TERMIN FACHAUSSCHUSS

6. Dezember 19.00 Uhr, Gesprächsrunde

ANSPRECHPARTNERIN IM VORSTAND

Beate F. Neumann
Tel.: 0335  290 93 88
Mobil: 0170  540 4925
E-Mail:  beate-f-neumann@arcor.de
 
Werdegang: Nach Volontariat und Regieassistenz beim DDR-Fernsehen Studium der Regie an der Film-Hochschule "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg. Ihr Diplomfilm "Unterwegs" erhielt 1996 den ersten Preis des Göttinger Filmfestes. Seit 1998 Dokumentarfilmautorin für "DIE ZEIT TV" und Dramaturgin für Cartoon Film / Warner Bros. Ihre Kurzfilme "Im Schatten der Mauer", "Maquillage" und "Unterwegs" dokumentieren die Wendezeit und liefen auf zahlreichen Festivals. Preis-Nominierungen: TV-Serie „Der Kleine Eisbär“ für „Emmy“; für den Förderpreis "Bester Debütfilm" beim Internationales Filmfest Emden 2005.  
Dokumentarfilme 2010: „Die neuen Nonnen von Moskau“ ( NDR); "Julias Abschied von der Welt"(WDR).  Kuratoriumsmitglied des Festivals "Goldener Spatz.   Foto: Yoiliswa Gärtig

AMTIERENDE VORSITZENDE (Stellv. Vorsitzende)

Rosa  Vollmer

E-Mail: rkvollmer@gmx.de


Werdegang: Nach Studium der Biologie in Marburg und Göttingen Aufbaustudium Journalismus (M.A.) an der Uni Mainz. Anschließend Praktikum und Freie Mitarbeit als Rechercheurin bei Stennerfilm GmbH, später Freie Mitarbeit beim ZDF (Marketing/ On Air Promotion) sowie bei der Frankfurter Rundschau (Wiesbaden). Seit Februar 2010 Freie Rechercheurin im Korrespondentenbüro der japanischen Tageszeitung Asahi Shimbun in Berlin sowie seit 2011 freie Autorin für ard.de/wissen. Zusätzliche Tätigkeit als Übersetzerin von japanischen Comics sowie Koordinator und Stringer für TV-Drehteams aus Japan.
   Nach der Wahl von Beate F. Neumann in den Vorstand des JVB Berlin ist Rosa Vollmer als bisherige Stellvertretende Vorsitzende bis zu einer Neuwahl amtierende Vorsitzende des FA. Foto: Marko Priske

 

DER FACHAUSSCHUSS JUNGE JOURNALISTEN/INNEN

Wir - vom Fachausschuss „Junge Journalistinnen und Journalisten“ - wenden uns an Nachwuchsjournalisten die gerade auf  dem Sprung ins Berufleben sind, an junge Redakteure/innen an junge „Freie“, die sich nach ihrer Ausbildung in der journalistischen Arbeit gegenüber der vielfältigen Konkurrenz erst noch behaupten müssen.  Unsere Aufgabe: Die Interessen der jungen Journalisten/innen im DJV und nach außen zu vertreten. Unser Fokus: Verbesserung der Qualität in Aus- und Fortbildung und der Rechte junger Journalisten/innen. Unsere Ziele: „Netzwerken“, beraten, informieren. Auf unserem Programm stehen Infoabende zu Themen rund um den Berufseinstieg und die Möglichkeit zum Austausch.
Wir – das sind Volontäre, Volontärinnen - junge Redakteure, Redakteurinnen, freie Journalisten und Journalistinnen.

