzenden der zuständigen Strafkammer des Landgerichts Hamburg wurde aufgegeben, Anordnungen zur Bildberichterstattung unter Berücksichtigung der Rundfunkfreiheit zu treffen (Az. 1 BvR 711/12). Das öffentliche Interesse an der Berichterstattung wiege hier schwerer als der Persönlichkeitsschutz des Angeklagten, der seine Tat bereits gestanden hätte. Der Antrag auf einstweilige Anordnung der Journalistin wurde vom DJV unterstützt.

27. März 2012Tarifabschluss Privater Rundfunk

Gehaltserhöhung ab 1. April um 1,5 Prozent und Einmalzahlung von 400,- €

K.K.- Mit einem Tarifabschluss für die Beschäftigten des privaten Rundfunks endete am Montag (26. 3.) die vierte Verhandlungsrunde zwischen den Gewerkschaften DJV und ver.di und dem Tarifverband Privater Rundfunk (TPR). Danach bekommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den TPR-Mitgliedsunternehmen ab 1. April linear 1,5 Prozent mehr Gehalt. Zudem wurde eine Einmalzahlung in Höhe von 400,- € bzw. 200, € für Volontäre und Auszubildende vereinbart.

Die neuen Gehaltssätze gelten bis zum 30. September 2013. Vereinbart wurde ferner, dass der seitens des TPR gekündigte Manteltarifvertrag ohne materielle Veränderungen wieder in Kraft gesetzt wird und frühestens Ende 2016 gekündigt werden kann. Zum gleichen Termin kann erstmals der neue Entgelttarifvertrag mit zeitlich befristeten Einstiegsstufen gekündigt werden.


Dem Tarifabschluss muss noch der DJV-Gesamtvorstand als Große Tarifkommission zustimmen.

16. März 2012Deutsche Welle Akademie

Ägyptische Journalisten zu Besuch in Berlin

André Gählert, Marwa Eldessouky, Abeer Saady, Vertreter der DW Akademie (von links). Fotos: Bernd Lammel & DJV Berlin

Fotos: Bernd Lammel & DJV Berlin


Wie arbeiten und organisieren sich Journalisten in Deutschland? Das wollten Kollegen aus Ägypten wissen und wurden von der Deutschen Welle Akademie nach Berlin eingeladen.


Sie wollten es dann doch genau wissen. „Was verdient man als Journalist in Deutschland?“, „Wie hoch ist die Rente?“ Die Deutsche Welle Akademie hatte die Vize-Vorsitzende des Ägyptischen Presse-Verbandes, Abeer Saady, sowie zehn Chefredakteure und Medien-Beamte aus Ägypten nach Berlin eingeladen. In einem einwöchigen Seminar beschäftigten sich die Teilnehmer vor allem mit der Selbstregulierung der Medien in Deutschland.


Der Vorsitzende sowie der Geschäftsführer des DJV Berlin, Bernd Lammel und André Gählert trafen sich am 8. März mit den Kollegen, um ihnen zu erzählen, wie in Deutschland die Gewerkschaftsarbeit organisiert ist. Im Gegenzug erfuhren Lammel und Gählert beispielsweise, dass in Ägypten die Gewerkschaften vom Staat finanziert werden, dadurch aber auch nicht unabhängig von diesem sind.


Diskutiert wurde auch über die Situation von Freiberuflern in beiden Ländern. In Ägypten, so hieß es, seien Freiberufler in keiner Weise abgesichert, weder in Punkto Sicherheit, noch finanziell, selbst, wenn sie für ein großes Medium arbeiteten.


Vom DJV Berlin nahm auch die Radiojournalistin Marwa Eldessouky an der Runde teil. Die Berlinerin ägyptischer Abstammung erzählte über ihre Arbeit beim rbb-Radiosender Fritz und Rechte von Freiberuflern.


Siehe auch: Abeer Saady im DW Akademie-Interview

8. März 2012DJV Berlin kooperiert mit Medienakademie

Mentoren für den Nachwuchs

Der dma-Vorstand Prof. Dr. Detlef Gwosc (links), der DJV Berlin-Vorsitzende Bernd Lammel und seine Stellvertreterin Beate F. Neumann unterschreiben den Vertrag. Foto: A. Gählert

Der DJV Berlin und Die Medienakademie (dma) am Standort Berlin arbeiten ab sofort zusammen. Geplant sind unter anderem Seminare und ein Mentorenprogramm.

Die dma ist eine private Bildungseinrichtung, die seit 2004 in Kooperation mit der Hochschule Mittweida Bachelor-Studiengänge wie „TV-Producer“, „Sportjournalist“ oder „Kamera“ anbietet. Die dma wirbt mit dem Motto: „Die Studenten studieren da, wo die Profis arbeiten“ - auf dem Studio Hamburg Gelände, in der Nähe von ProSiebenSat.1 in Berlin und in München auf dem Bavaria Film Gelände.

Bei der dma ist man sich jedoch bewusst, dass es bei vielen Arbeitgebern keine Mentoren mehr für den Nachwuchs gibt. Junge freie Journalisten müssen eh schauen, wie sie zurecht kommen. Der DJV Berlin wird deshalb einen Mentoren-Arbeitskreis für die Bereiche Fernsehen, Online und Öffentlichkeitsarbeit aufbauen. Die Mentoren sollen dma-Studenten und Absolventen auf ihrem Weg in den Journalismus ein Jahr lang begleiten und sie mit ihrem Fachwissen und Netzwerk unterstützen.

Der DJV Berlin bietet den dma-Studenten zudem Seminare für den Berufseinstieg an, beispielsweise über das Presseversorgungswerk, die Künstlersozialkasse, die Verwertungsgemeinschaft Wort/Bild, Selbstvermarktung oder Presse- und Urheberrecht. dma-Studenten können außerdem an DJV-Veranstaltungen und Fachausschuss-Sitzungen teilnehmen. Im Gegenzug bietet Die Medienakademie Seminare für Mitglieder des DJV Berlin an.

Bernd Lammel, Vorsitzender des DJV Berlin, sagt: „Mit der dma haben wir einen professionellen Partner mit den besten Referenzen in der Medienwelt gefunden. Berufsanfänger profitieren von der Erfahrung langjähriger DJV-Mitglieder. Im Gegenzug erhalten vor allem unsere freien Kollegen, die betrieblich nicht gefördert werden, die Chance sich weiterzubilden.“

1. März 2012Trauerrede für Gabriele Fromm

"Ein unbegreiflicher Verlust"

Fotos: Bildermann, Simone Ahrend, Norbert Kesten


Gemeinsam mit der Familie nahmen am 1. März mehr als hundert Trauergäste in der Kapelle des Zehlendorfer Waldfriedhofs Abschied von Gabriele Fromm, der Schatzmeisterin des DJV Berlin. Die Fotografin zeichnete sich vor allem durch tiefen Respekt vor den Menschen, die sie portraitierte, aus. Eine Trauerrede von Bernd Lammel, dem Vorsitzenden des DJV Berlin.


Das erste Mal traf ich Gabriele Fromm im Dezember 1989 - als das Brandenburger Tor offiziell wiedereröffnet wurde. Es regnete in Strömen und wir standen nebeneinander auf Aluminiumleitern, um an gute Motive zu kommen, während das Regenwasser in die Sucher unserer Kameras kroch. In den folgenden Wochen sollten wir uns noch oft entlang der ehemaligen Berliner Mauer begegnen. In den Jahren danach noch öfter im Berliner Journalistenverband.


Gabriele fiel in der Männerdomäne der Berliner Fotografen nicht nur dadurch auf, sich unkonventionell zu kleiden, sondern auch mit ihrem Geschick Aggressionen abzubauen, wenn bei Presseterminen zwei Dutzend ungeduldige Fotografen, um das beste Bild kämpften. Denn eigentlich sind die Berliner Bildjournalisten eine ziemliche homogene Gruppe. Die meisten fühlen sich ohne viele Worte zusammengehörig. Man kennt sich und man hilft sich. Im Fachausschuss der Bildjournalisten im Deutschen Journalisten-Verband gab es immer einen großen Zusammenhalt und einer der wichtigsten Anker in dieser Gemeinschaft war Gabriele Fromm.


Ihr Handwerk hatte sie im Lette-Verein gelernt und nach dem Studium des Journalismus dieses Genre nie verlassen, auch nicht als ihre feste Bindung an die Berliner Morgenpost verloren ging, weil die Redaktion bei den freien Fotografen sparte. Neugierig beschritt sie das Gebiet der digitalen Fotografie an der Jahrtausendwende, nicht nur technisch, sondern immer mit einem zutiefst menschlichen Verständnis und der Sehnsucht Unbekanntes mit der Kamera sichtbar zu machen. Respekt vor den abgebildeten Menschen war ihr Erfolgsrezept. Journalistisch war ihr Blick nach Osten gerichtet. Polen, das Baltikum und Weißrussland wurden immer häufiger Ziele ihrer Reportage-Reisen. Neben ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Deutschen Journalisten-Verband hat sie sich im Verbund von Osteuropa-Korrespondenten, in der Agentur n-ost, einen guten Namen gemacht. Ihre letzte Reise machte sie im vergangenen Jahr mit n-ost nach Minsk.


Ganz eng habe ich mit ihr vor drei Jahren in einem Projekt zur Digitalisierung bislang unveröffentlichter Fotografien vom Fall der Berliner Mauer zusammengearbeitet – zum 20. Jahrestag. Gabriele überlegte schon damals was wir beim 25-jährigen Jubiläum besser machen könnten. Wir hatten uns gemeinsam darauf gefreut und nicht geahnt, dass sie daran nicht mehr mitarbeiten kann.


Oft haben wir uns gefragt, woher die Frau mit den hellwachen Augen ihre Kraft nahm, wie sie familiäre, berufliche und ehrenamtliche Situationen zu einem Ganzen werden ließ. Ihre Tochter Palle nahm sie mit zu Interviews in den Bundestag oder, wenn es keine andere Betreuung gab, zu Redaktionssitzungen. Im DJV Berlin wurde Palle ganz selbstverständlich ein gern gesehener Gast.


Ihre Stärken spielte Gabriele Fromm immer dann aus, wenn andere bereits jeglichen Optimismus verloren hatten. Als vor sieben Jahren unserem Verband das Aus drohte, stand sie mit fester Stimme am Rednerpult und sprach ermunternde Worte. Als andere schon resigniert aufgegeben hatten oder uns verließen, war sie bereit, in verschiedenen Funktionen Verantwortung - ja große Verantwortung zu übernehmen. Sie wurde in die Funktion der Bundesfachausschussvorsitzenden der Bildjournalisten gewählt. Dort war sie die einzige Frau in einem schwerfälligen Gremium, das ihrem Tempo nicht gewachsen war. Ich hätte ihr mehr Dankbarkeit für ihre geduldige und substanzielle Arbeit gewünscht, als sie damals die Arbeit des auf tragische Weise aus dem Leben geschiedenen Kollegen Uli Kraufmann aus Stuttgart übernahm.


Zurück in Berlin engagierte sie sich wieder im Vorstand. In einer der kritischsten Phasen des Verbandes, wurde sie unsere Schatzmeisterin. Gabrieles plötzlicher Tod ist ein so großer menschlicher Verlust, dass wir ihn noch gar nicht verstehen können. Doch ein großes Vorbild wird sie immer für uns bleiben.


Fotos: Bildermann, Simone Ahrend, Norbert Kesten

20. Februar 2012Nachruf

Schatzmeisterin Gabriele Fromm ist tot

Gabriele Fromm Foto: Urbschat

Mit nur 54 Jahren ist Gabriele Fromm, die Schatzmeisterin des DJV Berlin, gestorben. Mehr als zwanzig Jahre lang war die Fotojournalistin Mitglied im Berliner Verband. Ihr Tod kam für ihre Kollegeninnen und Kollegen überraschend.

Ein Nachruf von Peter Pistorius

Ihr Tod kam unerwartet für jene, die noch ganz zuletzt mit Gabriele Fromm zusammen sein konnten, unfassbar für uns alle, die wir sie seit Jahren als aktive und zuverlässige, liebe Kollegin in unserem Verband schätzen gelernt haben. Dass sie schwer krank war, wussten wir nicht.

Vor vier Jahren wurde Gabi in den Vorstand gewählt, im April 2011 zur Schatzmeisterin. Mehr als zwanzig Jahre lang war die gelernte Fotojournalistin Mitglied im Berliner DJV. Bei die Berliner Morgenpost sammelte sie - nach ihrer Ausbildung im Lette Verein und abgeschlossenem Studium für Kommunikationswissenschaften - als feste Fotografin Erfahrungen in der journalistischen Bildberichterstattung, die sie dann auf ihrem weiteren beruflichen Weg nutzen konnte. Ihre Fotografien erschienen in Stern, Quick und Berliner Tageszeitungen.

