Fachausschuss Chancengleichheit
Der spartenübergreifende Fachausschuss Chancengleichheit setzt sich für die Gleichbehandlung aller ein. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungsaustausch, Weiterbildung, Kongresse, internationale Arbeit und gegenseitige Hilfe.
30. Juni 2012Nach dem ESC
Neues Gesetz schränkt Pressefreiheit in Aserbaidschan ein
Vor einem Monat schaute Europa auf den Eurovision Song Contest in Baku. Die ausländischen Journalisten sind wieder fort, die Missstände geblieben. Mit einem neuen Gesetz verschärft die Regierung nun die Presse-Freiheit im Land. Von Jan Söfjer Mehr...
25. Mai 2012Podiumsdiskussion im Auswärtigen Amt
Aserbaidschanische Journalisten berichten über Repressalien
Der Eurovision Song Contest in Baku geht ins Finale. Doch wie sieht das Land hinter der Bühne aus? Der DJV Berlin und das Auswärtige Amt luden zu einer Podiumsdiskussion mit Journalisten aus Aserbaidschan und einem Vertreter der Botschaft ein.
Ja natürlich gebe es Probleme in Aserbaidschan, gestand Nurchin Aliyev, der dritte Sekretär der aserbaidschanischen Botschaft in Berlin. Sein Land sei erst seit 21 Jahren unabhängig. „Es muss ein Generationenwechsel stattfinden, aber das braucht seine Zeit“, sagte Aliyev und verwies darauf, dass Aserbaidschan 1918 immerhin die erste demokratische Republik im muslimischen Orient war. „Unsere Richtung ist Europa, wir wollen in europäische Strukturen“, doch mit Nachbarn wie Iran und Russland sei nicht immer alles einfach.
Nourida Ateshi weiß aus eigener Erfahrung, was für Probleme Journalisten in Aserbaidschan haben. Wegen kritischer Berichterstattung erhielt die Aserbaidschanerin, die an dem Abend auch Gedichte vortrug, ein Veröffentlichungsverbot für zehn Jahre und wanderte 1995 nach Deutschland aus. Vor mehr als 60 Gästen sprach sie am vergangenen Mittwoch im Auswärtigen Amt über ihre Heimat und das Land hinter der Bühne des Eurovision Song Contests, der morgen sein Finale hat. Der DJV Berlin hat als Co-Ausrichter für die Podiumsdiskussion zwei Journalisten aus Aserbaidschan eingeladen, die erzählten, wie es um die Pressefreiheit dort bestellt sei.
Die eine ist Faina Hanifayeva. Sie arbeitete als Korrespondentin für den BBC World Service in der Landeshauptstadt Baku. Im Auswärtigen Amt erzählte sie von einer Kollegin, die wegen kritischer Recherchen erpresst worden sei. „Sie ließen ihr Fotos von ihr und ihrem Freund zukommen“, verleumdeten sie schwer, doch sie sei standhaft geblieben. Dabei hätten es Frauen eh schon nicht einfach in Aserbaidschan, da viele Berufe von Männern dominiert würden. „Viele Frauen geben ihren Beruf mit der Hochzeit auf“, sagte Hanifayeva.
Frank Überall, der den von der Tucholsky-Buchhandlung und dem Gencevi-Institut für aserbaidschanische Kultur unterstützten Abend moderierte, wollte dann vom anderen Gast, Eltschin Schichlinski, wissen, welche Schwierigkeiten er als Chefredakteur der großen zweisprachigen Tageszeitung Ayna/Zerkalo erlebe.
Schichlinski sagte, es sei überall auf der Welt schwierig, guten Journalismus zu machen, in Aserbaidschan aber sei es sehr schwierig. Beispielsweise „gibt es kein unabhängiges Vertriebssystem für Zeitungen“. Der Vorsitzende des Aserbaidschanischen Journalistenverbandes sagte, unabhängige Zeitungen könnten nur mit Anzeigen Geld verdienen, diese jedoch seien an etlichen Stellen weggebrochen, da viele Unternehmen inzwischen Monopole besäßen und keine Werbung mehr schalten müssten. „Aserbaidschan ist ein reiches Land, aber die Marktwirtschaft funktioniert nicht“, sagte Schichlinski mit Verweis auf die Bodenschätze des Landes.