Berichte und Informationen aus dem Fachausschuss

6. Dezember 2011

Fukushima - das Schweigen nach der Katastrophe: Gesprächsrunde mit dem japanischen Presseattaché

Aufmerksamkeit für die Argumente der Gesprächspartner - von links: Mario Schmidt (NDR), Beate F. Neumann (DJV Berlin), Tomonobu Hori (Presseattaché) und Dr. Ursula Richter (Soziologin). Foto: Simone Ahrend</.>

Spannend verlief am 6. Dezember die Gesprächsrunde des DJV Berlin für junge Journalisten/innen mit dem Presseattaché der japanischen Botschaft, Tomonobu Hori, dem langjährigen ARD-Korrespondenten in Tokio - jetzt Abteilungsleiter Ausland des ARD - Mario Schmidt, der Japankennerin Dr. Ursula Richter und dem in Berlin lebenden japanischen Künstler Yukihiro Ikutari über die Auswirkungen der Atomkatastrophe auf die Haltung der Japaner während und nach der Katastrophe. 
   Moderatorin des Gespräches: Beate F. Neumann, Stellvertretende Vorsitzende des DJV Berlin. Erstaunliche Antwort für die Zuhörer auf ihre erste Frage: Nicht die Havarie der Atomreaktoren sondern die Auswirkungen des Tsunami standen im Mittelpunkt des Interesses der Japaner, wie Mario Schmidt darlegte, Frau Richter: die Reaktion auf das Unglück habe sicherlich auch mit der Mentalität der Japaner zu tun - Presseattaché Hori ergänzte: "Bereits im Kindergarten und den Grundschulen werden wir daran gewöhnt mit Erdbeben umzugehen".
Zusätzliches Argument von Mario Schmidt: „Es gibt in Japan eine größere Besonnenheit Gefahren gegenüber, als wir sie von der Ferne einschätzen“, so hätten zum Beispiel die japanischen Medien, nach einer wissenschaftlichen Untersuchung über die Berichterstattung zur Katastrophe, korrekter und nüchterner berichtet als die deutschen.
   Presseattaché Tomonobu Hori betonte in diesem Zusammenhang, dass Vergleiche mit dem Reaktorunglück in Tschernobil, wie sie in europäischen Medien gemacht worden sind, auch in den Auswirkungen auf die radioaktiven Umweltverschmutzungen, nicht angebracht gewesen seien. 
   Attaché Hori und Schmidt fasten auf Nachfrage zusammen, dass in Japan inzwischen nicht nur die Bevölkerung gegenüber dem Umgang mit der Atomenergie kritischer geworden sei, so würde jetzt die Regierung unabhängige Aufsichtsbehörden schaffen, die außerhalb der bisherigen Kontrolleinrichtungen der Atomindustrie tätig werden sollen, auch die Proteste von etwa 40.000 Atomkritikern in Tokio seien eine neue Erscheinung für Japan genauso wie das Entstehen einer grünen Bewegung. Tomonobu Hori: „Es ist etwas in Bewegung geraten.“
K.K.

9. Oktober 2011

Junge Journalistinnen und Journalisten trafen sich in Hamburg

   Zur Tagung "24 Stunden Zukunft"  am 8. Und 9. Oktober trafen sich in Hamburg mehr als 100 junge Journalistinnen und Journalisten unter 35. Ihr selbstbewusstes Bekenntnis zum Journalistenberuf: "Trotz Stellenmangel und Konkurrenzkampf unter Freien - der Journalismus braucht uns"  zog sich wie ein roter Faden durch die Tagung. Eingeladen hatte der Fachausschuss „Junge“ im DJV. Dessen Vorsitzende Ariane Funke zog als Fazit dieser Tagung: "Vernetzung und neue Ideen sind überlebenswichtig“.
   Diskutiert wurde über die wirtschaftlich schwierigen Zeiten im Journalistenberuf, über Jobchancen, aktuelle Trends und praktische Tipps für den Berufsalltag. Den viel beachteten Auftakt machte am Sonnabend  die New York Times-Reporterin Souad Mekhennet, die aus ihrer Erfahrung als investigative Journalistin mit Schwerpunkt Terrorismus berichtete. Sie appellierte, den investigativen Journalismus zu erhalten, auch wenn er teuer sei. Der Hamburger Medienwissenschaftler Steffen Burkhardt stellte in seinem Referat die These auf, dass das Internet den Journalismus nicht verändere: Social Media und Journalismus seien keine Gegensätze.
   In einer Diskussionsrunde zum Thema: "Mit Synergien in den Untergang?" bestand Einigkeit in der Einschätzung, dass Zusammenschlüsse und Kooperationen von Medien zunehmen werden. Es komme darauf an, den Qualitätsjournalismus auszubauen. Die klassische Unterscheidung in Print, Rundfunk und Online sei überholt. Den praktischen Teil der Tagung bildeten fünf Workshops zu den Themen Medienrecht, Selbstmarketing, Podcast, Multimedia sowie Video-Journalismus. 