Die gebürtige Berlinerin hatte es mit ihrer lebhaften Art leicht, auch außerhalb des  engeren Berufsfeldes sich neue Tätigkeiten zu erschließen. So als Dozentin an der Hochschule der Künste und aktives Mitglied bei den Unternehmerinnen plus, wo sie ebenfalls als Schatzmeisterin Verantwortung übernahm. Als sie 2006 zur Vorsitzenden des Bundesfachausschusses Bild im DJV gewählt wurde, waren wir besonders stolz auf sie.

Gabi hat diese vielfältigen Aufgaben übernommen und erfüllt und blieb dabei auch als Mutter immer gefordert. Wir haben sie bewundert, als wir diese Seite ihres Wesens kennen gelernt haben. „Palle“, ihre Tochter, die auch bei den fröhlichen Anlässen unseres Verbandlebens willkommen war, ist uns inzwischen ans Herz gewachsen. Auf ihrem roten Motorroller haben die beiden im vorigen Sommer eine fröhliche Reise an die Ostsee unternommen. Im vorigen Jahr wollte Gabi dann noch einmal intensiver in die Grundlagen ihres Berufs einsteigen und nahm ein Studium an der Fachhochschule in Magdeburg auf. Diesen Weg, wie manchen anderen, konnte sie nicht mehr zu Ende gehen.

Sie wurde nur 54 Jahre alt.


Bitte beachten Sie auch diese Anteilnahmen:
http://www.iris-media.info/spip.php?article3826
http://www.n-ost.org/news/trauer_um_gabi_fromm

5. Februar 2012Tagung in Berlin

100 Kongressteilnehmer diskutieren über "Wert des Journalismus"

Fotos: Bernd Lammel


Braucht es im heutigen Journalismus noch reine Informationsvermittler? Und wie beeinflusst das Internet das Handwerk des Nachwuchses? Das sind nur zwei Fragen, über die 100 Teilnehmer auf dem DJV-Kongress „Wert des Journalismus“ in Berlin diskutierten.


Von Astrid Sonja Fischer


Zum Beruf des Journalisten scheinen zwei Bilder zu gehören: Der mittellose freie Idealist und der frustrierte festangestellte Redakteur. Beide leiden darunter, nicht den Journalismus betreiben zu können, den sie für richtig halten.


Als Ursachen gelten gestiegene Anforderungen, weniger Personal, sinkende Honorare und Gehälter. Allgemein sinkt das Interesse an Zeitungen und regelmäßige gründliche Leser werden zur seltenen Spezies. Das Internet lockt mit Alternativen zur journalistischen Berichterstattung und komfortabler Aufbereitung. Wie sich in diesem Umfeld journalistische Qualität dauerhaft etablieren kann, diskutierten rund 100 Teilnehmer aus ganz Deutschland auf dem DJV-Kongress „Wert des Journalismus“ am 2./3. Februar 2012 in Berlin.


Hans Leyendecker, Ressortleiter Investigative Recherche, Süddeutsche Zeitung, beobachtet zwar einen zunehmenden Trend zur Stilsicherheit der jungen Journalisten, der aber zu Lasten des Inhaltes gehe. Das Internet habe „copy paste“ leichter gemacht. In der Konsequenz forderte er von Zeitungen mehr Reflexion und Tiefenschärfe zu liefern anstatt als Regionalanzeiger zu fungieren. „Autorität kommt von Autor und Qualität von Qual,“ so sein Impuls zur Tagung.


„Qualität ist zwar nicht zum Nulltarif zu haben, aber auch nicht käuflich“, machte Michael Haller, emeritierter Journalismus-Professor der Universität Leipzig, deutlich. Journalisten sollten ihren Lesern vor allem Orientierung ermöglichen. Das gängige Rollenbild der 80er Jahre - der reine Informationsvermittler - habe ausgedient. „Berichterstattung ist keine Einbahnstraße. Heute müssen Journalisten in der Lage sein, die Sichtweise derjenigen einzunehmen, für die sie publizieren,“ beschreibt Haller die veränderten Anforderungen. Die breite Palette der Darstellungsmöglichkeiten sollte themengerecht genutzt werden. Dass Orientierung deutlich vor Unterhaltung kommt, davon ist Haller überzeugt. Insofern sei das Konzept durchaus lesernah. Die Umsetzung hängt maßgeblich von Strukturen ab: Um Orientierung und Werte vermitteln zu können, müssten sich Redaktionen als lernende Organisationen verstehen, die immer wieder bereit ist, nicht nur Themen sondern auch Arbeitsabläufe zu hinterfragen.


Für eine gründliche Recherche im Lokaljournalismus warb David Schraven, Leiter des Recherche-Ressort der WAZ-Mediengruppe in Essen. Journalisten sollten ihre Rechte nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) kennen und einfordern. Originaldokumente böten immer den unmittelbaren Zugang zu Fakten und aus einem gründlichen Aktenstudium lasse sich eine Vielzahl von Geschichten recherchieren. Aus seiner Erfahrung berichtete Schraven, dass in den wenigsten Fällen der Klageweg notwendig sei und er üblicherweise allein durch konsequentes Vorgehen an die gewünschten Unterlagen komme. Natürlich gehörten zu einer Geschichte nicht nur Fakten, sondern auch weiche Faktoren, die sich dann über persönliche Gespräche ergeben. Dass so eine mühsame Vorgehensweise nicht auf die Schnelle zu realisieren ist, ist für Schraven kein Problem. Solange er als einziger an der Geschichte arbeitet, hat er mit der Veröffentlichung Zeit, bis die Recherche abgeschlossen ist.


Den Internettrend des Datenjournalismus als neue Darstellungsform stellte Thomas Mrazek, freier Medienjournalist in München und Betreiber der Plattform Onlinejournalismus.de vor. So können aus Zahlenkolonnen sehr prägnante übersichtliche Grafiken werden. Durch die Animation seien ähnlich einem Planspiel unterschiedliche Fallabfragen möglich. Am Beispiel der Aufbereitung von Handydaten zeigte Mrazek wie ein Bewegungsprofil eines Handynutzers als Karte online dargestellt werden könne. Von der herkömmlichen statistischen Berichterstattung unterscheidet sich der Datenjournalismus in der Anzahl der zu Grunde gelegten Daten und der besonderen animierten Aufbereitung. 

Siehe auch den Bericht auf der DJV-Bundesseite.

12. Januar 2012DJV Bundesvorstand

Teilnahme am Neujahrsempfang des Bundespräsidenten aus Protest abgesagt

Aus Protest gegen die "Desinformationspolitik des deutschen Staatsoberhaupts" hat der DJV-Bundesvorsitzende seine Teilnahme am heutigen Neujahrsempfang des Bundespräsidenten abgesagt. Seit Jahrzehnten nimmt der DJV traditionell am Neujahrsempfang des Bundespräsidenten teil. Eine Absage zur Teilnahme an diesen Termin fand noch nie statt.
 
  DJV Vorsitzender Michael Konken: "Der Bundespräsident ist die Antworten auf die Fragen von Journalisten und Bürgern schuldig geblieben und hat es abgelehnt, sich den Fragen der Kolleginnen und Kollegen etwa in einer Pressekonferenz zu stellen." Sein Verhältnis zu den Medien sowie zu den Journalistinnen und Journalisten sei so gestört, dass sich ein Übergang zur Tagesordnung verbiete.
   Die vor Millionen Fernsehzuschauern gemachte Zusage, 400 Fragen zu beantworten und Transparenz herzustellen, habe Christian Wulff noch nicht einmal ansatzweise eingehalten. Statt sich den Fragen der Journalisten/innen zu stellen habe der Bundespräsidenten für die Kommunikation mit ihnen ein Anwaltsbüro beauftragt, das sich hinter der anwaltlicher Verschwiegenheitspflicht verstecke. "So geht man als Präsident eines demokratischen Staates nicht mit den Medien um", erklärte Konken. Deshalb habe er sich entschlossen, nicht am heutigen Neujahrsempfang teilzunehmen.

8. Januar 2012DJV Berlin

Eingriff in die Pressefreiheit? – Nach der Kritik am Versuch kam die Entschuldigung!

Der Vorsitzende des DJV Berlin, Bernd Lammel, kritisierte erneut die wachsenden Versuche den Bildjournalismus zu knebeln. Anlass: Die Pressstelle der Senatorin für Wirtschaft und Forschung, Sybille von Obernitz (parteilos), hatte am 5. Januar, laut „Der Tagesspiegel“, die Redaktion darum gebeten, bei Veröffentlichungen ausschließlich ein von der Senatsverwaltung übersandtes Porträt-Foto der Senatorin bei Veröffentlichungen zu verwenden. Den Zusatz im Anschreiben: "Sämtliche anderen Fotos können Sie aus Ihren Archiven entfernen" bewertet der DJV Landesvorsitzende als Versuch, direkt in redaktionelle Abläufe einzugreifen.
   „Dieses Vorgehen ist bei einer Person öffentlichen Interesses bedenklich“, erklärt hierzu Bernd Lammel.  „Das Vorgehen der neuen Berliner Wirtschaftssenatorin ist leider keine Ausnahme“, betonte Lammel. Der Vorgang erinnere ihn an die Affäre um Bundespräsident Christian Wulff, zumindest gehe er in eine ähnliche Richtung. Wulff steht unter anderem in der Kritik, weil er versucht haben soll, die Veröffentlichung eines Artikels der "Bild"-Zeitung zu verhindern.
   Lammel: „Ein Pressefoto ist kein PR-Bild, sondern ein visueller Kommentar". Während bisher vor allem Künstler und Sportler darauf drängten, die "volle Kontrolle über ihre medialen Auftritte" zu erreichen, griffen zunehmend auch Politiker zu solchen Mitteln. Mit der Forderung ausschließlich ein und dasselbe Porträt-Bild zu veröffentlichen täte sich Frau von Obernitz auch kaum einen Gefallen, das werde mit der Zeit für den Zeitungsleser ziemlich langweilig.
  Nach bekanntwerden der E-Mail an den „Der Tagesspiegel“ und der daraufhin einsetzenden Kritik entschuldigte sich die Pressereferentin der Senatorin, Gina Schmelter: Die Senatorin hätte nie die Pressefreiheit einschränken wollen, sie habe nur besagtes Foto als Autogrammkarte ausgewählt und angeregt, es auch der Presse zur Verfügung zu stellen.
Siehe Berichte unter:
http://www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/2289683-1210653-berliner-djvchef-der-bildjournalismus-wi.html
http://www.taz.de/Verdacht-gegen-Wirtschaftssenatorin/!85154/
http://www.tagesspiegel.de/berlin/einflussnahme-auf-die-presse-die-verbotenen-bilder-der-senatorin/6024938.html

10. November 2011DJV Verbandstag

Ehrung für die beiden Berliner Landesvorsitzenden – Programmatische Rede der Justizministerin zur Pressfreiheit

Im Franconia-Saal des Würzburger Congress Centrum tagte vom 7. bis 9. 11. der Verbandstag des DJV Foto: G. Fromm