Und kann es für Journalisten wie ihn gefährlich werden? „Ja natürlich“, sagte Schichlinski. Er gelte sogar als Gefahr für seine Freunde. „Die Mehrheit der Europäer hat kaum eine Vorstellung von Aserbaidschan.“ Vielleicht ändere sich das nun durch den Eurovision Song Contest.
Der Botschaftssekretär Nurchin Aliyev freute sich über die Berichterstattung über sein Land, sieht es aber oft schlecht in der deutschen Presse dargestellt: „Es wird ungerecht berichtet“, sagte er beispielsweise über eine Sendung des ZDF Morgenmagazins und einen SPIEGEL-Artikel. Nourida Ateshi warf ein, sie haben den Artikel gelesen. Alle Fakten seien korrekt gewesen. Aus dem Publikum ergänzte der ehemalige DJV Berlin-Vorsitzende Peter Pistorius, dass es nicht sein könne, dass Aliyev die deutsche Presse anstatt der Verantwortlichen für Missstände in Aserbaidschan als Schuldigen hinstelle.
Der Fotograf und Vorsitzende des DJV Berlin, Bernd Lammel, hat sich kürzlich selbst ein Bild von Aserbaidschan gemacht und zeigte Fotos von der Altstadt Bakus mit modernen Hochhäusern im Hintergrund sowie von den schlechten Lebensbedingungen auf dem Land, die noch ähnlich wie zu Sowjetzeiten sind. Lammel sagte: „Die junge Generation ist optimistisch, modern und internetaffin. Sie diskutiert über Europa und Weltpolitik, doch immer wacht der Präsident, dessen Bilder überall im Land hängen.“
Fotos: Simone Ahrend
23. März 2012Tagung der Friedricht-Ebert-Stiftung
Die Macht medialer Geschlechterbilder
Massenmedien haben in doppelter Hinsicht eine geschlechtliche Dimension. Zeitungsredaktionen und Fernsehsender sind männlich geprägt, die Filmbranche und die Blogosphäre ebenso.
Die Tagung "Gender Matters – Die Macht medialer Geschlechterbilder", ausgerichtet von der Friedrich-Ebert-Stiftung ging am 16. März der Frage nach, wie Geschlechterrollen in den unterschiedlichsten Bereichen von der journalistischen Tagesberichterstattung bis zum Spielfilm konstruiert und dargestellt werden.
Teilnehmerinnen waren unter anderem Pof. Dr. Gesine Schwan (Uni-Präsidentin), Ines Pohl (Chefredateurin taz) und Lena Rohrbach (Piratenpartei). Moderiert wurde von Dr. Claudia Neusüß.
Die Dokumentation zur Tagung ist nun online. Das Team des Missy Magazines hat die Beiträge zusammengefasst, Interviews geführt und Videos gedreht. Zu sehen unter: gendermatterstagung.blogspot.de
13. März 2012Tagung "Frau Macht Medien"
Journalistinnen wollen nach oben
Die Hälfte der journalistischen Berufsanfängerinnen sind weiblich, doch in den Chefetagen herrscht Frauenmangel. In Köln trafen sich nun beim DJV-Journalistinnentag Frauen aus ganz Deutschland, um über ihre Rechte zu reden.