1. August 2011

DJV lädt zur Jungen-Tagung: „24 Stunden Zukunft" ein

   Am 8. und 9. Oktober 2011 findet im Hamburger NDR-Konferenzzentrum die DJV-Fachtagung „24 Stunden Zukunft" des DJV-Fachausschuss Junge Journalisten/innen statt. Unter dem Motto „Gekommen, um zu bleiben" geht es auf der Tagung um die Zukunft des journalistischen Nachwuchses, den Arbeitsalltag im Journalismus und vor allem um das Netzwerken untereinander.
  Die Tagung bietet sowohl Service als auch Information: Neben Workshops, in denen die Teilnehmer unter anderem Strategien für die Selbstvermarktung, juristische Ratschläge und Informationen zu Podcasts und Multimedia-Journalismus erhalten, werden Impulsreferate Einblicke in einzelne Aspekte des Journalismus bieten. Eine Podiumsdiskussion beschäftigt sich mit der provokanten Frage "Mit Synergien in den Untergang?" Sie soll aufzeigen, wie sich die journalistische Arbeitsweise künftig verändert. Diskutiert wird dabei über Zusammenschlüsse der Medienhäuser, Reporterpools sowie multimediales Arbeiten.
   Die Teilnahmegebühr  für DJV-Mitglieder 30,- €, Nichtmitglieder: 50- €. Anmeldungen nehmen die DJV-Landesverbände entgegen: DJV Berlin unter: info@djv-berlin.de

20. Juli 2011

1.728 Nachwuchsjournaliten fordern faire Tarifverträge von den Verlegern

Petition: BDZV-Justitiar Schaffeld nimmt 1.728 Unterschriften von DJV-Mitglied Daniel Stahl in Empfang. Foto: Gabriele Fromm

  Nicht nur der DJV fordert von den Zeitungsverlegern faire Tarifverträge und eine Perspektive für den journalistischen Nachwuchs, sondern auch 1.728 Kolleginnen und Kollegen, die eine Online-Petition an den BDZV unterschrieben haben. „Wer möchte am Ende noch für Sie arbeiten, wenn Sie nun die Löhne nochmals drastisch kürzen?“ fragen die Initiatoren in der Petition die Verleger. 
   Und weiter: „Wir haben studiert, kennen uns in Spezialgebieten in Politik, Wirtschaft oder Kultur aus, haben Auslandserfahrung, sprechen mehrere Sprachen. Wir können schreiben, Videos drehen, kennen uns mit den Techniken des Web 2.0 aus. Wir sollen in den Verlagen Wochenenddienste schieben, Abendtermine wahrnehmen, uns tief in gesellschaftliche Probleme einarbeiten und Überstunden machen, die wir natürlich niemals bezahlt bekommen. Und jetzt soll auch noch das Einstiegsgehalt für junge Journalisten um 30 Prozent gekürzt werden?“ Die Petition schließt mit der Forderung an die Zeitungsverleger, die Pläne für ein neues Tarifwerk zu verwerfen.
   Einer der Initiatoren, der Bamberger Journalist, Daniel Stahl, reiste eigens nach Berlin, um die Unterschriftenliste persönlich beim BDZV abzugeben. Verleger-Justitiar Burkhard Schaffeld nahm sie entgegen. Schaffeld: „Wir nehmen den journalistischen Nachwuchs und seine Wünsche und Forderungen sehr ernst." Bleibt zu hoffen, dass die Verleger das am Verhandlungstisch auch endlich einsehen.