Der DJV-Verbandstag war geprägt durch die Kritik am Gewinnstreben der Verleger, das die Pressefreiheit auszuhöhlen drohe, von einem eindrucksvollen Bekenntnis der Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger zur Pressefreiheit, ihrer Zurückweisung jeglicher Versuche Journalisten/innen in ihrer Arbeit zu behindern.
Mit ihrer Rede vor den 297 Delegierten/innen unterstützte sie ausdrücklich die Forderung des DJV zur Stärkung des Informantenschutzes. Danach stellte sie sich mehr als eine Stunde lang den kritischen Fragen und Kommentaren der Kongressteilnehmer.
Zu Beginn des Verbandstages ehrte der DJV-Vorsitzende die nicht mehr zu ihrer Wiederwahl angetretenen  Vorsitzenden der Berliner DJV-Landesverbände, Dr. Peter Pistorius (DJV Berlin) und Gerhard Kothy (JVBB) für ihr unermüdliches bemühen die beiden Landesverbände wieder zusammenzuführen, sowie den ehemaligen Landesvorsitzenden Wolfgang Marr für seine Arbeit beim Aufbau des DJV-Landeverbandes Thüringen nach der Wende.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat auf dem Verbandstag des DJV in Würzburg einen stärkeren Einsatz der Politik für die freie Presse gefordert und betonte die wichtige Rolle der Medien bei der Aufdeckung von Skandalen: „Der Staat darf nicht einmal den Eindruck erwecken, Journalisten von kritischer Recherche abhalten zu wollen." Sie setzte sich dabei für den von ihrem Ministeriums erarbeiteten Gesetzentwurf zur Stärkung der Pressefreiheit ein. Nur so seien Durchsuchungen und Beschlagnahmen bei Journalisten auf Dauer zu verhindern. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass die Koalition im kommenden Frühjahr diesem Gesetzentwurf aus ihrem Ministerium zustimmen werde. Eine klare Absage erteilte sie hingegen gesetzlich verordneten Netzsperren. Die Justizministerin wiederholte in Würzburg ihre Kritik an einer anlasslosen Vorratsdatenspeicherung.
Wiedergewählt wurden Michael Konken (Vorsitzender) aus Niedersachsen, Ulrike Kaiser (1. Stellv. Vors.) aus Nordrhein-Westfalen, Michael Anger (2. Stellv. Vors.) aus Bayern, Frank Überall (Schatzmeister) aus Nordrhein-Westfalen, Beisitzer/in: Kathrin Konyen (Baden-Württemberg), Wolfgang Grebenhof (Bayern), Peter Jensen (Hamburg).
Weitere Themen des Verbandstages: Verbesserungen und Klarstellungen beim Urheberrecht zu Gunsten von Fotografen und Autoren, Kritik am Profitstreben der Verleger auf Kosten der journalistischen Qualität und zu Lasten der Lebensqualität der Journalisten/innen, Tarifpolitik, europäische Pressepolitik, Krise der Medien. Mehr unter >>> www.djv.de    

 

3. November 2011JVBB Berliner Journalistenpreis

Die Preisträger von "Der lange Atem": Nadja Klinger (Der Tagesspiegel), Yassin Musharbash (Spiegel online), Ulrich Wangemann (MAZ)

Nadja Klinger
Y. Musharbash
U. Wangemann

   Am Donnerstagabend verlieh der JVBB den Berliner Journalistenpreis „Der lange Atem" für beharrliche Berichterstattung. Die Preisträger/in: Nadja Klinger, Yassin Musharbash, Ulrich Wangemann. Der Journalistenpreis, vom JVBB ausgeschrieben, wurde zum fünften Mal verliehen.
   Voraussetzungen für eine Nominierung: Bewerberinnen und Bewerber sollten in der Hauptstadtregion arbeiten und sich über einen längeren Zeitraum besonders intensiv mit dem gleichen Thema beschäftigt haben, mit einem Thema von gesellschaftlicher Bedeutung, das Diskussionen auslöst. 
   Nadja Klinger, freie Journalistin beim Tagesspiegel, erhielt den mit 3.000,- € dotierten 1. Preis für ihre Arbeit über „Wahre Armut in Deutschland“, Yassin Musharbash von Spiegel Online den 2. Preis (2.000,- €) zum Thema: Dschihadistischer Terror und Islamdebatte. Der  3. Preis (1.000,- €) ging an Ulrich Wangemann von der Märkischen Allgemeinen für sein Thema: Fördermittelbetrug beim Ressort Schwielowsee. Mit dem Preis ehrt der Journalistenverband Berlin-Brandenburg im DJV Journalistinnen und Journalisten, die sich mit Mut, Sorgfalt und Beharrlichkeit einem gesellschaftlich relevanten Thema widmen und es engagiert in die Öffentlichkeit tragen. Fotos: JVBB

2. November 2011Tarifverhandlungen Zeitschriften

Nach 19 Monaten Pause wird wieder in Berlin verhandelt

   Über anderthalb Jahre nach der letzten Tarifverhandlung für die rund 9.000 Redakteure/innen an Zeitschriften werden die Gespräche über neue Tarifverträge jetzt in Berlin fortgeführt. Am Donnerstag, 3. November 2011, findet die fünfte Verhandlungsrunde für die Zeitschriftenjournalisten/innen, um 14.00 Uhr im Hilton Hotel, Mohrenstraße 30 in 10117 Berlin statt.
   Die Tarifverhandlungen mit dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) waren im April 2010 nach der vierten Verhandlungsrunde ergebnislos vertagt worden.
   Der Deutsche Journalisten-Verband geht in die Verhandlungsrunde mit dem VDZ in der Erwartung, dass der Manteltarifvertrag unverändert wieder in Kraft gesetzt und Gehälter und Honorare der Zeitschriftenjournalisten/innen in Anlehnung an das vor kurzem erzielte Tarifergebnis für Tageszeitungsjournalisten/innen erhöht werden.
   "Das entspricht der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Branche", erklärte DJV-Verhandlungsführer Kajo Döhring. Der Tarifabschluss für die Tageszeitungen vom August 2011 sieht Einmalzahlungen in den Jahren 2011 und 2013 sowie eine lineare Gehaltserhöhung im kommenden Jahr in Höhe von 1,5 Prozent vor. Nach Auffassung des DJV sollte dies in der morgigen Tarifrunde mit den Zeitschriftenverlegern die Messlatte sein. Im April 2010 hatte der VDZ von DJV und ver.di materielle Zugeständnisse verlangt. Dazu waren die Gewerkschaften nicht bereit gewesen.

20. Oktober 2011Märkische Allgemeine Zeitug:

Zwei Prozent mehr Gehalt und Einmalzahlung von 500,- € für alle

   Die Redakteure, Drucker und Verlagsangestellten der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) erhalten ab dem 1. März 2012 zwei Prozent mehr Gehalt, außerdem eine Einmalzahlung von 500,- €. Das ist das Ergebnis der Tarifverhandlung am 19. Oktober. zwischen den Gewerkschaften und der Geschäftsleitung.
   Das Ergebnis entspricht der ursprünglichen Forderung der Gewerkschaften vom August nach einer zwei-prozentigen Gehaltserhöhung. Mit diesem Ergebnis verringert sich der Abstand gegenüber dem Flächentarifvertrag auf Bundesebene, der sieht eine Einmalzahlung von nur 200.- € und die Erhöhung der Gehälter um 1,5 anstatt 2 Prozent vor.
   Noch im August hatte die Verlagsleitung jegliche Erhöhung der Gehälter mit der Begründung abgelehnt, dies würde Arbeitsplätze gefährden. Am Verhandlungstag unterstrichen traten rund 50 Beschäftigte - Redakteure, Verlagsangestellte und Drucker - vor dem Verlagsgebäude in Potsdam in einen einstündigen Warnstreik ihre Forderung. An dem Streik beteiligten sich auch Außen-Lokalredaktionen in der Region.

11. Oktober 2011Sechstes Herbstforum der Initiative Qualität:

Qualität im Blick - Medienkritiker und Ombudsleute

  Die Qualität des Journalismus hängt wesentlich davon ab, wie kritisch die Medien sich selbst betrachten, wie transparent sie die eigene Branche darstellen und wie sie öffentlich mit Kritik umgehen. Beim Sechsten Herbstforum der Initiative Qualität im Journalismus (IQ) loteten Wissenschaftler und Journalisten am 10. Oktober in Berlin die Potenziale von Medienkritik und Medien(selbst)kontrolle aus.
   Am Rande der Veranstaltung gründeten Leseranwälte und Ombudsleute deutscher Zeitungsverlage eine Arbeitsgemeinschaft, in der Erfahrungen ausgetauscht und neue Modelle entwickelt werden sollen, um Plattformen und Verfahren für den Umgang mit Leserbeschwerden zu schaffen.
   Willi Steul betonte als Intendant des Deutschlandradios in einem Grußwort, wie wichtig die kontinuierliche Qualitätssicherung für den Journalismus ist. Dabei komme auch der Medienkritik eine wichtige Funktion zu. Bei einer Panel-Diskussion gaben Medienfachjournalisten Einblicke in ihre tägliche Arbeit. Dabei schilderten sie, ihr wichtigstes Ziel sei es, das Mediengeschehen transparent abzubilden und dass eine kontinuierliche und gründliche Analyse der Branche angesichts sinkender Etats und schrumpfender Redaktionen immer schwerer falle.
   Ulrike Simon, die für die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau schreibt, kritisierte, manchmal würden Medienseiten oder -magazine auch instrumentalisiert, um für eigene medienpolitische Ziele zu kämpfen. Als Beispiel dafür nannten die Fachjournalisten bei der Expertendiskussion Themen wie Rundfunkgebühren, Tagesschau-App oder auch der Verflechtung großer Medienkonzerne.
   Tobias Eberwein, der sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik der TU Dortmund mit dem Thema Medienkritik beschäftigt, erklärte, vor allem das Internet könne sich als wertvolle Aufklärungsplattform in Medienfragen erweisen. In vielen Fällen fehle es aber noch an geeigneten Angeboten, die zum Korrektiv werden könnten, wenn die Branche zu wenig oder verzerrt über sich selbst informiere.
   Wie zeitgemäßer Journalismus in Zeiten von Web 2.0 und Online-Communities aussehen kann, zeigten in Berlin Céline Lauer und Silke Mülherr. Beide entwickelten in der Axel-Springer-Akademie Ideen und Konzepte, die beweisen, dass crossmediale Aufbereitung die journalistische Qualität verbessern kann. So zeigte etwa die Jungredakteurin Céline Lauer Beispiele für digitales Storytelling. Dabei werden Texte im Internet um Bild- und Audio-Elemente angereichert. Hinzu kommen interaktive Grafiken und Flash-Animationen ("Gamification").
   Silke Mülherr, die bei der Axel-Springer-Akademie als Volontärin arbeitet, stellte ein Online-Projekt vor, bei dem während der Fußballweltmeisterschaft 2011 Reportagen und Berichte allein auf der Grundlage öffentlich zugänglicher Social-Media-Quellen erstellt worden waren. Twitter oder Facebook böten meist schneller vielfältigeres Material als dies andere Quellen könnten. Hinzu kämen geringe Kontaktkosten und ein große Transparenz durch Interaktionsmöglichkeiten - Social Media als wertvolle Ergänzung zu klassischen Quellen.
   Wichtig für die journalistische Qualitätssicherung seien auch Kontaktstellen zwischen Publikum und Redaktionen. So haben inzwischen etwa zwölf deutsche Tageszeitungen sogenannte Leseranwälte oder Ombudsleute eingeführt. Dabei handelt es sich um Mitarbeiter oder externe Experten, die sich mit Leserbeschwerden auseinandersetzen oder die Inhalte der eigenen Zeitung von sich aus kritisch überprüfen. Ihr Aufgabenspektrum reicht vom Leser-Service über den Leser-Anwalt bis zum Schiedsrichter in rechtlichen Fragen.
   Kerstin Dolde, die in ähnlicher Funktion bei der Frankenpost in Hof arbeitet, betonte, es gehe vor allem darum, den Kontakt zu den Lesern nicht zu verlieren. Dies sei umso wichtiger in Zeiten, in denen viele Lokalredaktionen geschlossen würden. Die am Rande der Veranstaltung gegründete neue Arbeitsgemeinschaft deutscher Presse-Ombudsleute will gemeinsame Standards entwickeln. Christian Höppner, der als Generalsekretär des Deutschen Musikrates den RTL-Programmausschuss leitet, befürwortete einen Zusammenschluss der Ombudsleute. Allerdings sei eine Ombudsstelle bei RTL derzeit nicht denkbar.
Dr. Matthias Kurp

Demnächst wird eine Dokumentation des Fünften IQ-Herbstforums  unter www.initiative-qualitaet.de veröffentlicht. - Die Initiative Qualität im Journalismus (IQ) ist ein Zusammenschluss von Berufsverbänden wie DJV, dju und BDZV, Presserat, Bildungsinstitutionen, Kontrollgremien, Wissenschaftlern und Vereinigungen der Medienbranche.