Die Vizepräsidentin der EU-Kommission Viviane Reding ermutigte auf dem DJV-Journalistinnentag „Frau Macht Medien“ vergangenen Samstag in Köln die teilnehmenden Frauen Führungsetagen anzupeilen. Die ehemalige Journalistin wünscht sich, dass überall Bewerbende nach Qualifikation beurteilt werden, nicht nach Geschlecht: „Wir brauchen jeden klugen Kopf. Und wir Frauen machen nun einmal die Hälfte der klugen Köpfe aus.“
158 Journalistinnen verabschiedeten während der Tagung, die vom DJV-Fachausschuss Chancengleichheit organisiert wurde, gemeinsam eine Resolution. Darin heißt es: „Journalistinnen machen die gleiche Arbeit wie Journalisten – wir fordern für die gleiche Arbeit die gleiche Honorierung, den gleichen Lohn [...] Wir fordern mehr Führungspositionen.“
Bereits eine Woche vorher sagte Reding, dass die Chancen für eine gesetzliche Frauenquote innerhalb der EU gut stünden. Das wurde auch von der Vorsitzenden des DJV-Fachausschusses Chancengleichheit, Mechthild Mäsker, begrüßt: „Ohne gesetzlichen Druck ändert sich nichts.“ Die Hälfte der journalistischen Berufsanfängerinnen seien weiblich, doch in den Chefetagen herrsche Frauenmangel.
Wie mehr Frauen in die Chefsessel gelangen könnten, erörterten Workshopleiterinnen während des Kongresses in den Arbeitsgruppen und luden zur Diskussion vor allem über Karrierestrategien für Journalistinnen ein.
Die stellvertretende Vorsitzende des DJV Berlin, Beate F. Neumann, würdigte zu Beginn der Tagung die kürzlich verstorbene Bildjournalistin Gabriele Fromm, Schatzmeisterin des DJV Berlin und ehemalige Bundesvorsitzende des Fachausschusses Bild, mit einer Gedenkminute. Sie erinnerte an das „herausragende Engagement von Gabi“ und den tiefen Respekt, den sie den Menschen entgegenbrachte, die sie porträtierte.
19. Januar 2012Fachausschuss Chancengleichheit
Ausstellung, Lesung, Neuwahlen

- Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Veranstaltungsraum in der Geschäftsstelle. Foto: Madeleine Kempkes

- Simone Ahrend vor zwei Porträtfotos ihrer Ausstellung über die Chancen junger Frauen. Foto: Jurisch
Der Fachausschuss wählte am 18. Januar einstimmig seinen Vorstand. Vorsitzende wurde die Brandenburger Fotojournalistin Simone Ahrend, ihre Vertreterin die Fernsehjournalistin und Autorin Dr. Nourida Ateshi. Die langjährige Vorsitzende Almut Zimdahl kandidierte nicht mehr und wurde mit Dank und großem Beifall verabschiedet.
Den Wahlen ging die Eröffnung der Fotoausstellung "Sans souci" über die Probleme junger Frauen in Brandenburg voraus und eine Lesung aus dem Buch "Kaukasische Amazonen - Die wahre Geschichte hinter den Mythen", welches die Forschungsergebnisse der historischen Rolle der kämpferischen Frauen in den kaukasischen Bergen darstellt. Ausstellungseröffnung und Lesung wurden von der Stellvertretenden Landesvorsitzenden Beate F. Neumann moderiert.
Die ausgestellten Fotos von Simone Ahrend zeigen die Porträts von 13 jungen Frauen, die von ihren Zukunftsvorstellungen und Lebenszielen aber auch Ängsten und Nöten erzählen. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt vom Land Brandenburg, des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Brandenburg und der KuKMA Potsdam, sie richtet sich besonders an Mädchen und junge Frauen und will eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema "Chancengleichheit für alle" anregen. Projektleitung Ulrike Häfner, Fotografie Simone Ahrend, Texte Astrid Priebs-Tröger. Zur Ausstellung gibt es einen Begleitkatalog.
Ganz anders das Projekt "Kaukasische Amazonen". Das Buch von Dr. Nourida Ateshi, herausgegeben von der Nationalen Akademie der Wissenschaften von Aserbaidschan, gibt Forschungsergebnisse über die frühgeschichtliche Rolle der Frauen in Kaukasien wieder. Zitat: "Die kaukasischen Kriegerinnen bildeten eine Gesellschaft von mutigen, furchtlosen und kämpferischen Frauen, die allein Krieg führten, auf dem Rücken der Pferde jagten und sich mit landwirtschaftlichen Tätigkeiten befassten.".



