9. März 2011Wahlen und eine interessante Informationsveranstaltung

Direkt vom Aufstand in Ägypten zum DJV Berlin

Auch Dr. Pistorius, Landesvorsitzender des DJV Berlin und ehemaliger Korrespondent der ARD in Rom und Brüssel, musste sich den Fragen von Narwa Eldessouky zur Arbeitsweise von Auslandsberichterstattern stellen

   Am Tag zuvor war Jürgen Stryak noch in Kairo, wo er von Anfang an für die ARD-Hörfunksender über den Aufstand der Demokratiebewegung gegen das Mubarakregime berichtet hat. Gestern Abend (8. März) stand er bereits im FA Junge Journalisten und Journalistinnen des DJV Berlin Rede und Antwort über seine Arbeit als langjähriger Auslandskorrespondent in Kairo.
   Ergänzt wurde sein Bericht von Marwa Eldessouky von Radio Fritz, die als gebürtige Ägypterin die Ereignisse von Berlin aus begleitet und moderiert hat. Beide beeindruckten durch ihre spannende und humorvolle Erzählweise.
   Vor Beginn der zahlreich besuchten Veranstaltung wählten die Mitglieder des FA ihre Sprecherinnen. Damit sind nach längerer Pause die Jungen Journalistinnen und Journalisten wieder im Erweiterten Vorstand des DJV Berlin vertreten. Zur Sprecherin wurde Beate F. Neumann gewählt, zur Vertreterin Rosa Vollmer.
   Jürgen Stryak, der übrigens seit 21 Jahren Mitglied des DJV Berlin ist, und auch Narwa Eldessouky hatten trotz ihrer guten Kenntnisse der ägyptischen Verhältnisse nicht erwartet, dass es zu diesem Aufstand kommen würde. „Wenigsten nicht so bald“, betonte Jürgen Stryak, der seit insgesamt 13 Jahren Korrespondent in Kairo ist und arabisch spricht. „80 Prozent der Unterschicht  ist seit Jahren unzufrieden, doch diese Reife und diese Form des Aufruhrs hat niemand erwartet.“
   Vom ersten Tag der Ereignisse in Kairo wurde er am Roten Meer überrascht. Bereits sieben Stunden danach war er mittendrin. Von da an, von 9.00 Uhr bis nachts 3.00 Uhr, fast ständig vom Lärm und den Sprechchören der Aufständischen umgeben, denn das ARD Studio befindet sich direkt neben dem inzwischen niedergebrannten Hauptquartier der Mubarak-Partei. „Meine Kollegin und ich waren nicht in Panik und hatten auch keine Angst – so unwahrscheinlich das klingen mag, da wir schon seit Jahren im Land leben und daher wussten was vorgeht“, beantwortete Stryak die an ihn gestellte Frage. „Nur einmal wurde es gefährlich, als etwa 2.000 Mubarak Anhänger Jagd auf seine Gegner - ihnen standen eine Million gegenüber - und auf ausländische Journalisten machten. Uns Korrespondenten half die Bevölkerung, sie wollte dass wir über diese Demokratiebewegung im Ausland berichten. So brachten uns zum Beispiel Menschen mit Essig durchtränkte Tücher, damit wir uns gegen Tränengas schützen konnten.“
   Geschlafen wurde im Studio, 16 bis 18 Stunden in diesen Tagen durchgearbeitet. Jede ARD-Welle wollte Lifegespräche! „Oft haben wir nicht einmal mitbekommen welcher Sender gerade zugeschaltet war.“  Die Koordination der Wünsche der verschiedenen Anstalten lag in Baden bei der Koordinierungsstelle der ARD Sender, sie bat schließlich keine direkten Telefongespräche mit dem Studio in Kairo zu führen: Die Korrespondenten seien zu eingespannt!