25. September 2011Hauptversammlung:

Neuer Vorstand gewählt - Bekenntnis zur Fusion mit dem JVBB

Dr. Pistorius gratuliert Beate F. Neumann zu ihrer Wahl. Foto: Jurisch

Die Mitgliederversammlung des DJV Berlin am 24. September  bekräftigte ihr Bekenntnis zu einer Fusion mit dem JVBB. Zum Vorsitzenden wurde der Fotojournalist Bernd Lammel (bisher 2. Vorsitzender) gewählt, zur Stellvertreterin die Rundfunk- und Dokumentar-Journalistin Beate F. Neumann, der bisherige 1. Vorsitzende, Dr. Peter Pistorius, zum Ehrenmitglied.
Als Gäste begrüßte die Versammlung die stellvertretende Bundesvorsitzende des DJV, Ulrike Kaiser und den Landesvorsitzenden des JVBB Alexander Fritsch. Fritsch betonte in seinem Grußwort: „Wir müssen möglichst bald organisatorisch zusammenkommen“.
Gleichzeitig legte die Mitgliederversammlung ein eindeutiges Votum zur Fusion mit dem JVBB ab. Sie beauftragte den Vorstand umgehend Verhandlungen aufzunehmen, um „die Fusion der beiden Verbände voranzubringen und möglichst bald zu verwirklichen“. 
Wiedergewählt wurden in den Vorstand: Gabriele Fromm als Schatzmeisterin (bei zwei Enthaltungen), Renate Thiemann als Schriftführerin (einstimmig), Dr. Wolf Siegert als Beisitzer (sieben Enthaltungen). Neue Mitglieder im siebenköpfigen Vorstand neben Beate F. Neumann ( 2. Vorsitzende) als Beisitzer: Thomas Leidel und Jens Schrader.
Außerdem wurden die Mitglieder des Aufnahmeausschusses, die Mitglieder des Ehrengerichtes und die Delegierten für den DJV Verbandstag gewählt.

Nachrichten

3. September 2011

Historischer Spaziergang durch das alte und neue Berliner Zeitungsviertel

Ein "Pimmel" ziert das taz-Haus, Bush, Kohl und Gorbatschow das Springerhaus Fotos: K.K

   Ausgebucht war am 3. September der gemeinsame Stadtspaziergang von Mitgliedern des DJV Berlin und des JVBB durch das historische Zeitungsviertel Berlins mit Bezug zu den aktuellen Stadtbildveränderungen zwischen Axel-Springer-Straße und Askanischer Platz.
   Vom ehemaligen Mosse-Haus Jerusalemer Ecke Schützenstraße, vorbei an den modernen Bauten von Springer und taz in der Kochstraße und an der ehemaligen Adresse der Redaktion von „Der Angriff“ in der Wilhelmstraße – heute Hinweistafel an der Gedenkstätte „Topographie des Terrors“, -mit einem Abstecher am ehemaligen Sitz der Ost-CDU Zeitung „Union“ in der Zimmerstraße – endete nach etwa vier 1/2 Stunden der historische Streifzug mit einem Besuch und einer Gesprächsrunde im neuen Haus  des „Der Tagesspiegel“ am Askanischen Platz mit Gerd Nowakowski, leitender Redakteur für Lokales.
   Organisiert hatte diese gemeinsame Informationsveranstaltung der beiden DJV Landesverbände der Kulturjournalist, Berlin-Buchautor und Stadtführer Michael Bienert, der auch die erläuternden Erklärungen zu historischen Geschehnissen und zu heutigen Entwicklungen in diesem Viertel gab. Aber: Wie kann es bei Journalisten anders sein?, ergänzt wurden seine Erläuterungen häufig durch Hinweise aus dem Kollegenkreis. Besonderes  Hinteresse fand sein Hinweis auf die künstlerische Gestaltung der Seitenwand des taz-Hauses mit der satyrischen Darstellung des Chefredakteurs vom "BILD", der übrigens auch genossenschaftliche Teilhaber an der "taz" ist.
  Hinweis für Interessierte: Am 10. September veranstaltet „Der Tagesspiegel“ einen Tag der offenen Tür, zu dem auch Kolleginnen und Kollegen willkommen sind.

 

18. August 2011

Eröffnung der neuen Geschäftsstelle des DJV Berlin - Dank an Carola Hollfelder

   Am Donnerstagabend wurde die Geschäftstelle des DJV Berlin in der Taubenstrasse offiziell eröffnet. Verbunden war die Eröffnung mit der Ehrung von Mitgliedern des DJV Berlin für ihre langjährige Mitgliedschaft und einer Ausstellung preisgekrönter Fotos des Wettbewerbes PresseFoto Hessen-Thüringen, die Anita Grasse, Vorsitzende des DJV Thüringen, erläuterte.
  
Unter großem Beifall stimmten die Anwesenden, darunter auch Vertreter des JVBB, der Forderung von Wilfrid Zierke zu, wieder die Einheit der Journalistinnen und Journalisten in einem starken Berliner Verband zu verwirklichen. Wilfried Zierke wurde für seine 60jährige Mitgliedschaft geehrt.
   Der Vorsitzende des DJV Berlin, Dr. Peter Pistorius betonte in seinem Grußwort wie auch Alexander Fritsch, Vorsitzender des JVBB, die Notwendigkeit diese Einheit möglichst bald zu verwirklichen. Fritsch: ,,Wir freue uns auf einen neuen Anlauf. Was wir tun wollen, können wir tun. Am Namen des fusionierten Verbandes soll es nicht scheitern."
   Einen besonderen Dank für ihre unermüdliche Mitarbeit in der Geschäftsstelle erhielt Carola Hollfelder. Seit zehn Jahren betreut sie die Mitglieder des DJV Berlin.

Geehrt wurden an diesem Abend
(Dauer der Mitgliedschaft in Klammern):
Baer, Volker (50); Bauer, Renate (25) Jahre; Bellack, Martina; (25); Bergmann, Eberhard (50); Brinkmann, Dr. Karl-Heinz (50); Degner, Helmu (25); Dunk, Oliver (25); Grohmann, Hans-Joachim (50); Hampel, Harry (25) Klein, Thomas (25); Laabs, Karl-Heinz (25); Ladewig, Udo (25); Müller-Möhlis, Helga (25); Richter, Erich (50); Schroeder, Wolfram (25); Schulz, Joachim (25); Siegert, Dr. phil. Wolf (25); Zierke, Wilfried (60).

15. August 2011

Journalistinnen und Journalisten segelten für krebskranke Kinder

Beim dritten Rennen lag das Boot vom Magazin NITRO zeitweise vor dem Tagesspiegel-Team. Sieger wurde schließlich das eingespielte Team vom "Der Tagesspiegel".
Das Boot des DJV Berlin kam mit Daniel Hires (Online-Journalist), „Skipper“ Günter Linke (Bildjournalist ) und Dr. Carola Dorner (Freie/Print) auf den sechsten Platz. Fotos: B.L.

   Zum Ausklang der Sommerferien  wurde am 13. August 2011 zum ersten Mal der Medien-Segel-Cup Berlin-Brandenburg  auf dem Wolziger See bei Kolberg ausgetragen.  Der Reinerlös des Wettbewerbes ist für die "Björn Schulz Stiftung" bestimmt. Sieger wurde das eingespielte Team vom „Der Tagesspiegel“, den 2.Platz ersegelte sich  das Bootsjournal der „Zweiten Hand“, das Medienmagazins „NITRO“, mit DJV Mitglied Beate F. Neumann an Bord, den 3. Platz . Gesegelt auf holländischen "Valk"-Jollen.
   Teilnahmeberechtigt an dem Segelwettbewerb waren Medienvertreter aus Berlin und Brandenburg von Print, Hörfunk und TV. Alle Teilnehmer hatten nicht nur ihren Spaß am Segeln, die meisten waren Amateure,  sondern sie waren sich auch einig, dass der Medien-Segel-Cup Berlin-Brandenburg auch im nächsten Jahr wieder stattfinden „muss“. Sie dankten Frauke Frodel (Mitglied des DJV Berlin), für die Idee zu dieser  Veranstaltung der „Björn Schulz Stiftung“ gemeinsam mit der "Teamgeist GmbH" aus Kolberg (Heidesee).
   Die „Björn Schulz Stiftung“ hilft bundesweit Familien mit krebs- und chronisch kranken sowie schwerst- und unheilbar kranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 0 bis 35 Jahren.

1. August 2011

Nach Streik im Rheinland jetzt auch in Westfalen

   Auf das Rheinland folgt Westfalen: Seit heute früh sind die Journalisten/innen mehrerer Zeitungen in Westfalen zum Streik aufgerufen: Haller Kreisblatt, Lippische Landes-Zeitung, Neue Westfälische, Westfalenblatt, Herforder Kreisblatt, Westfälisches Volksblatt und Panorama. Die Kollegen vom Mindener Tageblatt und vom Vlothoer Anzeiger stoßen am morgigen Dienstag dazu. 
   Bereits am Freitag verkündeten mehr als 100 Redakteure/innen, Pauschalisten/innen und Freie im Kölner Stadtgarten auf einer Streikversammlung: „Zeitungsgruppe Köln – Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau, Express - Wir streiken”. 
    DJV und ver.di haben die Journalisten der Kölner Zeitungen aus dem Verlagshaus M. DuMont Schauberg (MDS) am Freitag zu einem fünftägigen Streik aufgerufen, um die Forderungen nach fairen Tarifverträgen zu unterstützen. Vor allem wenden sich die Streikenden gegen die von den Verlegern geforderten Abstriche und gegen einen Dumping-Tarifvertrag für Berufseinsteiger und bei Redaktionswechsel.

25. Juli 2011

Streikversammlungen in Stuttgart, Mannheim, Heilbronn und Ulm – Der Stellvertretende Ministerpräsident Schmid stellt sich hinter die Journalisten/innen

   Auf der Streikversammlung im Stuttgarter DGB-Haus am 15. Juli von 400 Journalisten/innen aus Baden-Württemberg  unterstütze Nils Schmid, stellvertretender Ministerpräsident sowie Wirtschafts- und Finanzminister von Baden-Württemberg, ihre Forderungen für einen fairen Tarifvertrag.
   In seiner 20-minütigen Rede legte der Sozialdemokrat nicht nur ein Bekenntnis zur Bedeutung der Pressefreiheit für die Demokratie ab, sondern betonte auch den engen Zusammenhang zwischen dem Wert des Journalismus und den Einkünften der Journalisten: „Gute Bezahlung muss es auch in Redaktionsstuben geben!“
   Zu der Streikversammlung waren nicht nur Stuttgarter Journalisten gekommen. Die Redakteure/innen der Fränkischen Nachrichten waren ebenso vertreten wie ihre Kollegen/innen von der Heilbronner Stimme oder der Südwestpresse, um nur einige wenige Titel zu nennen.  
   Nicht nur in der Landeshauptstadt Stuttgart, auch in anderen Städten Baden-Württembergs informieren Journalistinnen und Journalisten die Bürger über den Streik in den Zeitungsredaktionen. Die Journalisten aus dem Südwesten haben den Einschnitten in das Tarifniveau eine klare Absage erteilt, wie sie die Zeitungsverleger gegenüber DJV und ver.di gefordert haben. Dazu gehört auch der Dumping-Tarifvertrag für Berufseinsteiger, der ein Minus von 30 Prozent bedeuten würde. 
   So etwa in Heilbronn am Freitag. In zahlreichen Gesprächen haben Volontäre/innen und Redakteure/innen Passanten und Lesern ihre Sicht der Dinge dargelegt. Die Reaktionen waren überwiegend positiv. Die Heilbronner sind sich bewusst, dass es Qualitätsjournalismus auch weiterhin nur dann geben kann, wenn der journalistische Nachwuchs fair bezahlt wird. Angesichts der bereits hohen Arbeitsbelastung in den Redaktionen äußerten die Heilbronner ihr Unverständnis gegenüber den Forderungen der Verleger nach weiteren Kürzungen.
   Auch in Mannheim gingen die Journalisten/innen des Mannheimer Morgen erneut auf die Straße. Mit einer „Gläsernen Redaktionskonferenz“ auf dem Marktplatz in der Mannheimer Innenstadt informierten Redakteure, Volontäre und freie Mitarbeiter, insgesamt rund 60 Kollegen/innen, die Bürgerschaft über die laufenden Tarifverhandlungen. Dabei wiesen sie mit Nachdruck die Forderungen der Arbeitgeber nach einer Absenkung der bestehenden sowie der Tarife für nachkommende Generationen von Redakteuren/innen um bis zu 30 Prozent als unverschämt, indiskutabel und mit nichts zu begründen zurück.
Details rund um die Tarifsituation sowie aus dem Redakteursalltag erfuhren die Passanten aus der am Vortag von jungen Kollegen/innen und Volontären/innen erstellten Streikzeitung „Streik-Morgen“. Mehr als 1300 Exemplare waren innerhalb der vierstündigen Aktion restlos vergriffen.
   Rund 50 Redakteure/innen der Südwest Presse Ulm und der Neuen Württembergischen Zeitung Göppingen haben in ihrer Streikversammlung, ebenfalls am Freitag, „Sieben Ulmer Thesen“ formuliert:
► Die Zeitung hat eine gesellschaftspolitische Funktion. Als vierte Gewalt nimmt sie eine wichtige Aufgabe wahr.
► Deshalb hat die junge Demokratie nach dem Krieg den Zeitungsverlegern wirtschaftliche Privilegien eingeräumt – auch um sie in die Lage zu versetzen, gut ausgebildete Redakteure so angemessen zu bezahlen, dass sie unabhängig berichten können.
► Diesen Auftrag haben viele der heutigen Verlagsmanager vergessen. Mit ihren unanständigen Forderungen in den Tarifverhandlungen demontieren sie den Berufsstand schon heute. „Verhandelt“ wird seit Jahren nur über Verschlechterungen.
► Diese Manager wollen die künftige Redakteursgeneration noch wesentlich schlechter bezahlen und deren Arbeitsbedingungen drastisch verschlechtern.
► Für gut ausgebildete, unabhängige junge Leute wird der Beruf nicht mehr attraktiv sein. Journalisten zweiter Wahl können den Auftrag, über den Rechtsstaat zu wachen, nicht mehr erfüllen.
► Wir streiken, um eine RTL2-Zukunft der Zeitungen zu verhindern.

