Fachausschuss (FA) Online
Im Fachausschuss Online werden aktuelle Entwicklungen im Online-Journalismus diskutiert und kritisch begleitet. Bei Redaktionsbesuchen und Seminaren haben die Teilnehmer Gelegenheit, Kolleginnen und Kollegen kennen zu lernen und mehr über die besonderen Anforderungen zu erfahren, die an Onlinejournalisten gestellt werden.
25. Januar 2012
Datenschützer Dix über Gefahren von Facebook und Co.
In sozialen Netzwerken suchen Verlage den Kontakt zum Leser. Doch worauf müssen Journalisten achten, wenn sie Facebook und andere Portale nutzen? Welche Gefahren drohen? Darüber sprach der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix gestern beim DJV Berlin.
Man kann nicht behaupten, dass der Berliner Datenschutzbeauftragte Facebook nicht mag. „Soziale Netzwerke sind ja auch etwas Spannendes“, sagte Alexander Dix gestern in der Geschäftsstelle des DJV Berlin. Der Fachausschuss Online hatte zum Thema „Sicherheit im Internet für Journalisten“ eingeladen. Auch, weil der Ausschuss selber keine einheitliche Meinung zum Thema Facebook und Co. habe, wie der stellvertretende Vorsitzende und Moderator des Abends, Burkhard Schröder, sagte.
Dix sagte vor 14 Gästen, man solle Facebook nicht unbedingt verteufeln. Es gebe nur besonders kritische Dinge – vor allem die Gesichtserkennung: „Facebook hat eine biometrische Datenbank von Gesichtern angelegt, die mit Profilen verbunden sind. Nach europäischen Gesetzen ist das rechtswidrig.“ Hinzu komme, dass Facebook solche Funktionen einführe, aber die Möglichkeiten diese abzustellen, wenn es sie denn überhaupt gebe, verstecke. Google Plus mache macht das besser, doch auch bei dem Anbieter gebe es Dinge, die man kritisieren müsse, sagte Dix und verwies darauf, dass sowohl Facebook als auch Google Plus von einem zentralen Server betrieben würden. „Alle Nutzerdaten können so wirtschaftlich genutzt werden, was natürlich im Interesse der Unternehmen liegt.“ Alternative Netzwerke wie Diaspora zeigten, dass es auch anders gehe.
IP-Adressen werden heimlich übermittelt
Als weiteren großen Kritikpunkt nannte Dix die sogenannten „Gefällt-mir“-Knöpfe von Facebook. Das Problem: „Selbst wenn ein Nutzer, der nicht bei Facebook registriert ist, eine Seite mit solch einem Knopf besucht, wird seine IP-Adresse automatisch in die USA zu Facebook übermittelt.“ Heise und der Tagesspiegel hätten da eine Zweiklick-Lösung gefunden, so dass man erst auf den Knopf klicken müsse, um den Datenstrom auszulösen. Das Problem mit den IP-Adressen existiere auch bei Besuchern von Facebook Fan-Seiten. Und „es ist schwer zu kontrollieren, was das Unternehmen mit diesen Daten macht“, so Dix.
Ein Gast warf ein, Browser-Informationen verrieten viel mehr als IP-Adressen, die eh wechselten. Dix stimmte zu, erwiderte aber, dass wir mit dem Internet Protokoll der Version sechs, welches in den kommenden Jahren nach und nach eingeführt werden soll, Gefahr liefen, dass jedem einzelnen Endgerät eine dauerhafte Adresse zugewiesen werde.
Druck statt Klagen
Als Strategie für den Datenschutz empfiehlt Dix eher nicht vor Gericht zu Klagen, „weil es etwas zufälliges habe, wie die Gerichte entscheiden. Es wäre besser, Facebook von selbst dazu zu bringen, einzulenken.“
Mit neuem Ärger kann Facebook jedenfalls rechnen. Die nächsten Tage werden alle Nutzerprofile auf die sogenannte Timeline umgestellt, bei der Profil-Inhalte einem Zeitstrahl zugeordnet werden. Eine Wahl haben die Nutzer nicht. „Facebook muss aufpassen. Das Netz ändert sich schnell“, warnte Dix und verwies auf Onlineportale, die so schnell verschwanden, wie sie kamen. (js)
Notizen zum Abend finden sich auch im Blog von Wolf Siegert. [Mehr ...]
16. Dezember 2011
Jan Söfjer übernimmt Vorsitz des Fachausschusses Online
Der Fachausschuss Online hat am 15. Dezember Jan Söfjer zum neuen Vorsitzenden gewählt. Sein Stellvertreter ist Burkhard Schröder. Der bisherige Vorsitzende Thomas Leidel hatte im September ein neues Amt als Beisitzer im Vorstand übernommen.