   Kritisch beurteilt Jürgen Stryak die Rolle der deutschen Medien, wobei ihm Marwa Eldessouky  zustimmte: „In den deutschen Medien war die Sicht über die Vorgänge eingeengt, darum beschlossen wir nur noch von der  ,Demokratiebewegung‘ zusprechen, dem Vorurteil entgegen zu treten, dass es ein Aufstand er Moslembruderschaft sei . So haben die Aufständischen aufgefordert keine religiösen Gegenstände mitzubringen oder Parolen zu verbreiten. Entsprechend haben wir auch die O-Töne für die Sendungen ausgewählt - wir waren bemüht das Panorama zu öffnen.
   Auf die Frage wie deutsche Journalisten das System Mubarak dargestellt haben kam seine Antwort: „Für uns vor Ort war Mubarak kein Bollwerk gegen den Terrorismus, sondern er produzierte ihn. Die Einreisenden Journalisten sahen in ihm meist ein notwendiges Übel.“
   Interessant war die Einschätzung über die Form der Berichterstattung.  Als Marwa Eldessouky darauf verwies, dass Junge Hörer mehr Emotionen in der Berichterstattung haben wollen und dabei von der Überspielung von entsprechenden Telefongesprächen aus Ägypten mit zum Beispiel weinerlichen und erregten Stimmen berichtete, entgegnete Jürgen Stryak: „Wir Korrespondenten bedienen ungern diese Art von Bouleward-Journalismus in den Sendern, aber hier war die Dramatik von selbst dabei! Wir wollen ein redlicher Spiegel sein.“
   Zum Schluss des Gespräches schilderte er wie es zur Gründung von Weltreporte.net , dem globalen Korrespondentennetz für deutschsprachige Medien kam. Gegründet hatte er es mit fünf anderen Kollegen als nach 2001die Auslandsbüros der deutschen Medien nach und nach abgebaut, die Honorare drastisch gesenkt wurden – inzwischen hat es etwa 45 Mitglieder in der Welt.
   Die Kriterien der Mitgliedschaft sind: Man muss als freier  Journalist/in etabliert sein, mindestens einjährige Erfahrungen mit Redaktionen haben, mindestens ein Jahr frei gearbeitet haben, darstellen wie erfolgreich man sich vermarktet, entsprechende Kontakte bzw. Auftraggeber nachweisen, 500,- € Jahresbeitrag zahlen. Weltreport.net verfügt über ein eigenes Büro mit einem eigenen Netz über Kundeninformationen (z.B. was hat der Kunde gezahlt). Jedes Mitglied vermarktet sich selbst: Etwa 95 Prozent sind Angebote der Korrespondenten, 5 Prozent Aufträge.
   Abschließend gab Jürgen Stryak seine Einschätzung des arabischen Senders Al Jazeera's (al dschasira): Der Sender habe viel für die Demokratisierung der arabischen Welt geleistet. Zwar werde er von einigen Seiten angefeindet, er spiegele aber die Situation wieder und sei ein ausgesprochenes Profi-Fernsehen, dagegen wären deutsche Programme, z.B. NTV, reines „Studentenfernsehen“. Al Jazeera's habe auf jeden Fall nicht nur das Meinungsmonopol der Staatssender in der arabischen Welt gebrochen sondern sorge auch für mehr Meinungsvielfalt.
   Die Zuhörer dankten mit lang anhaltenden Beifall, auch der gekonnten Moderation von Beate F. Neumann. Danach wurde die Möglichkeit zu Einzelgesprächen  mit allen drei ausgiebig genutzt.
K. Kundt / Fotos: Bernd Lammel

 

"Das erste Berufsjahr ist die Hölle"

   Mit unserer ersten Infoveranstaltung am 23. Januar haben wir offensichtlich gleich ins Schwarze getroffen. Reichlich Besucher, haufenweise Tipps zum Beruf des Freien Journalisten und viele Nachfragen haben uns bewiesen: Die Unsicherheit über die berufliche Zukunft als „Freier“ ist immens – und damit auch der Bedarf an Informationen.
  