18. Juli 2011

Berliner Zeitung: Protest gegen ein „Zwei-Klassen-System“ in der Redaktion – Redakteure/innen fordern „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“

   In einem einstimmig verabschiedeten Offenen Brief fordern die Redakteure und Redakteurinnen der Berliner Zeitung von Aufsichtsrat und Vorstand der Unternehmensgruppe M. DuMont Schauberg sowie der Chefradaktion der Berliner Zeitung die Umsetzung des Prinzips „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ am Standort Berlin.  Der DJV Berlin und der JVBB unterstützen diese Forderung.
   „Ausgerechnet die beiden Präsidenten des Verlegerverbandes wollen in ihrer Verlagsgruppe ein Zwei-Klassen-System für Journalisten und Journalistinnen einführen", kritisiert  Dr. Pistorius, Landesvorsitzender des DJV Berlin, das Vorhaben der Du Mont-Verlagsgruppe.
   Hintergrund: Derzeit werden vom Verlag  die Voraussetzungen für die gemeinsame Produktion von Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau geschaffen. Hierfür  werden für die künftige gemeinsame Produktion von Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau in Berlin  Redakteurinnen und Redakteure eingestellt. Sie sollen in einer ausgelagerten Gesellschaft, der „DuMont  Redaktionsgemeinschaft“, angestellt und nicht nach Tarif bezahlt werden.
   Dabei handelt es ich zum einen um Journalisten/innen, die schon in Berlin volontiert haben oder seit Jahren für die Berliner Zeitung arbeiten, zum anderen um Kollegen, die aus Frankfurt kommen und dort seit langem mit einer ähnlichen Praxis unterschiedlicher Bezahlung und mangelnder Tarifbindung konfrontiert sind.
   „Mit der Schaffung der DuMont Redaktionsgemeinschaft wurde diese Art Zweigehaltsklassengesellschaft leider auch in Berlin eingeführt – gegen den Protest von Redaktion und Betriebsrat. Durch die neuen Pläne im Zusammenhang mit der Verlagerung der Produktion der Frankfurter Rundschau nach Berlin, wird das Prinzip ,gleicher Lohn‘ für gleiche Arbeit“ noch weiter untergraben“, stellen die Redakteure/innen fest. Sie fordern die Übernahme der für die Produktion zusätzlich nötigen Redakteure/innen und Layouter/innen als Angestellte in den Berliner Verlag, da die Produktion beider Zeitungen nicht mehr getrennt voneinander stattfinden, sondern in Händen derselben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegen soll, ist eine unterschiedliche Bezahlung inakzeptabel und geeignet, den Betriebsfrieden zu stören.
   In dem offenen Brief heißt es: „Im gültigen Redaktionsstatut der Berliner Zeitung, das künftig für den gesamten redaktionellen Bereich in Berlin gelten soll, ist ausdrücklich von einer Vollredaktion die Rede sowie vom Ziel auch des Verlags, das Qualitätsniveau zu steigern oder mindestens zu halten. Wir verlangen heute, dass auch die neu anzustellenden Kolleginnen und Kollegen gleichbehandelt werden. Das wird der Qualität der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau gleichermaßen zugute kommen.

13. Juli 2011

Große DJV-Tarifkommission macht den Weg für Urabstimmung bei Tageszeitungen frei

   Der DJV-Gesamtvorstand als Große Tarifkommission des Deutschen Journalisten-Verbandes hat am 12. Juli mit großer Mehrheit den Weg zur Einleitung der Urabstimmung im Bereich der Tageszeitungen frei gemacht. Der siebenköpfige DJV-Bundesvorstand soll nach dem Kasseler Beschluss entscheiden, wann die Urabstimmung in welchen Verlagen durchgeführt wird. Mit Blick auf die Urlaubszeit soll sie zeitlich und regional gestaffelt werden.
   In der Urabstimmung entscheiden die Redakteure über Arbeitskampfmaßnahmen an Zeitungsverlagen. Hintergrund sind die seit einem Jahr andauernden Tarifverhandlungen mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, der massive Einschnitte in das Tarifniveau fordert. "Die Verhandlungen haben zwar Fortschritte gebracht", resümierte DJV-Verhandlungsführer Kajo Döhring, "aber wir sind von einem Abschluss noch weit entfernt." Es sei daher notwendig, nach der Welle der Warnstreiks in zahlreichen Regionen mit der Urabstimmung den Weg zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen zu ebnen.
   Die Große Tarifkommission des DJV hat in der mehrstündigen Sitzung erneut bekräftigt, dass sie am Ziel der Flächentarifverträge auf dem bisherigen Niveau für die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen festhalte. "Die Bezahlung und die tariflichen Leistungen für die Zeitungsjournalisten sollen weiterhin einheitlich in ganz Deutschland sein", sagte Döhring. Zur Durchsetzung der berechtigten Tarifforderungen in der Fläche könne es hilfreich sein auszuloten, ob ein regionales Tarifwerk denkbar und als Vorbild für die Fläche geeignet sei.

16. Juni 2011

Verleger bleiben weiter stur! – Sie wollen nur auf Kosten der Redkteure/innen sparen

   Ohne greifbare Fortschritte ging am Mittwoch (15. Juni 2011) in Düsseldorf die fünfte Runde der Tarifverhandlungen zwischen den Gewerkschaften DJV und ver.di mit dem Verlegerverband BDZV zu Ende. "Von einer Einigung mit den Zeitungsverlegern sind wir noch weit entfernt", resümierte DJV-Verhandlungsführer Kajo Döhring. Die Tarifverhandlungen sollen am 29. Juni in Berlin fortgeführt werden. Über die fünfte Verhandlungsrunde wird der DJV-Gesamtvorstand als Große Tarifkommission am 20. Juni in Hannover beraten.
   Die Zeitungsverleger waren nicht zu klaren Aussagen bereit, ob sie von ihren Forderungen nach massiven Tarifverschlechterungen für die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen abweichen würden. Nach ihren Vorstellungen sollen Verlage in wirtschaftlichen Schwierigkeiten künftig - gegen die Zusicherung auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten - Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu einem Gehalt zusammenfassen können. Eine Einsichtnahme des Betriebsrats oder der Gewerkschaften in die Bilanz des Verlags solle bei dem Verlegermodell nicht vorgeschrieben sein.
   Gehalts-, Mantel- und Altersvorsorgetarifvertrag sollen unverändert für den Zeitraum von drei Jahren fortbestehen. Über den vom BDZV bisher vehement geforderten Dumping-Tarifvertrag für Berufseinsteiger wurde nicht verhandelt."Es kann nicht sein, dass Verleger nach Gutdünken wirtschaftliche Schwierigkeiten ausrufen, um so das Urlaubsgeld einzusparen. Eine solche Abweichung von den Tarifverträgen ist nur bei tatsächlich nachgewiesenen Problemen einzelner Häuser akzeptabel", kritisierte Kajo Döhring den BDZV-Vorschlag.
   Begleitet wurde die Düsseldorfer Tarifrunde von einer Protestaktion von rund 30 Redakteurinnen und Redakteuren mehrerer Zeitungen aus Ostwestfalen-Lippe. Sie waren nach Düsseldorf angereist, um ihre Kritik an der Haltung der Verleger deutlich zu machen, die nach ihrer Ansicht den "Ausverkauf der Demokratie" betreiben.

25. Mai 2011

Journalisten und Drucker demonstrierten gemeinsam in Berlin - Für den DJV sprachen Alexander Fritsch (JVBB) und Klaus Kundt (DJV Berlin)

Vor dem Haus des BDZV in der Markgrafenstraße. Foto: Gabi Fromm

   Er hat historische Bedeutung, der gemeinsame Demonstrationszug von Druckern und Journalisten durch das traditionelle Berliner Zeitungsviertel am heutigen 25. Mai: Zum ersten Mal nach dem Scheitern der Weimarer Republik zogen wieder Drucker protestierend durch die Kochstraße, und: Zum ersten Mal überhaupt protestierten auf diese Weise Drucker und Journalisten gemeinsam im Berliner Zeitungsviertel gegen die berufszerstörende Tarifpolitik der Verleger.
   Aufgerufen zu dieser Protestaktion hatten ver.di, der DJV Berlin und der Journalistenverband Berlin Brandenburg (JVBB). Anlass: Die Forderungen der Arbeitgeber die darauf zielen die Einkommen zu senken. So sollen nach dem Willen der Verleger das Urlaubs- und Weihnachtsgeld bei Redakteuren verringert werden und Neueinsteiger in den journalistischen Beruf nicht nur länger arbeiten, sondern dafür auch noch weniger verdienen - die Verleger fordern Einbußen von insgesamt gut 30 Prozent! 
   Seit heute früh, 25. Mai 2011, 6.30 Uhr, befinden sich die Beschäftigten der Bundesdruckerei und der Axel-Springer-Druckerei in Spandau im Warnstreik. Gleichzeitig sind seit 9.00 Uhr auch die die Redakteure und Angestellten des Berliner Verlages im Ausstand. 
   Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Berliner Verlages, Karl-Liebknecht-Straße, schlossen sich um 10.00 Uhr dem Demonstrationszug von der Bundesdruckerei in der Kreuzberger Kommandantenstraße zum Haus der Deutschen Zeitungsverleger in der Markgrafenstraße an. Am Axel-Springer-Hochhaus in der Kochstraße stießen Drucker und Redakteure des Springer-Verlages hinzu. Während der Demonstration wurden der Straßenverkehr und die Buslinien durch die Koch- und Markgrafenstraße umgeleitet. Gegen 10.30 Uhr trafen die 500 protestierenden Journalisten und Drucker vor dem Sitz des BDZV ein und gegen 11.30 Uhr endete die Demonstration dann wieder an der Bundesdruckerei.
   Für den DJV erklärten sich Klaus Kundt, DJV Berlin – auf der Kundgebung vor dem Haus des BDZV - und Alexander Fritsch, Vorsitzender des JVBB - auf der Schlusskundgebung -  bei ihren Ansprachen mit den Druckern solidarisch und wiesen auf die negativen Auswirkungen der Vorstellungen der Verleger auf die Zukunft des Zeitungswesen, auf die künftige Qualität der journalistischen Arbeit und auch auf die damit verbundenen negativen Folgen für die Gesellschaft hin.

23. Mai 2011Offener Brief an die Mitglieder im DGB:

Aktion für Tarifpluralität - Grundrechte der Arbeitnehmer gemeinsam verteidigen!

   DJV, Marburger Bund, GDL und Cockpit haben heute in Berlin gemeinsam eine Initiative von DGB und Arbeitgeberverbände (BDA) abgelehnt, nach der es in jedem Betrieb nur noch eine Gewerkschaft geben soll, die Tarifverträge aushandeln darf. Vor einigen Monaten hatten DGB und BDA die Bundesregierung zu einem entsprechenden Gesetz  aufgefordert, das die jeweils stärkste Gewerkschaft in einem Unternehmen zum ausschließlichen Tarifvertragspartner der Arbeitgeber machen soll.
   Aus Sicht der Berufsgewerkschaften, zu denen neben dem DJV unter anderem der Marburger Bund, die Lokführergewerkschaft GDL und die Pilotenvereinigung Cockpit gehören, würde damit die Tarifpluralität abgeschafft. In einem offenen Brief an die Mitglieder der DGB-Gewerkschaften haben sie sich deshalb am heutigen Montag dafür ausgesprochen, die Grundrechte von Arbeitnehmern gemeinsam zu verteidigen. Für den DJV ist das Thema aktueller denn je: Gerade die laufende Tarifauseinandersetzung mit den Zeitungsverlegern zeigt die Vorteile von Tarifpluralität. 
   „Die Freiheit, Gewerkschaften zu bilden und im Konfliktfall auch streiken zu können, haben Gewerkschafter in langen Auseinandersetzungen gegen den heftigen Widerstand der Unternehmer durchgesetzt. Die Koalitionsfreiheit und das Streikrecht werden nun erneut attackiert“, heißt es in dem Schreiben. 
   Gerade die aktuellen Tarifauseinandersetzungen mit den Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern, die die Gewerkschaften DJV und ver.di gemeinsam führen, machen eines deutlich: In den Zeitungsverlagen sind DJV und ver.di gemeinsam stark zum Nutzen der Beschäftigten. „Die Tarifpluralität in den Medienunternehmen hat sich bewährt“, betonte der stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Michael Anger. „Wer sie aufs Spiel setzt, stellt das Grundrecht der Arbeitnehmer auf faire und leistungsgerechte Tarifverträge zur Disposition.“
   Er appellierte an die Kolleginnen und Kollegen in den DGB-Gewerkschaften, die Pläne zur Abschaffung der Tarifpluralität ad acta zu legen.