Das erste Projekt für den Fachausschuss ist Überarbeitung und Neuausrichtung der Website djv-berlin.de. Künftig sollen auch die Medienlandschaft und die Medienpolitik journalistisch ein Stück weit begleitet werden und der DJV Berlin eine stärkere Stimme im Internet bekommen.
Onliner müssen Missstände begreifen und ihren Teil beitragen
Jan Söfjer will sich zudem für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Online-Journalisten engagieren. "Viele Onliner sind immer noch Redakteure zweiter Klasse", sagt Söfjer. "Sie bekommen meist deutlich weniger Geld als Print-Kollegen im selben Haus, drehen sich im Content-Hamsterrad und kommen oft selten zum Schreiben." Onliner müssten endlich als vollwertige Journalisten angesehen werden. Doch dazu, so Söfjer, "müssen sich auch Strukturen in den Redaktionen ändern, dazu müssen Onliner auch erstmal selber die Missstände als solche begreifen und ihren Teil zu den Verbesserungen beitragen".
Datenschutzbeauftragter Dix spricht auf erstem Stammtisch
Um den 20. eines jeden Monats herum trifft sich der Fachausschuss Online ab sofort zum Stammtisch, der auch Nicht-Mitgliedern des DJV Berlin offen steht. Wenn möglich sollen Fach-Gäste und Referenten die Debatten bereichern. Themen-Anregungen für Stammtische können gerne an Burkhard Schröder oder Jan Söfjer (Adressen siehe rechts) gemailt werden.
Beim ersten Treffen am 24. Januar (19 Uhr) in der Geschäftsstelle geht es um Sicherheit für Journalisten im Internet. Der Berliner Datenschutzbeauftragte Dr. Alexander Dix spricht zum Thema: "Werden wir von den Datenkraken übertölpelt? Gefahren und Risiken von Facebook & Co. Wie vorsichtig muss man als Journalist sein?" Der stellvertretende Fachausschuss-Vorsitzende Burkhard Schröder moderiert den Abend. Der Mitgründer der German Privacy Foundation sagt: "Der Stammtisch sollte auch Kolleginnen und Kollegen, die um diese Themen einen Bogen gemacht haben, ermöglichen, sich sachkundig zu machen."
18. September 2011Diskussionsthema: "Geld verdienen im Netz"
Besser Online 2011
Rund 270 Journalisten aus dem ganzen Bundesgebiet haben am 17. September auf der Fachtagung "Besser Online" diskutiert. In den 17 Veranstaltungen wurde über den Schnelligkeitswahn im Online-Journalismus gesprochen, die Möglichkeiten im Netz Geld zu verdienen, Wikileaks sowie Social Networks.
Soziale Netzwerke werden bei der Recherche immer wichtiger: Die ersten Meldungen von Großereignissen oder Katastrophen wie Tsunamis sind oft diejenigen, die im Social Web gepostet werden, erläuterte Stefan Plöchinger von sueddeutsche.de. Es schälen sich nach Ansicht von Spezialisten im Social Web allmählich spezifische journalistische Arbeitsformen heraus. Nach Ansicht des aus den USA zugeschalteten Journalisten Jeff Jarvis, sollten diese Arbeitsweisen auch in die journalistische Ausbildung integriert werden.
Auf großes Interesse stießen die zahlreichen praktischen Workshops unter anderem zu Wikileaks: Domscheidt-Berg, früheres Mitglied von Wikileaks stellte in einer Diskussionsrunde sein neues Projekt Openleaks vor. Es stellt eine Plattform bereit, auf der Whistleblower ihre Daten ablegen können. Die Verifizierung dieser sowie der Plausibilitätscheck liegen bei Journalisten führender Tageszeitungen. Der Teilnehmerkreis nahm das interessiert auf, stellte aber die kritische Frage, ob man solche Informationen nicht Journalisten direkt zuleiten solle. Auch weitere Workshops und Werkstattgespräche beispielsweise zum Ipad oder dem Berufsfeld des Social Media Managers stießen auf großes Interesse.
Das Thema des Eröffnungspodium "Geld verdienen im Netz" zog sich wie ein roter Faden durch zahlreiche Diskussionen des Tages. Blogger müssen in hohem Maße in journalistische Vorleistung gehen, ehe sie davon ein Auskommen haben, berichteten Tagungsteilnehmer.
22. Mai 2010 FA Online
Zweimonatige Weiterbildung für Online-Journalisten und Journalistinnen DAA-Akademie Berlin bietet berufsbegleitende Kurse an
Unter großer Nachfrage gibt es seit 2008 die zweimonatige sehr erfolgreiche Weiterbildung „Online-Journalismus“ der DAA Medienakademie in Berlin. Etwa alle zwei Monate startet ein neuer Kursus. Neu ist, dass die DAA... Mehr...