Eines zeigten die Antworten der drei Gäste auf jeden Fall: Wer früh genug weiß, was auf ihn zukommt, ist auf der sicheren Seite. Imke Rosebrock vom Journalistenbüro „Freie Redaktion“ war durch ihre Kollegen vorgewarnt: „Das erste Berufsjahr wird die Hölle.“
   Doch nach dieser Durststrecke ging es bei ihr bergauf. „Dabei helfen gute Kontakte aus Praktika, die man unbedingt pflegen sollte“, betonte Rosebrock. Hilfreich sind ebenfalls gute Exposés, die an die Redaktionen rausgehen. Ein absolutes „Don’t“: Massen-Mails mit einer ellenlangen Empfängerzeile und offensichtlicher Unkenntnis, was in der Redaktion für Themen laufen – oder bereits gelaufen sind.
   Wer freier Journalist werden will, sollte sich ebenfalls dringend mit der Künstlersozialkasse (KSK) auseinandersetzen, empfahl Renate Thiemann, die beim DJV-Berlin über Sozialfragen berät. Vorteil gegenüber einer privaten Krankenversicherung: die KSK übernimmt wie ein regulärer Arbeitgeber die Hälfte der Beiträge für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung.
   Daher sei es wichtig, sein Jahreseinkommen realistisch zu schätzen. Denn eine zu niedrige Einschätzung wirke sich nachteilig auf die spätere Rentenzahlung aus, warnte Thiemann. Wer mindestens 325 Euro monatlich als Journalist verdient, darf in die KSK. Außerdem sinnvoll: VG Wort, Presseversorgungswerk und eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
   Bei über 10 000 Euro Jahreseinkommen (inklusive Versicherungen) hält das Finanzamt die Hand auf. Ein freier Journalist muss die Einkommenssteuer und die Mehrwertsteuer (auch Umsatzsteuer genannt) abführen, erklärte Uwe Lange, zuständig beim DJV-Berlin für Steuerfragen und Partner der Kanzlei ECOVIS Grieger Mallison Berlin. Berechnet wird der Gewinn, sprich die Einnahmen, die abzüglich der Ausgaben unterm Strich übrig bleiben. Freie Journalisten können zum Beispiel Büromaterial, Fachbücher und Zeitschriften, Kommunikations-, Reise- und Bewirtungskosten „steuermindernd“ in ihrer Erklärung angeben.
   Nicht mehr absetzbar ist hingegen das Arbeitszimmer in der heimischen Wohnung. Und wer den Sommerurlaub in Italien als „Recherchereise“ durchkriegen will, sollte lieber Arbeitsproben als Beleg parat haben – sonst ist die Erholung schnell passé. Auch das sündhaft teure Outfit für den großen Auftritt auf der nächsten Pressekonferenz gilt nicht als absetzbare Arbeitskleidung.
   Besser investiert ist dieses Geld in eine repräsentative Homepage, vorzeigbare Visitenkarten und eine gute Berufshaftpflichtversicherung – falls man auf besagter Pressekonferenz mal „über den teuren Laptop des Kollegen stolpert“, empfahl Rosebrock am Ende der zweistündigen Veranstaltung.
   Und schob noch einen wichtigen Tipp hinterher. Auch wenn der Arbeitstag gerade am Anfang lang und die Frustration über das mickrige Honorar für einen aufwändigen Artikel oder Beitrag groß ist: „Qualität zahlt sich am Ende immer aus.“ Wer zuverlässig gute Qualität liefert, dem sind Redaktionen schnell gewogen.
Jörg Oberwittler