 

31. März 2011

DJV Berlin: Außerordentliche Mitgliederversammlung am 14. April

   Der Vorstand des DJV Berlin hat seine Mitglieder zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 14. April eingeladen. Ort: Katholische Akademie, Hannoversche Straße 5 in 10115 Berlin. Beginn 18.00 Uhr. Zentraler Tageordnungspunkt ist die Neubesetzung des Schatzmeisteramtes.
  
Nachdem trotz mehrmaliger Aufforderung der sechs anderen Vorstandmitglieder die Schatzmeisterin nicht bereit war ihr Amt niederzulegen, beschloss der Vorstand am 29. März die Einberufung der außerordentlichen Mitgliederversammlung. In der Einladung zur Mitgliederversammlung wird der ungewöhnliche Schritt des Vorstandes ausführlich begründet, eine weitere Zusammenarbeit mit der Schatzmeisterin sei wegen deren auf Obstruktion ausgerichteten Verhaltens nicht mehr länger zu verantworten: Es fehle jegliche Vertrauensbasis.

TAGESORDNUNG der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 14. April 2011:

1. Eröffnung und Begrüßung durch den Vorsitzenden

2. Konstituierung der Hauptversammlung
2.1 Wahl der Versammlungsleitung
2.2 Festlegung der Tagesordnung
2.3 Feststellung der ordnungsgemäßen Einladung
2.4 Anordnung einer zusätzlichen akustischen Protokollierung zu Beweiszwecken
2.5 Genehmigung der Teilnahme von Gästen
2.6 Wahl des Wahlausschusses (Zählkommission)

3. Abberufung der Schatzmeisterin Jutta Rabe-Suttinger und Nachwahl des/der Schatzmeisters/Schatzmeisterin
3.1 Antragsbegründung
- Vorstand
- Kassenprüfer
- Ehrengericht
3.2 Stellungnahme Schatzmeisterin
3.3 Aussprache
3.4 Abstimmung
3.5 Nachwahl

4. Verschiedenes

18. März 2011DJV - Rechtsreferat

Richter in Karlsruhe stärken die Rechte der freien Journalisten/innen

   Das Oberlandesgerichts Karlsruhe bestätigte ein Urteil gegen den Südkurier, das auch Auswirkungen auf die Verträge von freien Print- und Fotojournalisten/innen mit Verlagen in Berlin haben kann. Nach der Entscheidung des OLG verstoßen die Honorarbedingungen des Südkurier in wesentlichen Teilen gegen geltendes Recht (Az. 6 U 181/10). 
   Die Karlsruher Richter verboten Bestimmungen, wonach der Verlag Nutzungsrechte an Texten und Fotos auf Dritte übertragen darf bzw. Texte und Fotos an andere Medien der Holtzbrinck-Gruppe ohne Rücksprache mit dem Autor weitergeben darf. 
  Zu einem ähnlichen Schluss war bereits das Landgericht Mannheim gekommen, als es im November 2010 auf Antrag des DJV mit Unterstützung von ver.di eine einstweilige Verfügung gegen die Südkurier GmbH Medienhaus erlassen hatte. Schon die Vorinstanz hatte beide Klauseln als intransparent bezeichnet, weil der Eindruck erweckt werde, dass die Nutzung durch Dritte bzw. andere Medien der Holtzbrinck-Gruppe auch ohne Vergütung durch den Verlag erfolgen dürfe. Das OLG verwarf aber auch eine Klausel als unzulässig, wonach dem Verlag jedwedes Recht der Umgestaltung von Beiträgen zustehen sollte.
   Nähere Informationen beim Justiziar des DJV, Benno H. Pöppelmann: >>> poe@djv.de

26. Februar 2011

Robert Bosch Stiftung vergibt Recherchestipendien

   Die Robert Bosch Stiftung unterstützt in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin Autoren bei den Recherchen für deutschsprachige Veröffentlichungen, die Mittel-, Ost- und Südosteuropa als Thema grenzüberschreitend und für ein breites Publikum aufbereiten.
   Die Veröffentlichungen sollen zu Diskussionen anregen, den Dialog und das gegenseitige Verständnis fördern und können unterschiedliche Themenbereiche, Länder und historische Epochen umfassen.
    Willkommen sind literarische und essayistische Prosa, Fototextbände, Kinder- und Jugendbücher, aber auch andere Formen wie Drehbücher und Hörfunkbeiträge.
   Die Autoren können ihre Werke zudem in öffentlichen Veranstaltungen präsentieren. Für die Durchführung dieser Veranstaltungen stellt die Robert Bosch Stiftung Mittel zur Verfügung. Interessierte Institutionen können finanzielle Unterstützung für diese Veranstaltungen beantragen.

Was kann gefördert werden?
  
Es können pauschale Recherchestipendien in Höhe von 2.000 € ; 4.000 €;

6.000 €; 8.000 €; 10.000 € beantragt werden, abhängig von

Rechercheaufwand und -dauer. Damit sollen die Kosten für Reise,

Unterkunft, Verpflegung, Visa und Dolmetscher abgedeckt sowie die

Lebenshaltungskosten während der Recherche bezuschusst werden.

Die Bewerbungsunterlagen und nähere Informationen sind im Internet unter www.bosch-stiftung.de/grenzgaenger oder www.lcb.de/grenzgaenger zu finden

8. Februar 2011

Kein Vertreter der Journalistenverbände im Rundfunkrat des rbb - Entsendung scheiterte am Mini-Verband DJV Brandenburg

   In der dritten Amtsperiode des rbb-Rundfunkrates wird kein Vertreter der Journalistenverbände der Region Berlin-Brandenburg in diesem Gremium vertreten sein. Die Nominierung eines gemeinsamen Kandidaten scheiterte am beharrlichen Widerstand des Vorsitzenden vom DJV Bandenburg, dessen Verband nur 349 Mitglieder zählt, gegen einen gemeinsamen Kompromiss-Kandidaten.
   Der ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg sowie die Landesverbände des Deutschen Journalistenverbandes DJV Berlin und JVBB bedauern, dass aufgrund der Kompromissunfähigkeit des BrandenburgervMini-Verbandes DJV Brandenburg der den Journalisten zustehende Sitz im Rundfunkrat des rbb in der beginnenden Amtsperiode unbesetzt bleiben wird.
   Nach § 14 Abs. 1, Nr. 6 des rbb-Rundfunkstaatsvertrags wird das journalistische Mitglied des Rundfunkrates „gemeinsam“ von ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg, dem DJV Berlin und dem DJV Brandenburg nominiert. Der Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB), der mittlerweile mehr als 2.000 Mitglieder hat, wird im Staatsvertrag nicht genannt, da der JVBB zum Zeitpunkt von dessen Inkrafttreten noch nicht existierte.
   ver.di und DJV Berlin haben, in Kooperation mit dem JVBB vergeblich versucht(insgesamt vertreten sie über 7.500 Journalistinnen und Journalisten in der Region), mit dem DJV Brandenburg (letzte offiziell angegebene Mitgliederzahl: 349) zu einer Einigung über einen gemeinsamen Kandidaten zu kommen.
   Der Vorsitzende des DJV Brandenburg, Hans Werner Conen, beharrte darauf, in der nunmehr dritten Amtsperiode des rbb-Rundfunkrates müsse sein Verband die Nominierung vornehmen können. Die anderen Verbände argumentierten mit der Bedeutungslosigkeit des Mini-Verbandes, der im rbb so gut wie keine Aktivitäten vorweisen kann.
   Der vom Vorsitzenden Conen vorgeschlagene Kandidat für den Rundfunkrat, Klaus Minhardt, lebt, allen verfügbaren Informationen zufolge, im Ausland oder in Gmund Tegernsee, genauso wie Conen, der zu DJV-Sitzungen aus dem Elsass anreist. Die im rbb stetig aktiven Verbände ver.di, DJV Berlin und JVBB sind der Ansicht, dass die Journalistinnen und Journalisten der Region von jemandem im rbb-Rundfunkrat vertreten werden müssen, der in der Region lebt und arbeitet.
   In einem ersten Anlauf hatten die drei Verbände sich auf einen Kandidaten geeinigt, der dem JVBB angehört. Bei der anschließenden Suche nach einem Kompromiss mit dem DJV Brandenburg präsentierten sie einen unabhängigen Kandidaten, der keinem der insgesamt vier Verbände angehört. Vorgeschlagen wurde Christian Böhme, Chefredakteur der „Jüdischen Allgemeinen“. Darüber kam es jedoch mit Conen weder zu einer Einigung, noch präsentierte er einen Kompromisskandidaten.
   Die drei in der Region aktiven Verbände bedauern gegenüber dem rbb und seinem Rundfunkrat, dass es bis auf Weiteres keine journalistische Vertretung der Journalistengewerkschaften in diesem Gremium geben wird. Sie werden jedoch weiter auf allen zur Verfügung stehenden Ebenen  – Tarifverhandlungen, Personalrat, Fachgruppen etc. – die Interessen der Beschäftigten dort vertreten, wo der DJV Brandenburg nicht präsent ist.

18. Januar 2011

Große Tarifkommission des DJV beschloß Vorbereitung des Arbeitskampfes

   Die Große Tarifkommission des DJV hat am 17. Januar in Kassel grünes Licht für die Vorbereitung von Arbeitskampfmaßnahmen gegeben, nach dem sie die Tarifsituation bei Zeitungen und Zeitschriften ausführlich beraten hat. Seit dem letzten Frühjahr sind die Tarifverhandlungen mit dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) unterbrochen. Der Grund: Die Verleger blieben bei ihrer Forderung, tarifliche Standards abzusenken.
   Für die rund 9.000 Redakteurinnen und Redakteure in Zeitschriftenverlagen gelten die alten Tarifverträge meist noch weiter, so dass sich die Verleger mit ihrem Spardiktat bislang nicht durchsetzen konnten, doch für die Große Tarifkommission des DJV war am 17. Januar auch klar: Dieser Schwebezustand kann nicht ewig andauern, ein Tarifabschluss bleibt das Ziel für alle, die den Fortbestand der Flächentarifverträge Ernst nehmen.  Das Gegenargument der Verleger: Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Zeitschriftenverlage müssten sich auch  in den Tarifverträgen widerspiegeln. Der DJV sagt dazu nein! 
   Bei dem Erhalt der Flächentarifverträge und der tariflichen Standards geht es der Großen Tarifkommission auch um die Zeitungsredakteure. Hier hatte der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in der dritten Tarifrunde am 8. Dezember 2010 seinen Forderungskatalog vorgestellt: Einschnitte für die beschäftigten 14.000 Zeitungsredakteure und ein neues, abgesenktes Tarifwerk für alle künftigen Berufseinsteiger. In der Summe bedeutet das ein Einkommen-Minus von fast 30 Prozent. Und eine deutliche Abwertung des Journalistenberufs.
   Das Votum der Großen Tarifkommission des DJV ist klar und unmissverständlich: „Das lassen wir nicht mit uns machen.“ Der DJV will und kann nicht zusehen, wie der Journalistenberuf auf Dauer degradiert wird. Die Federführung zur Vorbereitung von Kampfmaßmahmen wurde dem Zentralen Aktionsausschuss des DJV übertragen, der eng mit den regionalen Gliederungen und der Bundesgeschäftsstelle zusammenarbeitet.

29. Dezember 2010

Rück- und Ausblick: Die Kooperation zwischen DJV Berlin und JVBB hat sich trotz gescheiterter Fusion bewährt

Liebe Mitglieder des DJV Berlin,                                   

   die Pause zwischen den Jahren bietet Gelegenheit, innezuhalten und den Blick auf die vor uns liegenden Aufgaben zu lenken.

  Zu den Selbstverständlichkeiten gehört nach wie vor das gute Funktionieren unserer Geschäftsstelle. Sie bietet die Gewähr dafür, dass alle Mitglieder die Leistungen bekommen, die sie erwarten können: den Presseausweis sowieso, die persönliche und professionelle Beratung in arbeitsrechtlichen Fragen und – wenn es anders nicht geht – auch den Rechtsschutz bei Gericht.
   Ihre Mitgliedsbeiträge bilden für diese Arbeit die finanzielle Basis. Sie ist nicht nur gesichert, sondern durch die Schaffung einer kleinen Reserve sind wir wieder beweglicher geworden. Wir können endlich  einen Umzug planen, der unsere Betriebskosten senkt.  Zurzeit müssen wir unsere Räume mit Untermietern teilen um die Mietkosten zu senken.  Ein Umzug soll uns auch näher ins journalistische Zentrum der Hauptstadt in Mitte bringen.
   Einen Teil unserer Rücklage werden wir wohl einplanen müssen, um nach der gescheiterten Fusion und dem geplatzten Entschuldungsabkommen unsere überständigen Verpflichtungen gegenüber dem Bundesverband abzutragen. Darüber werden kollegiale Gespräche mit dem Bundesvorstand zu führen sein. Dass der DJV Berlin dadurch je wieder in eine finanzielle Schieflage geraten könnte, ist und bleibt per Vertrag ausgeschlossen.
   Selbstverständlich darf unser Verband dabei nicht schlechter gestellt werden als andere, die sich auf gerichtlichem Weg kurzfristige finanzielle Vorteile erstritten haben. Der DJV Berlin ist im Zuge seiner Politik der Streitbeilegung mit dem Bundesverband längst als geachtetes Mitglied in den Kreis der DJV Landesverbände zurück gekehrt. An unserem Verbleib im größten journalistischen Dachverband darf es deshalb keinen Zweifel geben.
    Für einen zweiten Versuch zur Fusion muß es nicht zu spät sein. Unser gut nachbarliches Verhältnis zu unseren Berliner Partnern hat den Schock über die „Vertagung“ der Fusion am 3. Juli durch unserer Mitgliederversammlung leidlich gut überstanden. Was sich an Kooperation eingespielt hatte,  blieb erhalten und bewährt sich weiter  – bei den Tarifverhandlungen im rbb genauso wie bei öffentlichen Aktionen zugunsten der gemeinsamen Vergütungsregeln für die freien Journalisten und Journalistinnen, um nur einiges zu nennen.
   Wie es weiter gehen soll und was daraus noch werden kann, hat die Mitgliederversammlung zu beraten und zu entscheiden. Allerding muss zuvor die von persönlichen Attacken, Verleumdungen, Unterstellungen und Bösartigkeiten durchsetzte Atmosphäre in unseren Gremien gründlich bereinigt werden. Nur wenn alle ehrenamtlichen Funktionsträger wieder zum sachlichen Umgang miteinander zurückfinden, ist den Mitgliedern eine Versammlung in absehbarer Zeit zuzumuten.
   Lassen sie uns einen guten Anfang im Neuen Jahr machen, für das ich Ihnen allen Gesundheit und beruflichen Erfolg wünsche,
Ihr
Peter Pistorius
Vorsitzender DJV Berlin

OFFENER BRIEF DES DJV BUNDESVORSITZENDEN
-
 an alle Journalisten und Journalistinnen -

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
   hinter uns liegt ein schwieriges und ereignisreiches Jahr. Auch 2010 haben Sie wie-der zusammen mit Zehntausenden anderer Journalistinnen und Journalisten dafür gearbeitet, dass die Menschen in unserem Land aktuell und pünktlich alle Informationen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Sport erhielten – so wie sie es von Ihnen gewohnt sind. Und Sie haben die Hintergründe recherchiert, geschrieben oder gesendet, Fakten und Meinungen, die zur Einordnung der Informationen unverzichtbar sind.
   Dafür und für Ihr journalistisches Engagement sage ich im Namen des Deutschen Journalisten-Verbandes danke! Für das kommende Jahr verspreche ich Ihnen: Wir stehen an Ihrer Seite, helfen Ihnen auch 2011, den immer schwierigeren Berufsalltag zu bewältigen.
   Anlässe dafür gibt es genügend. Die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger haben uns deutlich gemacht, wie sie sich die Tarifverträge der Zukunft vorstellen: als Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften, die weitaus schlechtere Konditionen enthalten als bisher und die den Journalistenberuf abwerten. Weniger Urlaubs- und Weihnachtsgeld, weniger Kaufkraft in den nächsten drei Jahren und ein Dumping-Tarifvertrag für den journalistischen Nachwuchs.
  Das kann nicht die Zukunft des Journalismus in Deutschland sein! Sie sind nicht Journalistin oder Journalist geworden, um unter sich kontinuierlich verschlechternden Bedingungen immer mehr zu arbeiten Sowohl der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger als auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger haben deutlich gemacht, dass sie am Verhandlungstisch über ihre Forderungen nicht mit sich reden lassen. Das gebiete die Notsituation, in der sich die Verlage befänden, heißt es.
   Richtig ist: Das Jahr 2009 bescherte den  Verlagen zum Teil drastische Einbrüche im Anzeigengeschäft und Rückgänge bei den Auflagen. Richtig ist aber auch, dass die wirtschaftliche Talsohle durchschritten ist, dass es wieder aufwärts geht und dass sehr viele Verlage nach wie vor ansehnliche Renditen erwirtschaften. Übrigens mit Ihrer Hilfe, denn ohne guten Journalismus, gut ausgebildete und engagierte Journalisten könnten die Verleger keine Gewinne erzielen. Die Rendite ist in vielen Medienhäusern das einzige, was zählt: Qualitätsjournalismus soll nichts mehr kosten, die Redaktionen werden zu Kostenstellen degradiert.
   Dass die Verlage mit dieser Geschäftspolitik nicht nur den Journalistinnen und Journalisten, sondern auf Dauer auch der Akzeptanz ihrer Zeitungen und Zeitschriften und damit den eigenen wirtschaftlichen Erlösen schaden, ignorieren die Verlagsmanager. Deshalb kommt es auf uns an, den Wert des Journalistenberufs, ja den Wert des Journalismus zu verteidigen.
   Vor dieser Herausforderung sehe ich uns alle im neuen Jahr 2011. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Kampf gewinnen können. Das wird aber nur funktionieren, wenn wir alle gemeinsam für die Sache des Journalismus einstehen  – für unsere gemeinsame Sache!
   Helfen Sie mit! Es geht um Ihre Zukunft und um die der nächsten Journalistengeneration. Damit es sich auch morgen noch lohnt, Zeitungen, Zeitschriften und Online-Berichte zu lesen und guten Journalismus im Radio zu hören und im Fernsehen zu sehen.
Herzlichst
Ihr
Michael Konken

16. Dezember 2010

Erklärung deutscher Tageszeitungen zur Zensur für Wikileaks:

 die tageszeitung, der Freitag, die Frankfurter Rundschau, der Tagesspiegel, European Center For Constitutionel and Human Rights (ECCHR), Perlentaucher.de, Berliner Zeitung, Neues Deutschland, AK Zensur und netzpolitik.org veröffentlichen diesen Appell gegen die Angriffe auf Wikileaks.

  
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, Artikel 19: "Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten." 
 


1. Die Angriffe auf Wikileaks sind unangebracht
  
Die Internetveröffentlichungsplattform Wikileaks steht seit der Veröffentlichung der geheimen Botschaftsdepeschen der USA unter großem Druck. In den USA werden die Wikileaks-Verantwortlichen als "Terroristen" bezeichnet, es wird sogar ihr Tod gefordert. Große internationale Unternehmen wie Mastercard, Paypal und Amazon beenden ihre Zusammenarbeit mit Wikileaks - ohne dass eine Anklage gegen die Organisation vorliegt, geschweige denn eine Verurteilung. Gleichzeitig wird die technische Infrastruktur von Wikileaks anonym über das Internet attackiert.
   Dies sind Angriffe auf ein journalistisches Medium als Reaktion auf seine Veröffentlichungen. Man kann diese Veröffentlichungen mit gutem Grund kritisieren, ebenso die mangelnde Transparenz, welche die Arbeit der Plattform kennzeichnet. Aber hier geht es um Grundsätzliches: die Zensur eines Mediums durch staatliche oder private Stellen. Und dagegen wenden wir uns. Wenn Internetunternehmen ihre Marktmacht nutzen, um ein Presseorgan zu behindern, kommt das einem Sieg der ökonomischen Mittel über die Demokratie gleich. Diese Angriffe zeigen ein erschreckendes Verständnis von Demokratie, nach dem die Informationsfreiheit nur so lange gilt, wie sie niemandem wehtut.

2. Publikationsfreiheit gilt auch für Wikileaks
  
Die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verbriefte Publikationsfreiheit ist eine Grundlage der demokratischen Gesellschaften. Sie gilt nicht nur für klassische Medien wie Zeitungen oder Fernsehanstalten. Das Internet ist eine neue Form der Informationsverbreitung. Es muss den gleichen Schutz genießen wie die klassischen Medien. Längst hätte es einen weltweiten Aufschrei gegeben, wenn die USA ein Spionageverfahren gegen die New York Times, einen finanziellen Kreuzzug gegen den Spiegel oder einen Angriff auf die Server des Guardian führen würden.

3. Recht auf Kontrolle des Staates
  
Die Kriminalisierung und Verfolgung von Wikileaks geht über den Einzelfall hinaus. Die Veröffentlichung als vertraulich eingestufter Informationen in solchen Mengen soll verhindert werden. Denn die Menge an Dokumenten liefert der Öffentlichkeit einen weit tieferen Einblick in staatliches Handeln als bisherige Veröffentlichungen in klassischen Medien. Der Journalismus hat nicht nur das Recht, sondern die Aufgabe, den Staat zu kontrollieren und über die Mechanismen des Regierungshandelns aufzuklären. Er stellt Öffentlichkeit her. Ohne Öffentlichkeit gibt es keine Demokratie. Der Staat ist kein Selbstzweck und muss eine Konfrontation mit den eigenen Geheimnissen aushalten.
   Wir fordern alle Staaten und auch alle Unternehmen auf, sich diesem Feldzug gegen die bürgerlichen Rechte zu widersetzen. Wir fordern alle Bürger, bekannt oder unbekannt, in politischen Positionen oder als Privatpersonen, auf, für die Einstellung der Kampagne gegen die Meinungs- und Informationsfreiheit aktiv zu werden. Wir laden alle ein, sich an dem Appell für die Medienfreiheit zu beteiligen.
Die Erstunterzeichner dieses Appells:
taz, Frankfurter Rundschau, der Freitag, der Tagesspiegel, European Center For Constitutionel and Human Rights (ECCHR), perlentaucher.de

Bilder von lks.: Auszählung der sechs Anträge zur Abwahl von Vorstandsmtigliedern. Gestellt vom Landesverband Brandenburg, einhellig von den Delegierten abgelehnt . Für seine Geduld während der scharfen und lautstarken Auseinandersetzungen erhielt das Präsidium von Ehrenmitglied Hubert Engerhoff, unter großem Beifall der Delegierten, einen "Engel der Geduld"  überreicht. Geschlossen traten die Delegierten,  von DJV Berlin (mit einer Ausnahme) und JVBB auf dem Verbandstag auf. Aktiv protestierte Beate F Neumann vom DJV Berlin beim „Flashmob“  in Essens Innenstadt gegen die Tarifpolitik der Verleger und legte sich symbolisch den Strick um den Hals.  Fotos: Gabi Fromm

11. November 2010Bericht vom DJV Delegiertentag in Essen

Unsere Arbeit ist mehr wert - Schluss mit Lohndumping

   „Unsere Arbeit ist mehr wert“ - dieser Ruf ertönte am Mittwoch (10. 11.)  in der Essener Fußgängerzone. 250 Journalisten setzten zum Abschluss des Verbandstages in Essen mit ihrer Demonstration ein deutliches Zeichen. „Und das ist erst der Anfang eine Reihe von Aktionen“, kündigte der Vorsitzende des DJV, Michael Konken, an.
   Verlage bieten Berufseinsteigern Verträge an, die mit denen ihrer älteren Kollegen nicht mehr vergleichbar sind, streichen Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Sie zwingen „Freien“ Honorarbedingungen auf, die gestandene Journalisten und Journalistinnen an den Rand des Existenzminimums treiben. Freie Journalisten leben im Schnitt von 1000 – 1500 Euro im Monat. Die Arbeitsbedingungen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern sind keineswegs besser als bei den Verlagen. Das bedeutet das Ende des Qualitätsjournalismus.

"Umsonst" arbeiten zum Dumpingpreis
   Ein Kollege aus Thüringen berichtete am Rande der Demonstration, dass die Lokalberichterstattung seiner Zeitung zum Teil in der Hand der Redaktionssekretärin liegt, die Theaterkritiken schreibt ein 81-jähriger Deutschlehrer. Die Honorargelder reichen einfach nicht, um freie Journalisten angemessen zu bezahlen. Der WDR läßt Autoren quasi zusätzlich „umsonst“ arbeiten und bekommt so Bilder zum Dumping-Preis.
   Sender und Verlage pokern. Sie rechnen mit dem Enthusiasmus der Journalisten und Journalistinnen, die für den Beruf brennen. Sie wissen wie wichtig ihren journalistischen Mitarbeitern gute Themen und Geschichten sind, wissen wieviel ihnen daran liegt, sie auch an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Medienministerin von Nord-Rhein-Westfahlen Angelica Schwall-Düren sagte in ihrem Grußwort: „Ein Journalist ist ein Mensch, der in einem anderen Beruf wesentlich mehr verdienen könnte.“ Da können wir Journalisten nur erwidern: „Vielen Dank, für diese Nachricht, Frau Ministerin!“

Journalisten und Journalistinnen am Galgenstrick
  Neueste Zahlen belegen: junge Journalisten wandern häufig zum Zeitpunkt der Familiengründung in andere Branchen ab. „Verleger und Sender legen uns bereits den Strick um den Hals. Wir dürfen nicht zu lassen, dass sie ihn auch noch zu ziehen“, formulierte ein Delegierter. Die Delegierten aus Bayern riefen am zweiten Sitzungstag zu einem „Flashmob“ auf, einer sinnbildlichen Aktion vor dem Essener Hauptbahnhof. Die  Teilnehmer nutzten Galgenstricke, die von den Bayern bereits im Sitzungssaal geknüpft wurden, legten sie sich um den Hals und verharrten eine Minute in möglichst prägnanter Pose, die Augen verdreht, die Zunge raus. Das war eine blitzschnelle, schlagkräftige Aktion mitten in Essen, der „Kulturhauptstadt Europas“.

Behinderung des Verbandstages
   Im Saal lief unterdessen die Debatte weiter, die an den ersten beiden Sitzungstagen mit endlosen Abstimmungen über eine Flut von Anträgen des Landesverbandes Brandenburg belastet war. All diese Anträge hatten in der Summe nur ein Ziel: die Arbeit des Verbandstages zu behindern. Sie reichten von Abwahlanträgen gegen jedes einzelne Bundesvorstandsmitglied bis zu absurden Forderungen wie „Mitbestimmung der Gebührenzahler beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ oder "DJV veröffentlicht Werke des Vorsitzenden Konken“.
   Der Vorsitzende des Landesverbandes Brandenburg Hans-Werner Conen ließ es sich nicht nehmen, wortreiche Begründungen vorzutragen. Mit dem Ruf „Der soll dat nich“ machten die Anwesenden deutlich, was sie von Zeitraub und Selbstdarstellern halten. Als Conen wegen Nichteinhaltung der Redezeit mitten im Wort das Mikro abgedreht wurde, war der alte Rundfunkprofi Conen die tragische Figur dieses Verbandstages.

Diffamierungen und polemische Anträge
   Auch der Versuch von Jutta Rabe, Schatzmeisterin des DJV Landesverbandes Berlin, eine diffamiernde Brandrede gegen die Fusion der Berliner Verbände und ihren Berliner Landesvorsitzenden Dr. Peter Pistorius zu halten, scheiterte an der Solidarität des Saales. Als Pistorius in einer kurzen Erwiderung eindeutig erklärte, dass er trotz aller Schwierigkeiten und persönlicher Anfeindungen dafür steht, die Fusion zu schaffen, erntete er tosenden Beifall. Die Delegierten erhoben sich von ihren Plätzen. So etwas hat es in dieser Runde seit Jahren nicht gegeben.  
                                                    Beate F. Neumann, Delegierte des DJV Berlin

Gegen Tarifdumping - für  Qualitätsjournalismus
   Die Delegierten des DJV Verbandstages 2010 mit protestiertene mit ihrem Demonstrationszug durch die Essener Innenstadt gegen die Spardiktate und das Tarifdumping der Verleger. Gleichzeitig forderten sie von den Zeitungsverlegern die mit Ihnen im Februar 2010 vereinbarten Vergütungsregelungen für Freie Journalisten/innen endlich auch zu wenden.
   Ziel der Protestaktion war es, auf die Bedeutung journalistischer Arbeit und auf die derzeit schwierige Situation in den Tarifverhandlungen mit den Verlegern aufmerksam zu machen. Für den DJV sind der Erhalt redaktioneller Arbeitsplätze und des Auftragsvolumens für Freie zu den wichtigsten Aufgaben der Tarifpolitik.
   Der Deutsche Journalisten-Verband erwartet von den Medienarbeitgebern, dass für die Arbeitsplätze der Journalistinnen und Journalisten die Flächentarifverträge in vollem Umfang gelten. Gegen die fortschreitende Erosion der Tarifverträge in allen Mediengattungen setzten die DJV-Delegierten deren Ausbau. Denn nur mit fairen und leistungsgerechten Tarifwerken lasse sich der Qualitätsjournalismus sichern, lautete das Fazit der Tarifdiskussion. Mit großer Mehrheit nahmen die Delegierten auch die Forderung nach einem Tarifvertrag zur Qualifizierung von Journalisten an. Er soll einheitlich für alle Verlage den Anspruch der Journalisten auf Weiterbildung regeln.

Besseren Informantenschutz – keine nachrichtendienstliche Überwachung
  Eine deutliche Verbesserung des Informantenschutzes forderten die rund 300 Delegierten: Das Ende der Online-Durchsuchungen, den Stopp von Plänen des Gesetzgebers, die Vorratsdatenspeicherung wieder einzuführen, keine nachrichtendienstlichen Überwachung von Journalisten, keine Regelanfrage beim Verfassungsschutz im Rahmen der Akkreditierung zu Großveranstaltungen. Die DJV-Delegierten sprachen sich darüber hinaus für die Gleichbehandlung aller Berufsgeheimnisträger wie Rechtsanwälte und Ärzte aus, sowie gegen Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat, die sich gegen Journalisten richten.

Essener Erklärung zur Krise der Medien
   Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung war die Krise der Medien. Mit einer „Essener Erklärung“ appellieren die Delegierten an die Gesetzgeber auf nationaler und europäischer Ebene, die Ausübung der Pressefreiheit von Konjunkturentwicklungen und Renditeerwartungen der Unternehmen abzukoppeln. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk dürfe daher nicht durch die europäische Gesetzgebung gefährdet werden. "Eine neue Medienpolitik muss die Inhalte und die kreative Leistung des Urhebers fördern und darf nicht nur die Verwertung dieser Inhalte im Blickwinkel haben", heißt es in der Erklärung. Das Urheberrecht muss die Kreativen und nicht die Vermarkter schützen, gerade in digitalen Netzen müsse jede Nutzung angemessen vergütet werden.

Gescheiterter Versuch
   Der Versuch des Vorsitzenden des Landesverbandes Brandenburg durch insgesamt 34 gestellte Anträge zur Satzungsänderung und 61 Anträge, meist polemisch und zum Teil diffamierend formuliert, zur innerverbandlichen Struktur des DJV, den Verbandstag ad absurdum zu führen wurde einmütig vom DJV Delegiertentag  abgelehnt. Nur die fünf Brandenburger Delegierten in Koalition mit der Berliner Delegiertin, Jutta Rabe, stimmten allein als einzige  dafür.                                                                  
                                                                    Klaus Kundt,
Delegierter DJV Berlin

26. Oktober 2010Tarifverhandlungen Tageszeitungen

Verlegervorschlag: Urlaubs- und Weihnachtsgeld kürzen – Berufseinsteiger weniger Geld und höhere Arbeitszeit!!!

   "Die Forderungen der Verleger sind weder für uns in dieser Form annehmbar noch ohne konkrete Zahlen verhandelbar", kritisierte DJVVerhandlungsführer Kajo Döhring die Vorschläge der Zeitungsverleger. Ohne Ergebnis endete am heutigen Nachmittag in Berlin die zweite Verhandlungsrunde des Deutschen Journalisten-Verbands mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger über neue Tarifverträge für die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen.
   In der Tarifrunde hatten die Verleger die Forderung des DJV nach angemessenen Gehalts- und Honorarerhöhungen mit der Notwendigkeit beantwortet, einen neuen, deutlich abgesenkten Tarifvertrag für Berufseinsteiger einzuführen.
    Ohne konkret zu werden, solle der Einsteigertarifvertrag nach Meinung der Verleger niedrigere Gehälter, eine Absenkung bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie eine höhere Wochenarbeitszeit beinhalten. Für den heutigen Personalstamm an Redakteurinnen und Redakteuren erwarten die Verleger als Laufzeit eines neuen Gehalts- und Manteltarifvertrags drei Jahre. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sollten abgesenkt werden, die Gehälter sollten in den ersten zwei Jahren durch Einmalzahlungen und im dritten Jahr durch eine prozentuale Anhebung steigen. 
   "Es ist bedauerlich, dass der BDZV die Augen vor der Realität in den Redaktionen verschließt. Die sieht vor allem so aus: immer mehr Arbeit bei schrumpfender Personaldecke." Es sei nicht zu verstehen, dass die Verleger die wirtschaftliche Situation einseitig negativ darstellten, monierte der DJV-Verhandlungsführer. Mit Billigtarifen schadeten die Verleger nicht nur den Journalistinnen und Journalisten, sondern letztendlich den Zeitungen selbst, die immer weniger auf Qualität setzen könnten.
   Mit der Tarifsituation Zeitungen wird sich der DJV-Gesamtvorstand als Große Tarifkommission auf seiner Sitzung am 8. November in Essen befassen. Als nächster Verhandlungstermin mit dem BDZV wurde der 8. Dezember in Berlin vereinbart.

6. Oktober 2010Protestdemo am 15. Oktober

Aufruf des Deutschen Journalistenverbandes zum Aktionstag für angemessene Honorar für freie Journalisten und Journalistinnen

Liebe Freie im DJV Berlin,
   lasst uns gemeinsam unseren Anspruch auf angemessene Honorare einfordern! Seit Februar gelten die neuen Gemeinsamen Vergütungsregeln an Tageszeitungen. Bislang drücken sich rund 90 Prozent der Verlage im BDZV mit allen möglichen und unmöglichen Argumenten um die Regeln herum.

   In Berlin hat bislang nur das „Neue Deutschland“ die Absicht erklärt, die Vergütungsregeln umzusetzen. Ob Tagesspiegel, Berliner Zeitung oder taz - alle zahlen dem Gros ihrer Freien Honorare, die unter den Mindesthonoraren liegen.
   Auf Verbandsebene und bei den Tarifverhandlungen werden wir weiter darauf pochen, dass der BDZV, der die Vergütungsregeln unterschrieben hat, auch dafür sorgt, dass seine Mitgliedsverlage sie umsetzen. Viele Verlage wollen das Problem aussitzen und hoffen, dass die Freien so sehr von ihnen abhängig sind, dass sie sich nicht trauen, vor Gericht die jetzt als angemessen festgelegten Honorare einzuklagen: Es wird also nur gemeinsamer und öffentlicher Druck helfen!
   Solange sich nicht eine nennenswerte Zahl von Freien wirklich empört und das auch zeigt, wird wenig passieren. Auch die Gewerkschaften sind (jenseits der Klagemöglichkeit) nur so stark, wie ihre Mitglieder sich auch selbst für ihre Interessen engagieren! Deshalb macht mit beim bundesweiten Aktionstag am 15. Oktober um 10 Uhr. Wir vom DJV wollen vor der Zentrale des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in der Markgrafenstraße 15 in Mitte protestieren.
   Bitte meldet Euch beim DJV Berlin, wenn Ihr mitmachen könnt und wollt: info@djv-berlin.de. Der DJV Bundesverband hat Material zum Aktionstag produziert (von T-Shirts bis Flyer).
   Wir wollen unsere Forderung sichtbar machen!
> Angemessene Honorare für alle!
> Unsere Zeilen sind was wert!
> Auf die Freien kommt es an!